Der Ton und die Musik

Eine Kurz­ge­schich­te von Finn Job

Wie ich denn mit ihr rede, hat sie mich gefragt. Ob mir eigent­lich bewusst wäre, wie das, was ich sage, klin­ge, hat sie mich gefragt. Im All­ge­mei­nen ist sie die­je­ni­ge, die redet und klingt – sie, die nor­ma­ler­wei­se so angst­los ist, dass sie die Leu­te damit ver­schreckt, sie, die für gewöhn­lich Gefal­len dar­an fin­det, zu reden und zu klin­gen. Sie also hat mich gefragt, wie ich so mit ihr spre­chen kön­ne, und dabei hat sie nicht ein­mal ihre Stim­me erho­ben, obwohl sie sonst immer bereit ist, ihre Stim­me zu erhe­ben, und obwohl sie sonst eine gewis­se Lust dabei zu emp­fin­den scheint, ihre Kon­tro­ver­sen in die Welt hin­aus­zu­ru­fen. Sie, die grund­sätz­lich dar­auf besteht, dass man ihren Namen nicht abkürzt, weil sie meint, dass er ansons­ten pro­vin­zi­ell und infan­til klin­ge, sie hat heu­te bloß dage­ses­sen, sich eine ihrer blon­den Sträh­nen hin­ters Ohr gescho­ben und mich ange­se­hen. Und dann hat sie wis­sen wol­len, wie ich mit ihr rede.

Guten Abend, sage ich und füh­re die Her­ren zu Tisch. Natür­lich könn­ten sie nur etwas trin­ken. Ich spre­che höf­lich und gedämpft, wie es sich nun ein­mal gehört, denn nor­ma­ler­wei­se, und so auch jetzt, beherr­sche ich den rich­ti­gen Ton. Ja, der Ton macht die Musik, das ist mir durch­aus bewusst. Und eigent­lich ist auch ihr bewusst, dass mir das bewusst ist – das soll­te es zumin­dest sein, weil sonst ich der um Har­mo­nie Bemüh­te, weil sonst ich der Sanf­te in unse­rer Bezie­hung bin.

Wie ich mir das vor­ge­stellt hät­te, hat sie gefragt und im Kon­junk­tiv lag ihre gan­ze Infa­mie, denn schließ­lich hat­ten wir es uns gemein­sam vor­ge­stellt und letzt­lich war all das ihre Idee, war all das ihr Wunsch gewe­sen.

Sie wün­schen, fra­ge ich, und weil sie nicht viel wün­schen, las­se ich den Block und den Stift in der Tasche, auch wenn Stu­di­en bele­gen, dass ein Block und ein Stift das Trink­geld erhö­hen. In den letz­ten Wochen habe ich die Trink­geld­jagd per­fek­tio­niert, ja sie pro­fes­sio­na­li­siert, den­ke ich, wäh­rend ich der neu­en Kol­le­gin an der Bar, deren Namen ich immer ver­ges­se – wäh­rend ich also die­ser neu­en Kol­le­gin sage, dass Tisch zwei eine Fla­sche Sancer­re und unge­kühl­tes, stil­les Was­ser bestellt. Nie war mir das Trink­geld wich­ti­ger als in den letz­ten Wochen, den­ke ich, wäh­rend ich