Literarische Destruktion, proletarische Konstruktion
Isaak Babel, Michail Bulgakow, Ilja Ehrenburg oder auch Nobelpreisträger Scholochow zählen zu den wortführenden Autoren der literarischen Moderne Sowjetrusslands, alle sind sie – und mit ihnen zahlreiche ihrer weniger bekannten Schriftstellerkollegen – aus der Ukraine gebürtig. Obwohl ihnen das Ukrainische als Umgangs- wie als Literatursprache zur Verfügung stand, schrieben und veröffentlichten sie ausschließlich in russischer Sprache, weshalb sie denn auch als ethnische Ukrainer umstandslos der russischen Literatur zugeordnet wurden. Da diese Zuordnung durchaus ihrem Selbstverständnis entsprach, übersiedelten die meisten von ihnen früher oder später nach Russland, um sich im „vaterländischen“ Literatur- oder Theaterbetrieb zu etablieren.
Dies trifft nicht zuletzt auf ukrainische Autoren wie Dawid Burljuk, Benedikt Liwschiz oder Aleksej Krutschonych zu, die vor dem Ersten Weltkrieg zusammen mit Majakowskij und Chlebnikow den Moskauer Kubofuturismus initiierten und bis in die frühen 1920er-Jahre als Protagonisten der „russischen“ Avantgarde eine epochale, international vielbeachtete Literaturrevolution durchsetzten. Auch die damalige „russische“ Bildkunst (Malerei, Plastik, Bühnendesign) hatte ihren Ursprung zu großen Teilen in der Ukraine – Archipenko, Malewitsch und Aleksandra Ekster waren aus der Gegend um Kyjiw gebürtig, Kandinskij aus Odessa, Schewtschenko (Begründer und Wortführer des Neoprimitivismus) aus Charkiw; doch ihre Karriere haben sie in Russland oder im westlichen Ausland gemacht. Auf ukrainischem Territorium hat sich unter wechselnden politischen Auspizien über lange Zeit hin eine dreisprachige literarische Kultur herausgebildet, mehrheitlich getragen von russisch schreibenden Autoren, sekundiert von solchen, die – klar in der Minderheit – das Ukrainische oder das Jiddische als Literatursprachen pflegten. Diese ungleiche literatursprachliche Aufteilung stimmt mit der ethnischen Zusammensetzung der kulturell dominanten Hauptstadt Kyjiw überein, deren Bevölkerung in den 1920er-Jahren größtenteils aus ethnischen Russen sowie aus russisch sprechenden Ukrainern und Juden bestand. In den vorwiegend ländlichen Gegenden des Landes wurde jedoch, stark vom städtischen Standard abweichend, zu rund 80 Prozent ukrainisch und nur zu 10 Prozent russisch gesprochen. Jiddisch, Polnisch, Rumänisch bildeten dazu den marginalen Rest.
Wohl ist die russischsprachige Literatur in und aus der Ukraine – vom Klassiker Nikolaj Gogol bis zu den Modernen – seit langem breit erforscht und weithin bekannt, doch das in ukrainischer und jiddischer Sprache vorliegende Schrifttum bleibt hierzulande erst noch zu entdecken, aufzuarbeiten und in den europäischen literarischen Kontext einzuordnen. Solide Ansätze dazu gibt es bereits, und angesichts des russischen Angriffs- und Vernichtungskrieges gegen die Ukraine hat sich das diesbezügliche Interesse merklich gesteigert – wissenschaftliche Tagungen und Sammelwerke wie auch der vermehrte Output von Übersetzungen ukrainischer Prosa, Essayistik und Lyrik tragen zu erweiterter Rezeption bei.
•
Unter den Protagonisten der inzwischen „klassisch” genannten ukrainischen Moderne ist hier beispielshalber der Dichter und Dichtungstheoretiker Mychajl Semenko (1892–1937, Abb. 1) zu nennen, der ab 1914 als Wortführer des einheimischen Futurismus von sich reden machte. Die traditionskritische futuristische Ästhetik hat er – über den Weltkrieg hinaus – nicht nur thesenhaft propagiert, er hat sie auch mit einer Vielzahl eigener Texte exemplarisch ins Werk gesetzt und als umtriebiger Kurator (Redakteur, Herausgeber, Ausstellungsmacher) nachhaltig zu ihrer Verbreitung beigetragen.
In der Ukraine hat sich über lange Zeit eine dreisprachige literarische Kultur herausgebildet.
Semenkos literarische Anfänge wurden durch den Krieg gleichermaßen gestört wie gefördert. Einerseits unterbrach seine Rekrutierung als Telegraphist in den russischen Fernen Osten (1914–1917) seine eben erst in Kyjiw begonnene literarische Karriere, andrerseits fand er im unangestrengten Dienst ausreichend Zeit für intensive Schreibarbeit.
Bereits 1913 hatte Semenko, zwanzig Jahre alt, seinen lyrischen Erstling („Prélude“) vorgelegt, kurz darauf folgte unter dem Titel „Wagnisse“ (1914) ein weiterer Poesieband, der seine Abkehr von neoromantischer Gefühligkeit und symbolistischen Gedankenflügen einleitete zugunsten einer provokanten, aus dem Fundus der rauen Alltagssprache genährten Rhetorik. Der Übergang zu großstädtischen Themen mit sozialkritischem Kolorit kam der Verabschiedung der traditionell „heimeligen ukrainischen Kunst“ gleich und setzte den revolutionären Impetus zur Schaffung eines neuen Menschen und einer neuen Welt frei. Dass die Durchsetzung des „Neuen“ mit der Vernichtung des „Alten“ einhergehen muss, unterstreicht Semenko im Vorspruch zu den „Wagnissen“, indem er jeglichem Kult und aller hergebrachten Kultur explizit den Tod wünscht.
Ähnliches hatten zuvor schon mit vergleichbarem Furor die russischen Kubo- und Egofuturisten verlautbart, doch Semenko war besessen von der Ambition, in der Ukraine eine eigenständige Literatur- und Kunstrevolution auf den Weg zu bringen. Um also den Futurismus als eine originär ukrainische Innovation glaubhaft zu machen, musste er naturgemäß an der ukrainischen Sprache festhalten. Dafür gab es noch einen andern, allgemeineren Grund: Da das Ukrainische im russländischen Imperium seit jeher als „kleinrussischer Dialekt“ verpönt war und weder als Amts- noch gar als Literatursprache anerkannt wurde, fühlte sich Semenko zusätzlich dazu motiviert, eben diese Sprache (die ja auch seine Muttersprache war) als Medium der avantgardistischen Poesie hochzuhalten – ein Ansinnen, das er in Übereinstimmung mit der verhältnismäßig liberalen zeitgenössischen Sprachenpolitik weitgehend uneingeschränkt vorantreiben konnte, bis er in den mittleren 1930er-Jahren aus ideologischen Gründen von den derweil machtvoll installierten Sowjetbehörden definitiv daran gehindert wurde.
•
Mychajl Semenko hat in die gesamteuropäische futuristische Bewegung zumindest dem Namen nach zwei originär ukrainische „Kunstismen“ eingebracht – den „Kwero-Futurismus“ (1914) und den „Pan-Futurismus“ (auch „Aspanfut“ genannt, ab 1920). Die entsprechenden Programmschriften sind nicht, wie sonst üblich bei Manifesten aus jener Zeit, knapp und provokant abgefasst, sondern argumentativ als Essays ausgearbeitet.
Mit der Bezeichnung „Kwero-Futurismus” – hergeleitet von lateinisch quaero, „ich suche“ (also eigentlich: „Quaero-Futurismus“) – wollte Semenko die neue ukrainische Kunstbewegung vorrangig als eine allseitige Recherche ausweisen, die nicht auf vorgegebene Ziele angelegt sein sollte, sondern darauf, in uneingeschränkter Dynamik sich auszuleben: Nicht auf das Werk, vielmehr auf den Prozess sollte es ankommen, denn „die Kunst fragt nicht nach dem endgültigen Seinszustand“, sie vollzieht sich als ein andauernder „zentrifugaler Prozess“ und „führt das Evolutionsprinzip in die Erkenntnis ein“ – alles bereits „Entdeckte und Erlebte“ ist folglich künstlerisch irrelevant, und jede „Vollendung“ muss vermieden werden. Deshalb ist es denn auch für die „reine“ (die futuristische) Kunst ohne Belang, „ob alles Vollendete in Museen verstaubt oder für immer vernichtet wird“.
Im Unterschied zu den russischen und italienischen Futuristen mit ihren expliziten Aufrufen zur Kulturvernichtung bleibt Semenko im Ausdruck eher moderat – seine „quaero-futuristische“ Grundsatzerklärung wie auch seine späteren „panfuturistischen“ Verlautbarungen verlieren sich über weite Strecken in vagen philosophischen Erörterungen, zuletzt dann in klischeehaften klassenkämpferischen Parolen und bleiben im Wesentlichen darauf beschränkt, für alle Künste die „Schönheit der Suche“, den „dynamischen Flug“, die „gleiche Höhe mit dem Leben“ zu fordern. Wenn er den „Quaero-Futurismus“ zusammenfassend als künstlerischen „Ausdruck des allgemein-menschlichen Gefühls“ in Anschlag bringt, treibt er ihn damit keineswegs „zu den Grenzen, an denen in der internationalen Kunst eine neue Epoche beginnt“, wie er selbst es sich vorstellt. Als eine innovative Leistung kann das ebenso wenig gelten wie seine vielfach wiederholten „pan-futuristischen“ Aufrufe zur definitiven „Destruktion“ beziehungsweise „Liquidierung“ des Kunstschaffens schlechthin. Kunst sollte demnach ein rein technisches Fertigungsverfahren sein, eine „konstruktive Faktur“, unabhängig von ästhetischen Kriterien, allein der Sowjetideologie verpflichtet, kurz: „An die Stelle der Kunst tritt Kunstfertigkeit und Könnerschaft, deren Aufblühen sich in der organisiert-kommunistischen Lebensweise vollziehen soll.“
•
In der poetischen Praxis wich Semenko von diesem theoretisch und programmatisch schwachen Ansatz freilich immer wieder deutlich ab, zumal in seinem genialischen lyrischen Frühwerk, das dominiert ist von der tragikomischen Figur eines Pierrot (oder „Petka“) mit unverkennbar subjektiven Charakterzügen des Autors, ständig schwankend zwischen Liebestaumel, Einsamkeit und allerlei „herbstlichen Qualen“. Kein Wunder denn also, dass emotional geladene Begriffe wie Seele, Herz, Schmerz, Traum, Glück, Wunder und selbst Gott unentwegt wiederkehren, derweil doch im Hintergrund der Lärm der Stadt, des Maschinenparks und der Revolution rauscht!
Aber hier ist noch nicht von Klassenkampf und Wir-Gefühl die Rede, hier spricht sich in Ich-Form ein lebenslustiger, dabei hochsensibler und leicht verletzlicher junger Mann aus: „Ach, ich kann kein anderer sein als Semenko…“; jedoch: „Ich bin niemand, hab keinen Anteil an der Geschichte …“; und: „Ich fühle mich grenzenlos | ich fühle mich außerrassisch | und über aller Kultur | ich bekämpfe die Schwächen schwindender Atavismen | ich werde zukünftig und stark …“ Aber auch: „Ich bin ein Opfer der verlöschenden Welt. | Ich bin ein verwundetes Tier … | entblöße meine blutende Brust | und zeige meinen vollen Elan!“ – Kennzeichnend für Mychajl Semenkos radikal eigensinnige Diktion ist der bruchlose Wechsel zwischen unbedarfter Gebrauchssprache, philosophischer Terminologie und artistischer Wortspielerei, die in Neologismen, Assonanzen, Anagrammen, gewollt ungenauen Reimen und abrupten syntaktischen Brüchen immer wieder neuen Ausdruck findet. Beispielhaft dafür ist das vom Mai 1914 datierte Gedicht „Stadt“ mit Versen wie diesen:
Oste ste
bi bo
bu
fuhrleute leute
bahnen leute
automoblilibili
laufrund rundlauf
berceus kapy
seli | jeli | lili
…
БЕНЗИН
ablassen | abgasleben | abgasflehen
lechzen krächzen
lebensstück | lebenslauf | lebensbe
nzin
auto | tram
Solch freier, individueller, willkürlicher Spracheinsatz war damals bei den Futuristen, Dadaisten und Expressionisten gang und gäbe, doch in der ukrainischen Dichtung hatte es Vergleichbares zuvor nicht gegeben – allein schon Semenkos Thematisierung der großstädtischen Lebenswelt war eine durchaus revolutionäre Neuerung: Darin besteht denn auch seine hauptsächliche literarische Pionierleistung.
•
Als sogenannte „Poesomalerei“ entwickelte und praktizierte Mychajl Semenko ab 1920/1922 im Rahmen seiner intermedialen „panfuturistischen“ Ästhetik eine besondere Art visueller Dichtung, indem er eigene und zitierte Texte in konstruktivistischer Typographie aufarbeitete.
Innerhalb eines jeweils vorgegebenen, von Fall zu Fall wechselnden Rasters mit unterschiedlich großen rechteckigen Boxen werden dabei einzelne Wörter, Wortgruppen, Verse oder Strophen platziert, horizontal oder auch vertikal ausgerichtet, unter Verwendung verschiedener Schrifttypen und Schriftgrößen, oft auch in zweifarbigem Druck (schwarz/rot). Durch die Zerlegung des Sprachmaterials und dessen Rekomposition ergeben sich neue, oft überraschende Lesarten, gleichzeitig aber auch jene optischen Effekte, die den Bildcharakter der „Poesomalerei“ plakativ herauskehren (Abb. 2). Mit der „Poesomalerei“ stellte sich Semenko zunehmend (und schließlich zur Gänze) in den Dienst der kommunistischen Propaganda, die damals aus Russland in die mittlerweile sowjetisierte Ukraine infiltriert wurde.
In der Folge radikalisierte und transformierte Semenko seine Poetik unter dem neuen Label des Panfuturismus zu einer Armatur des Klassenkampfs mit dem vorrangigen Ziel der „Liquidierung der kapitalistischen Ordnung“ und des bourgeoisen Kunstgeschmacks. Seine zahlreichen diesbezüglichen Schriften sind allesamt auf das paradoxe Vorhaben angelegt, mit „konstruktivistischen“ Mitteln die totale „Destruktion“ jeglicher künstlerischen Errungenschaften durchzusetzen: „Der Panfuturismus ist die Liquidierung der Kunst. Tod der Kunst. Es lebe der Panfuturismus! Es lebe die Metakunst, die ‚Kunst‘ der kommunistischen Gesellschaft!“
Die Mehrheit der panfuturistischen Literaten ist den Säuberungen der 1930er-Jahre zum Opfer gefallen.
Mit vorbehaltslosem Engagement und in sturer Wiederholung postulierte Semenko in seinem wortreichen „Panfuturistischen Manifest“ (1920/1921) die generelle Kulturvernichtung und forderte gleichzeitig die Wiederherstellung der „verloren gegangenen Fahrrinne der Kunst” auf den „Fundamenten des kommunistischen Alltags”. Die Widersprüchlichkeit seiner militanten Phrasen scheint ihm entgangen zu sein: Dass er damit implizit auch sein eigenes literarisches Schaffen der Liquidierung preisgeben musste, scheint er in seiner ideologischen Verblendung nicht erkannt zu haben. Offenkundig genügte ihm der ungetrübte Glaube daran, dass „die allgemeine Linie des futuristischen Prozesses (Destruktion), ideologisch gebrochen im Prisma der proletarischen Weltanschauung (Konstruktion)“, unabwendbar in die lichte Zukunft des Weltkommunismus führen würde.
•
Während gut zehn Jahren war Mychajl Semenko nachfolgend in unterschiedlichen Sparten und Medien rastlos tätig, stets umgeben und unterstützt von gleichgesinnten Kollegen, im Sinn seiner panfuturistischen Programmatik. An allen einschlägigen Unternehmungen (Publikationen, Ausstellungen, öffentliche Auftritte) war er maßgeblich beteiligt, ab 1921 in Charkiw, der neu ernannten Hauptstadt der Sowjetukraine. Hier gründete und leitete er unter direkter sowjetischer Ägide die interdisziplinäre Zeitschrift Nowaja generazija (1927–1930, mit den thematischen Schwerpunkten Architektur, Malerei, Design). Zu Beginn der 1930er-Jahre übernahm er die Vizedirektion der „Allukrainischen Assoziation des revolutionären Kinos“ und schrieb nebenher eine Reihe von linientreuen Dichtwerken zur Belobigung der Sowjetmacht, Werke, mit denen er seine früheren futuristischen Texte faktisch widerrief und sich selbst als Autor definitiv disqualifizierte: „Heute bin ich | (russisch) der Semenko Michail, | bis anhin war ich | (ukrainisch) Mychajl Semenko.“
Obwohl sich Semenko und seine Gesinnungsgenossen dem sowjetischen Diktat willfährig unterwarfen, Selbstkritik übten und ihre behördlichen Widersacher mit graphomanischem Eifer belobigten, blieb ihnen deren Maßregelung nicht erspart. Was die Futuristen von Beginn an lautstark proklamiert hatten – die „Liquidierung“, den „Tod“ der Kunst – , das wurde nun an ihnen selbst rücksichtslos vollzogen. Dass man ihre angestrengte Linientreue als Abweichlertum, wenn nicht gar als Verrat inkriminierte, war der paradoxale ideologische Gegenzug, der ihrer physischen Vernichtung voranging. Ein weiteres Paradox bestand darin, dass der ukrainische Futurismus, der einst die „Revolution“ der Literatur, dann aber konsequent deren Abschaffung betrieben hatte, letztlich zum Vorreiter einer reaktionären sowjetischen Literaturdoktrin wurde – des „sozialistischen Realismus“.
Die überwiegende Mehrheit der panfuturistischen Literaten ist den geheimpolizeilichen Säuberungen der 1930er-Jahre zum Opfer gefallen. Mychajl Semenko wurde im April 1937 wegen angeblich „konterrevolutionärer Machenschaften“ in einer „ukrainischen faschistischen Organisation“ verhaftet und im Oktober nach qualvollen Verhören in Kyjiw hingerichtet. Für ein halbes Jahrhundert blieb sein Werk in der UdSSR „verboten“, es verschwand nicht nur aus dem Buchhandel und aus den Bibliotheken, es wurde auch aus der Literaturgeschichte eliminiert. Erst 1985 konnte von Semenko wieder ein Buch – eine kleine Textauswahl aus dem Gesamtwerk – bei einem Kyjiwer Verlag erscheinen.
•
Seit kurzem liegt aus Semenkos umfangreichem Werk, bestehend aus annähernd dreißig Buchpublikationen und vielerlei Programmschriften, eine knappe Auslese in deutschen Erst- und Nachübersetzungen vor („Wer will mich hindern, die Welt zu verkehren?“), ein handlicher, sorgfältig edierter und illustrierter Band, der den Autor im wechselhaften Klima seiner kurzen Schaffenszeit zur Geltung bringt, dabei jedoch sein politisch wie literarisch obsoletes Spätwerk unberücksichtigt lässt.
* * *
Felix Philipp Ingold arbeitet als freier Autor, Übersetzer und Herausgeber in Zürich; jüngste Buchpublikationen: Paris als Exil (Monographie, 2026); Übersetzngen: Iliazd (Ilja Sdanewitsch), Wortlos verurteilt (aus dem Russischen und Französischen, 2026); Henri Meschonnic, Das Dunkel arbeitet (aus dem Französischen, 2025).
Mychajl Semenko: Wer will mich hindern, die Welt zu verkehren? Gedichte und futuristische Skizzen. Herausgegeben von Serhij Zhadan und Claudia Dathe. Wallstein Verlag, Göttingen 2026. 276 Seiten, € 24 (D) / € 24,70 (A).
Quelle: VOLLTEXT 3/2026 – 5. Oktober 2026
Online seit: 30. Oktober 2026
Zuletzt geändert: 30. Okt. 2026


