Das Netz als telepathischer Raum

Von Ken­neth Golds­mith

Mit Semi­na­ren für „unkrea­ti­ves Schrei­ben“ und dem Ver­such das Inter­net aus­zu­dru­cken, wur­de der Lyri­ker und Kon­zept­künst­ler Ken­neth Golds­mith inter­na­tio­nal bekannt. Dem­nächst erscheint sei­ne viel zitier­te Poe­tik Uncrea­ti­ve Wri­ting in einer erwei­ter­ten Fas­sung bei Matthes & Seitz. 

 

Die­ser Text ist nur in der Print­aus­ga­be 2/2017 ver­füg­bar.
Zita­te aus die­sem Bei­trag:

 

Pearl Cur­ran begann 1913 mit ihrem Hexen­brett Nach­rich­ten von einem bri­ti­schen Geist aus dem sieb­zehn­ten Jahr­hun­dert zu emp­fan­gen.  Als sie ihre Tätig­keit als Medi­um ein­stell­te, hat­te sie ein Werk von 400.000 Wör­tern geschaf­fen, von denen kein ein­zi­ges ihres war – eine Unkrea­ti­ve Schrei­be­rin, Text­ver­ar­bei­te­rin und Daten­um­set­ze­rin fast hun­dert Jah­re vor dem Inter­net.

 

Dem Web, einem kör­per­lich-affek­ti­ven und tele­pa­thi­schen Raum, haf­tet etwas Okkul­tes an, das an die spi­ri­tis­ti­schen Bewe­gun­gen aus dem 19. Jahr­hun­dert erin­nert – ein frü­her Fall von Kör­per-Netz­werk-Ver­schmel­zung.

 

Von Erfin­dun­gen wie dem Tele­gra­fen ange­spornt, began­nen Spi­ri­tis­ten damit, die Toten durch den Äther anzu­zap­fen und ihre Wor­te zu mate­ria­li­sie­ren. 

 

Auch in der Mate­ria­li­sie­rung eines gan­zen Buches aus dem Nichts – beim Her­un­ter­la­den oder Druck einer PDF-Datei – hallt noch ein Echo des Okkul­ten nach. 

 

Wir wol­len grö­ße­re und immer grö­ße­re Leser­krei­se, die wir nur um den Preis zuneh­men­der Miss­ver­ständ­lich­keit erwer­ben kön­nen.

 

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Online seit: 5.7.2017

Zuletzt geän­dert: 22. Okt. 2017