FOAM

Von Anna Maria Stad­ler.
„Hier und Heu­te – Posi­tio­nen öster­rei­chi­scher Gegen­warts­li­te­ra­tur“ – Teil V
Anna Maria Stadler © Lukas Gwechenberger

Anna Maria Stad­ler. Foto: Lukas Gwe­chen­ber­ger

Sie braucht nicht viel, aber manch­mal hat sie ger­ne etwas. Manch­mal macht es ihr Spaß, Din­ge online zu bestel­len. Dann freut sie sich, wenn das Paket kommt und sie der Bote schon kennt, wenn sie den Kar­ton auf­rei­ßen kann, um das neue Ding zu begut­ach­ten, und dann eine Wei­le eine Freu­de dar­an zu haben, ein, zwei Tage zu genie­ßen, etwas Neu­es in ihren Besitz gebracht zu haben. Die Din­ge nut­zen sich schnell ab, wes­halb es immer neue braucht. Von den foams ver­spricht sie sich viel. Die­se schim­mern ver­hei­ßungs­voll und sind unnah­bar, ihnen liegt ein Reiz zugrun­de, der sie schnell begehrt gemacht hat, in ihnen wabert ein Geheim­nis, die­se wird man ger­ne und lan­ge anschau­en, der foam ver­spricht gera­de auf­grund sei­ner fra­gi­len Beschaf­fen­heit Fas­zi­na­ti­on für die Dau­er sei­nes Bestehens, das – wenn man den Berich­ten glau­ben möch­te – bei vie­len sehr flüch­tig aus­fällt.
Die foams sind unver­mit­telt auf­ge­taucht und sobald sie da waren, sobald der ästhe­ti­sche und redu­zier­te Online­shop ein­ge­rich­tet war und die ers­ten Bil­der ihrer Stü­cke teil­ten und im Bekann­ten­kreis ver­ein­zelt Objek­te auf­tauch­ten, gekauft von jenen, die meist ein ver­läss­li­ches Gespür haben, da wuss­te sie, sie will einen haben, und die Vor­freu­de dar­auf, den leich­ten Schaum in ihrer Woh­nung auf einem gut plat­zier­ten Sockel zu haben, hat sie meh­re­re Tage sickern las­sen.

Die Ent­schei­dung fällt ihr nicht leicht. Wäh­rend sie jetzt durch den Shop scrollt, war­tet sie dar­auf, dass sich etwas ein­stellt, ein beson­de­res Inter­es­se für eines der Stü­cke deut­lich wird, klickt sich durch ver­schie­de­ne Ansich­ten eines ele­gan­ten foam (soap) und liest die Beschrei­bung zum foam (sugar), der als etwas sta­bi­ler beschrie­ben wird, doch auch für die­sen gel­te Nicht berüh­ren! Mehr­mals wird auf der Sei­te betont, dass für zer­fal­le­ne foams kei­ne Garan­tie über­nom­men wird und man sich bewusst sein müs­se, dass eine Berüh­rung aus­reicht, um die wabern­den Gebil­de zum Ein­sturz zu brin­gen, jeden­falls, die­ser ist ihr zu dun­kel und der wei­ße foam (soap) sieht zu künst­lich aus und wür­de sich mit ihrer redu­zier­ten Wohn­zim­mer­ein­rich­tung schla­gen, ent­schei­det sie. Es kommt also nur der beige foam (sea) infra­ge und sie klickt die­sen in den Waren­korb.

Dann läu­tet sie Jonas aus der Nach­bar­woh­nung, und wie sie erwar­tet hat, teilt er ihre Freu­de und will ihr beim Ver­mes­sen mög­li­cher Plät­ze hel­fen. Sie brau­chen viel Raum, um zu wir­ken, sagt er und es ist ihm wich­tig, dass sie die Prä­senz nicht unter­schätzt, die so ein foam habe. Da kannst du kei­ne Pflan­ze dane­ben­stel­len, und sie erwi­dert, dass sie von Pflan­zen ohne­hin nicht viel hal­te. Jonas emp­fiehlt Sockel oder Bei­stell­ti­sche, die man auf der Sei­te dazu bestel­len kann, die optisch gut zu den Objek­ten pas­sen, da sie sehr zurück­ge­nom­men sei­en.
Also sehen sie gemein­sam die Prä­sen­ta­ti­ons­mög­lich­kei­ten durch und da fällt ihr ein, sie hat in der Ordi­na­ti­on des Haus­arz­tes letz­te Woche einen foam in einem Ple­xi­glas­kas­ten im War­te­zim­mer gese­hen und als sie Jonas davon erzählt, wird er unge­hal­ten und sagt, wie rich­tig es sei, dass sol­che Vor­rich­tun­gen auf der Ori­gi­nal­sei­te gar nicht zu fin­den sei­en, und wie lächer­lich die­se sei­en, und dass ein Freund von ihm auch     , und man dann gleich gar nicht     . Die­se Stü­cke funk­tio­nie­ren nur dadurch, dass sie poten­ti­ell sehr leicht zer­stör­bar sind, meint Jonas und schaut etwas betrof­fen aus, als er hin­zu­fügt, dass er sei­nen ers­ten eine hal­be Stun­de nach dem Aus­pa­cken rui­niert habe, indem er sich zu nahe dar­über gelehnt und aus­ge­at­met habe. Das macht sie nun doch unsi­cher und sie über­legt, den bil­li­ge­ren zu neh­men, immer­hin hat sie oft Freun­de und manch­mal auch die Kin­der der Schwes­ter da. Zudem spielt sie mit dem Gedan­ken, sich einen Hund zu kau­fen, wobei ein Hund und ein foam in ihrer Vor­stel­lung nur schwer ver­ein­bar sind und einen Hund kann sie auch in Zukunft noch haben, ein Hund wird ihr beson­ders spä­ter Freu­de machen, aber der Moment für den foam ist jetzt, wer weiß, ob sich in eini­gen Jah­ren noch jemand dafür inter­es­sie­ren wird. Obwohl sie einen Bericht gele­sen hat, dass es man­che gibt, die die Über­res­te der zusam­men­ge­sack­ten und zer­fal­le­nen Schaum­ob­jek­te auf­be­hal­ten, bis die­se ein­trock­nen oder zer­brö­seln. Die Vor­stel­lung tro­cke­ner Frag­men­te auf einem mini­ma­lis­ti­schen Sockel bedrückt sie und sie nimmt sich vor, den foam, sobald er zusam­men­sackt, und sie will sich kei­ne Illu­sio­nen, dass es pas­sie­ren wird, weg­zu­wer­fen. Doch den Feh­ler dem Stück zu nahe zu kom­men, wird sie nicht bege­hen.

Sie ist noch im Halb­schlaf und öff­net die Türe ohne Bril­le, setzt eine schie­fe Unter­schrift auf das Gerät, das ihr ent­ge­gen­ge­streckt wird, erwar­tet Bücher und denkt gar nicht dar­an, dass es was ande­res sein könn­te, als sie den Kar­ton unacht­sam an den Sei­ten auf­reißt und das Sei­den­pa­pier, in das der foam ein­ge­schla­gen ist, weg­zieht.
In ihrer Vor­stel­lung müss­te der foam von einem spe­zi­el­len Lie­fer­ser­vice in eigens dafür aus­ge­rich­te­ten, gut gepols­ter­ten Boxen kom­men, und nicht ein­fach so, in einem Kar­ton, wie jeder ande­re Gegen­stand. Im Nach­hin­ein kommt es ihr absurd vor, wie unacht­sam der Paket­mann und sie in der Über­ga­be vor­ge­gan­gen sind, wie er es ihr ent­ge­gen­ge­streckt und sie ein­fach danach gegrif­fen hat, aber ande­rer­seits, er konn­te es nicht wis­sen und sie nicht ahnen, und jetzt gilt nur zu sehen, ob bereits Scha­den ent­stan­den ist und sie sieht sich schon das Rekla­ma­ti­ons­for­mu­lar aus­fül­len.
Als sie nun vor­sich­tig das Papier weg­zieht, sto­ßen ihre Fin­ger auf Plas­tik und sie sieht, dass der foam in einer prall auf­ge­bla­se­nen Schicht ein­ge­schweißt ist, die jede Bewe­gung federt. Sie befolgt die bei­lie­gen­de Beschrei­bung prä­zi­se, indem sie das Objekt in sei­ner Bla­se, des­sen Gewicht sie kaum spürt, anhebt und es auf den vor­ge­se­he­nen Platz stellt, dann mit der Nadel die Folie wie beschrie­ben behut­sam auf­sticht, die sofort zer­blät­tert und sich inner­halb weni­ger Sekun­den auf­löst, sodass jetzt nichts mehr zwi­schen ihr und dem hel­len Schaum liegt, sie ihn fast mit ihrem Gesicht berührt, als sie sei­ne fra­gi­le Wol­ken­kon­struk­ti­on und die kom­ple­xen Licht­bre­chun­gen in sei­ner beweg­ten Ober­flä­chen­struk­tur beob­ach­tet. Schnell ent­fernt sie sich und nimmt sich vor, nie mehr so nahe zu gehen, ihn von nun an nur vom Sofa oder Fens­ter aus anzu­se­hen, wenn ihr danach ist, und den gan­zen Tag über macht es sie zufrie­den, zu wis­sen, dass dort drü­ben, in ihrer Woh­nung, sich nun ihr eige­ner foam (sea) befin­det.

Am nächs­ten Tag taucht auch in ihrem Hof ein foam auf, ob er von der Haus­ver­wal­tung, oder ob ihn einer der Mie­ter     , weiß sie nicht. Zuerst hat sie ihn gar nicht bemerkt, bloß den Schat­ten auf den Flie­sen gese­hen, als hät­te sie eine Schlan­ge im Rücken, und als sie sich umwen­det, sieht der foam (sugar), wie für die­se Aus­ga­ben nicht unge­wöhn­lich, tat­säch­lich wie eine auf­ge­rich­te­te Schlan­ge aus. Sie geht vor­sich­tig ein klei­nes Stück näher und begut­ach­tet den hohen Sockel mit der Kera­mik­scha­le, aus deren san­di­gem Grund der foam wächst und als sie noch etwas näher geht, vibriert das schlan­ke Gebil­de, das ganz anders aus­sieht als ihr foam (sea), der eine wol­ken­ar­ti­ge geschlos­se­ne Struk­tur hat, wäh­rend die­ser hier, ele­gant und hoch­auf­ge­rich­tet, in sei­ner koh­le­ar­ti­gen Beschaf­fen­heit einen lan­gen Schat­ten über den Hof wirft.

Von wem der gro­ße foam (sugar) im Hof ist, fragt sie Jonas und er geht gleich, um ihn sich anzu­se­hen, meint dann, dass das ein Samm­ler­stück und eigent­lich unge­wöhn­lich     , für einen pri­va­ten Hof, dazu ohne Siche­rung oder Absper­rung, es müs­se sich um einen Lieb­ha­ber han­deln, ihm wür­de dazu nur der Fried­rich aus dem 4. Stock ein­fal­len, und sie nickt, obwohl sie kein Bild zu einem Fried­rich hat.

Jonas sagt, er habe einen Text über sei­nen foam (soap) ver­fasst und ob sie ihn Kor­rek­tur lesen kön­ne, bevor er ihn ans Maga­zin sen­de. Es gehe dar­in vor allem um das Begeh­ren. Der Text, der sich mit che­mi­schen Ent­ste­hungs­pro­zes­sen ins­be­son­de­re des foam (sea) beschäf­tigt, spannt den Bogen von dem Abster­ben der Mee­res­al­gen, aus denen sich die natür­li­chen, fau­lig-schwe­fe­lig rie­chen­den Schaum­land­schaf­ten ent­wi­ckeln, bis hin zu dem Wunsch nach Berüh­rung, den die­ses Objekt bei den Betrach­ten­den aus­lö­se, dem Begeh­ren, das Objekt in sei­ner fei­nen Struk­tur zu erfas­sen, sich immer wei­ter anzu­nä­hern und durch direk­ten Kon­takt die Mate­ria­li­tät zu erfah­ren. Als er schreibt, dass die meis­ten foams schon inner­halb der ers­ten Woche zer­fal­len wür­den und in mehr als 80 % der Fäl­le, die Eigentümer*innen durch Berüh­run­gen selbst dafür ver­ant­wort­lich sei­en, wird sie ner­vös und erkennt sich in der nach­sich­ti­gen Denk­wei­se wie­der, eine leich­te Berüh­rung wür­de er schon aus­hal­ten.

Als sie am nächs­ten Tag nach Hau­se kommt, sieht sie einen Mann im Regen­man­tel im Hof, wie er sich vor der Schlan­ge ver­beugt und sie denkt, es muss der Fried­rich sein, der sich wie vor der Schlan­ge des Pha­ra­os ver­neigt, um alles Unglück abzu­wen­den und alle Übel des Tages abzu­wer­fen.
Auch sie tut es ihm jetzt manch­mal unauf­fäl­lig gleich und wenn sie das Haus ver­lässt oder betritt, nähert sie sich dem Objekt, mit vor­sich­ti­gem Abstand und macht eine klei­ne Ges­te in die Rich­tung des Unge­tüms, und so tun es bald alle im Haus, nur Jonas nicht, der meint, er hat lang­sam genug von die­sen foams, und nicht ver­steht, wie­so sie sich schon den nächs­ten bestellt hat.

Es häu­fen sich die Mel­dun­gen der­je­ni­gen, die ein Inter­es­se dar­an haben foams zu zer­stö­ren, begin­nend bei den eige­nen, denen der Eltern, die­sen am liebs­ten, in rebel­li­schen Akten zer­hau­en sie foams in öffent­li­chen Gebäu­den, set­zen sich dar­auf, sodass es den Schaum auf allen Sei­ten     , leh­nen sich in die sof­te Mas­se, schrei­en hin­ein, in die ästhe­ti­schen Wol­ken, die es in vie­le Fuzeln zer­fetzt, wel­che dann noch ästhe­ti­scher durch den Raum segeln und sich über­all fest­kle­ben und dann an den Wän­den trock­nen. Am liebs­ten neh­men die sich die gro­ßen foams vor, die rich­tig teu­ren Pres­ti­ge­stü­cke und ver­öf­fent­li­chen Vide­os, die zei­gen, wie erfin­de­risch sie in der Zer­stö­rung die­ser Objek­te sind, derer es eigent­lich nicht viel bedarf und man­che mögen es auch sim­pel, man­che ver­zich­ten auf die gro­ßen Ges­ten, die Zie­gel­stei­ne aus zwei Meter Höhe, man­che machen es im Vor­bei­ge­hen, in einer sanf­ten Ges­te, ein Wind­stoß, der reicht.

Doch auch von den ande­ren wird berich­tet, von jenen, die foams umständ­lich zu bewah­ren ver­su­chen. Die ver­schie­de­ne Kon­ser­vie­rungs­ver­fah­ren ent­wi­ckeln, Ple­xi­glas­käs­ten und Glas­glo­cken waren erst der Anfang. Von jenen, die Kle­ber­ge­mi­sche her­stel­len und jenen, die die­se kon­su­mie­ren. Es tau­chen ver­schie­de­ne Ver­fah­ren auf, wel­che die foams optisch nicht ver­än­dern, die­se jedoch in ihrer Struk­tur fixie­ren, sodass sie, obwohl schein­bar unver­än­der­lich fra­gil, der Mate­rie eines porö­sen Stei­nes glei­chen.

Mit Jonas sieht sie sich ein Video von einem an, der aus Demons­tra­ti­ons­zwe­cken den fest­ge­kleb­ten foam mehr­mals aus dem ers­ten Stock wirft, die Stie­ge hin­un­ter­rol­len lässt, ihm dann meh­re­re Trit­te mit sei­nem trai­nier­ten Fuß ver­setzt, und zum Abschluss sei­ne Kin­der drauf­stei­gen und den Kampf­hund hin­ein­bei­ßen lässt, wobei die­ser sich das Gebiss rui­niert und trotz­dem viel Freu­de dar­an hat und Jonas bekommt sich gar nicht mehr ein, wie däm­lich das alles     , ob sie sei­ne haben wol­le, er wer­fe sie sonst weg, da er die Ver­pa­ckun­gen nicht mehr habe und ein Ver­kauf auf einer Second-Hand-Platt­form dadurch gar nicht mehr mög­lich sei. Wie­so er sie nicht mehr haben möch­te, will sie wis­sen und merkt, er ist gereizt und will nicht dar­über reden, deu­tet nur an, dass ihm der Platz feh­le und er sich in sei­ner Woh­nung wie­der frei bewe­gen will, ihm die Idee der foams gefal­le, aber doch eben eigent­lich vor allem die Idee. Außer­dem, stört dich der Geruch nicht?, will er wis­sen und meint, die Natur­ge­rü­che des foam (soap) und foam (sugar) fän­de er in Ord­nung, aber foam (sea) mache ihn ganz fer­tig.
Man gewöhnt sich dar­an, sagt sie und stimmt dann einer Umsied­lung sei­ner drei Objek­te in ihre Woh­nung zu. Seit dem Aus­pa­cken war ich denen nicht mehr so nahe, flüs­tert Jonas, als sie die foams behut­sam durch den Gang tra­gen und sie zischt, dass er still sein soll, beob­ach­tet vol­ler Furcht das leich­te Wabern der wol­ki­gen Gebil­de, die ihre Schrit­te abfe­dern und auf jede Bewe­gung reagie­ren.

Als sie für alle Stü­cke pas­sen­de Plät­ze gefun­den haben, sit­zen sie erle­digt am Sofa und hal­ten sich still, wor­über sie froh ist, da foam (sugar) nur etwa einen Meter vom Sofa ent­fernt auf einem Bei­stell­tisch aus dunk­lem gebeiz­ten Holz steht, den Jonas ihr dazu gege­ben hat.
Ich habe noch nie einen in sich zusam­men­fal­len sehen, also, außer in Vide­os, sagt sie, wäh­rend sie die neu­en Objek­te in dem Wohn­zim­mer auf sich wir­ken lässt.
Eigent­lich sehr unspek­ta­ku­lär, meint Jonas, wie beim Schnee­schla­gen, wenn du einen Kuchen machst, eine etwas zu fes­te Bewe­gung und du denkst noch, ach, da pas­siert schon nichts, und dann ist es schon pas­siert und du hast nur mehr eine trau­ri­ge Mas­se vor dir.

Ihre Woh­nung ist voll mit foams, sie ste­hen an allen frei­en Plät­zen und inzwi­schen hat sie auch einen am Küchen­tisch. Jonas hat sie schon län­ger nicht mehr ein­ge­la­den, sie geht jetzt immer zu ihm rüber, oder sie tref­fen sich aus­wärts, weil sie sich sei­nen Blick vor­stel­len kann und auch gar nicht mit ihm über foams dis­ku­tie­ren will, sie eigent­lich gar nicht mehr dis­ku­tie­ren und vor allem auch nicht ihn, mit sei­nen unvor­sich­ti­gen Bewe­gun­gen hier zwi­schen ihren foams haben möch­te, sie über­haupt kei­nen mehr hier haben möch­te, denn die Wege in ihrer Woh­nung, die mög­li­chen Bewe­gun­gen, will sie nicht erklä­ren müs­sen. Es führt kein direk­ter Weg mehr durch ihre Woh­nung, es bleibt nur ein schma­ler Gang zwi­schen dem foam (sugar) und dem Couch­tisch. Inzwi­schen hat sie eine Sen­si­bi­li­tät dafür ent­wi­ckelt und kann gut abschät­zen, wie nahe sie einem foam kom­men darf, nur so ist es ihr gelun­gen, dass bis­lang noch kein ein­zi­ges ihrer Objek­te zer­fal­len ist, obwohl immer neue hin­zu­kom­men.

Als sie ein­mal mit Jonas das Haus ver­lässt, um etwas essen zu gehen, sehen sie gera­de noch, wie der letz­te Teil des foam (sugar) im Hof vom Sockel rie­selt und als sie dort sind, sind nur mehr schwar­ze Brö­sel zu sehen, wie Koh­le nach einem Feu­er. Sie waren zu weit ent­fernt und auch sonst kann sie kei­ne Ursa­che aus­ma­chen, was das Gerücht bestä­tigt, dass man­che foams ein­fach so in sich zusam­men­fal­len und man manch­mal gar kei­nen Grund dafür fin­de, es rei­che ein geöff­ne­tes Fens­ter in einem ande­ren Zim­mer.
Jonas sagt, scha­de, und meint, sie soll­ten nach­her beim Fried­rich läu­ten, und sie nickt und sagt, er hat recht, und wäh­rend sie die gebra­te­nen Nudeln in dem Lokal an der Ecke essen, sitzt ihr das Bild des dunk­len Stau­bes im gan­zen Kör­per fest und sie muss die Nudeln müh­sam hin­un­ter­wür­gen und nimmt sich vor, die Fens­ter mög­lichst nicht mehr unnö­tig zu öff­nen.

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Anna Maria Stad­ler (*1992) hat Bild­haue­rei und Ger­ma­nis­tik stu­diert und ist seit 2019 Dok­to­ran­din am inter­uni­ver­si­tä­ren Schwer­punkt Wis­sen­schaft & Kunst in Salz­burg, sowie Mit­her­aus­ge­be­rin von archi­pel – Zeit­schrift für Kunst, Theo­rie & Lite­ra­tur. Sie ver­öf­fent­licht Tex­te in Lite­ra­tur­zeit­schrif­ten und Antho­lo­gien und erhielt AiR-Sti­pen­di­en für Paliano/IT sowie die Schmie­de-Aka­de­mie. Beim Münch­ner Kurz­ge­schich­ten­wett­be­werb war sie Fina­lis­tin und beim Wort­mel­dun­gen-För­der­preis auf der Short­list.

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Online seit: 19. März 2021

Zuletzt geän­dert: 23. März 2021