Was bleibt, sind die Bilder

Lek­tü­re­no­ti­zen von Anna Feln­ho­fer zu Witold Gom­bro­wicz, Mari­na Zweta­je­wa, Chris­ta Wolf, Annie Ernaux, Tove Dit­lev­sen, Vla­di­mir Nabo­kov, Edward Sta­chura und Chris­ta Wolf.

Witold Gom­bro­wicz: Kos­mos
Für gewöhn­lich sind es Bil­der, die ich aus Büchern mit­neh­me. Ich tra­ge sie mit, und der Ver­stand kne­tet an ihnen, jah­re­lang, lässt sie wuchern und sich wan­deln, so lan­ge, bis sie mit dem Ori­gi­nal nicht mehr zusam­men­zu­brin­gen sind. Nicht so bei Gom­bro­wicz’ gehäng­tem Spat­zen. Er hängt, ich prü­fe es nach, noch immer so, wie er vor fünf­zehn Jah­ren, als ich Kos­mos zum ers­ten Mal auf Pol­nisch gele­sen habe, dort in der Tatra gehan­gen war, die Draht­schlin­ge um den Hals, das Köpf­chen geknickt, der Schna­bel auf­ge­bro­chen – ein Zei­chen, Sym­bol, Meta­pher, viel­leicht War­nung. Ein Vor­wand, jeden­falls, den Ver­such des Ord­nens, Ein­ord­nens, der exis­ten­zi­el­len Ermäch­ti­gung zu wagen. Die­ser Ver­such beherrscht nicht nur die Prot­ago­nis­ten, er beherrscht den Text. Die Such­be­we­gun­gen des Inhalts grei­fen mit jener der sprach­li­chen Form inein­an­der, so ele­gant, leicht­fü­ßig, so zwin­gend – und ver­wei­sen damit zuletzt auch auf den Vor­gang des Erzäh­lens selbst:

„Der Pfeil zum Bei­spiel … Die­ser Pfeil zum Bei­spiel. Die­ser Pfeil damals beim Abend­essen war gar nicht wich­ti­ger als Leons Schach­spiel, die Zei­tung oder der Tee, alles – gleich­ran­gig, alles füg­te sich zum gege­be­nen Augen­blick zusam­men, eine Art Zusam­men­klang, das Gesum­me eines Schwarms. Heu­te aber, ex post, weiß ich, dass der Pfeil am wich­tigs­ten war, also hebe ich ihn in der Erzäh­lung her­vor, ich hole aus der undif­fe­ren­zier­ten Mas­se der Tat­sa­chen die zukunfts­träch­ti­ge Kon­fi­gu­ra­ti­on her­aus. Und wie soll man anders als ex post erzäh­len? Kann also nie­mals wirk­lich etwas aus­ge­drückt, in sei­nem anony­men Wer­den gezeigt wer­den, wird nie jemand in der Lage sein, das Gestam­mel des ent­ste­hen­den Augen­blicks wie­der­zu­ge­ben, wie kommt es, dass wir, aus dem Cha­os gebo­ren, es doch nie zu fas­sen krie­gen, kaum schau­en wir hin, schon ent­steht Ord­nung unter unse­rem Blick … und Gestalt.“

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Mari­na Zweta­je­wa: Mut­ter und die Musik
Vor Jah­ren gele­sen und aus aktu­el­lem Anlass wie­der hin­ein­ge­blät­tert, aber kei­ne Spur mehr gefun­den, kei­nen Faden, ja, nicht ein­mal den Rest eines Fadens, nichts, das mich zu mei­ner dama­li­gen Ergrif­fen­heit zurück­füh­ren könn­te. Gewiss, es gibt sie noch, da sind sie, unbe­streit­bar, die leuch­ten­den Stel­len. Auch jetzt glänzt und pri­ckelt die­se Ich-Pro­sa, auch jetzt fasst mich die sinn­lich erfahr­ba­re rus­si­sche Kind­heit an. Aber weni­ger. Eher flüch­tig und nur von außen, sie durch­dringt mich nicht mehr. Auch das ist Teil jeder Lese­er­fah­rung: Man­chen Tex­ten ent­wach­sen wir. Und den­ken an sie zurück wie an alte Bekann­te, für die es ihre Zeit und ihren Ort gege­ben hat und von denen wir uns jetzt gut ver­ab­schie­det wis­sen.

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Anto­nio Tabuc­chi: Sos­tiene Perei­ra / Erklärt Perei­ra
Ein Buch von aus­neh­men­der Lang­sam­keit, im Ita­lie­ni­schen eben­so wie im Deut­schen (in die­sem viel­leicht noch mehr auf­grund des schwer­fäl­li­ge­ren Idi­oms). Dün­ner Him­mel, Hit­ze, ein Glei­ßen, dazu immer wie­der, den Text wie eine Gir­lan­de zie­rend, Limo­na­de und Kräu­te­rome­letten, alles Ingre­di­en­zi­en einer pla­nen, kan­ten­har­ten Kulis­se, vor deren Lis­sa­bon­ner Hin­ter­grund sich nur lang­sam eine Bewe­gung offen­bart – und spä­ter Ris­se. In der deut­schen Über­set­zung so manch schwie­ri­ge, wenn nicht gar frag­wür­di­ge Stel­le, eben­so wie die­se win­zi­ge und zugleich besorg­nis­er­re­gen­de Ver­schie­bung: Aus dem ver­ein­sam­ten, sinn­su­chen­den, glück­lo­sen Hel­den Perei­ra walkt die deut­sche Ver­si­on ein behag­li­ches Dicker­chen.

Wesent­li­cher aber ist die Fra­ge, sie stellt sich nicht zum ers­ten Mal: Erklärt, behaup­tet, berich­tet, beich­tet oder bekennt Perei­ra? Das ita­lie­ni­sche „sos­tene­re“ eröff­net einen Bedeu­tungs­hof, der, je nach Les­art, das Werk auf die eine oder ande­re, alles ande­re als tri­via­le Wei­se mora­lisch ver­an­kert. So oder so ist es am Ende ein Ver­such, die Taten Ein­zel­ner, die vom Fort­schrei­ten der Ereig­nis­se ver­räumt wer­den ins kol­lek­ti­ve Ver­ges­sen, all die­se schein­bar nich­ti­gen Akte der Zivil­cou­ra­ge, den­je­ni­gen wie­der und wie­der vor­zu­hal­ten, die das Ver­ges­sen wün­schen, die nur den Blick nach vorn leis­ten wol­len.

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Annie Ernaux: Der jun­ge Mann
Zum ers­ten Mal rat­los – und ver­är­gert. Ich bin Annie Ernaux, ich gebe es zu, auf den Leim gegan­gen, oder in die Fal­le, oder in die Schlin­ge oder was auch immer es ist, das sie hier so unver­schämt knapp und klein gebaut hat. Zugleich kann sich natür­lich, das bleibt unbe­nom­men, auch eine Minia­tur als Rie­se erwei­sen. Auf den besag­ten vier­zig bis fünf­zig Sei­ten aber fin­det sich kein Inhalt, kei­ne Sub­stanz, nichts, was in frü­he­ren Wer­ken das Ein­zel­fall­haf­te so kunst­fer­tig ins All­ge­mein­gül­ti­ge erho­ben hat, ich suche ver­geb­lich. Es bleibt die Irri­ta­ti­on. Und so mache ich mir, was ich, wie ich nach kur­zer Recher­che erfah­re, mit vie­len tei­le, mehr als über das Buch Gedan­ken über die Bezie­hung von Prei­sen und Ehrun­gen zu den Geprie­se­nen bzw. Geehr­ten, über die­ses eben­so frucht­ba­re wie fata­le Ver­hält­nis, auf wel­ches es, wie ich ahne, kei­ne leicht­fer­ti­ge Ant­wort geben kann.

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Tove Dit­lev­sen: Gesich­ter
„Es gibt eine Men­ge Men­schen, aber noch viel mehr Gesich­ter, denn jeder hat meh­re­re.“ Nicht immer kli­cken die Wor­te in die­sem Werk inein­an­der, nicht immer funk­tio­nie­ren die Meta­phern, eini­ge Kon­struk­te klap­pern, man­che sind kokett, geküns­telt, aber die Gesich­ter, die sit­zen. Die Gesich­ter, das sind die ande­ren, das ist die Ver­lo­gen­heit die­ser ande­ren, das ist die Grau­sam­keit der Gesell­schaft im Däne­mark der 1960er-Jah­re, das ist eine Frau, die kei­ne ande­re Mög­lich­keit zur Flucht hat als die­se eine – den Sprung, kopf­über, in den Wahn. Und gera­de hier, im Gro­tes­ken, Sur­rea­len, in die­ser wie­der neu­en Ver­kör­pe­rung in Gestalt der viel­köp­fi­gen, viel­stim­mi­gen Hydra, gewinnt ihre Zwangs­la­ge an Schlag­kraft. Sät­ze wie die­ser: „Kin­der tru­gen ihr Gesicht wie etwas, in das man hin­ein­wach­sen muss, und das einem erst Jah­re spä­ter passt.“, erlan­gen nicht zuletzt im Lich­te der auto­bio­gra­fi­schen Kopen­ha­ge­ner Tri­lo­gie einen pro­phe­ti­schen Anstrich. Denn was wir jetzt wis­sen, muss Tove Dit­lev­sen geahnt haben – dass sie in ihr Gesicht nie hin­ein­wach­sen wür­de.

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Vla­di­mir Nabo­kov: Das Bas­tard­zei­chen
Es ist wie beim Zuckerl­lut­schen, die him­beer­ro­te Süße tupft ein Wohl­be­ha­gen in den Mund, kreis­för­mig dehnt es sich aus, wan­dert wei­ter, Zärt­lich­keit ist dar­in, Kind­heit, Hei­mat. Bis es plötz­lich knackt. Etwas bricht, brö­selt aus­ein­an­der und offen­bart eine bes­tia­li­sche Bit­ter­keit. Aus eben­je­ner Unver­ein­bar­keit, die­sem Wech­sel aus Lieb­ko­sung und Angriff, ist die­ser Text gebaut:

„[…] wenn der Schnee­ball einer Idee von gerö­te­ten Schul­jun­gen­hän­den wei­ter und wei­ter gerollt wor­den ist, wenn er immer grö­ßer und schließ­lich zu einem Schnee­mann wur­de, dem sie einen zer­drück­ten Zylin­der­hut schief auf den Kopf setz­ten und schnell noch einen Besen unter die Ach­sel steck­ten – und plötz­lich blin­zeln die gespens­ti­schen Augen, der Schnee wird zu Fleisch, der Besen zu einer Waf­fe, und ein aus­ge­wach­se­ner Tyrann köpft die Kna­ben.“

Eine Dys­to­pie, ohne Fra­ge, man kennt das, und doch ist sie von einer ande­ren Tex­tur als bei­spiels­wei­se die­je­ni­gen von Orwell oder Kaf­ka, mit denen Nabo­kov sich nicht ver­gli­chen wis­sen will und dann doch selbst immer wie­der ver­gleicht. Ein kleb­ri­ges Netz liegt der Kon­struk­ti­on zugrun­de, eine geord­ne­te Wie­der­kehr bekann­ter For­men, eine drö­ge andau­ern­de Gleich­för­mig­keit, wie sie auch Dik­ta­tu­ren zu eigen ist. Als ein­zi­ger Aus­weg der Figu­ren erweist sich schließ­lich das Absur­de: Sich selbst als Fik­ti­on zu begrei­fen, als die blo­ße Lau­ne eines Autors, in der selbst der Tod nur eine „Stil­fra­ge“ ist. Gera­de in die­sem Man­gel an Ant­wor­ten, die­sem voll­stän­di­gen Feh­len eines Tros­tes, steckt, wie es scheint, etwas zutiefst Wah­res.

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Chris­ta Wolf: Kas­san­dra
Auch von die­sem Buch bleibt ein Bild. Stein, Staub und eine Stu­te. Und neben dem Bild ein Gefühl – Stau­nen. Es fas­zi­niert, dass das so wider­spruchs­los zusam­men­geht: die Anti­ke und die Moder­ne. Man kennt die­se uralte Geschich­te, kennt ihre Figu­ren, kennt ihr Ende, meint sich in allem hei­misch, und doch ist jeder Raum, der hier eröff­net wird, so unge­wöhn­lich neu, so frisch und hell und hoch. Was sich in frü­he­ren Varia­tio­nen die­ses Topos eini­ger­ma­ßen höl­zern gibt, ist hier schran­ken­los durch­läs­sig. Wir kön­nen ohne Mühe in die Figu­ren hin­ein­krie­chen, kön­nen uns in ihnen aus­brei­ten, sie bewoh­nen, weil sie, wie wir hier erfah­ren kön­nen, sind wie wir heu­te. Das­sel­be Kos­tüm. Die bekann­ten Abläu­fe. Das­sel­be Ergeb­nis. Da stellt sich ein ein­zel­nes Ich gegen das über­zäh­li­ge Wir. Löst dabei nichts auf oder ein. Behält sei­ne Stim­me. Spricht stur wei­ter und wird so zu der Frau, die sie ist. Es beein­druckt die bru­ta­le Kon­se­quenz, mit der Chris­ta Wolf die­sen Topos so unge­wöhn­lich und so unge­wöhn­lich schön durch­ex­er­ziert. Der Kit­zel, sich dar­an in Form und Inhalt ein Bei­spiel zu neh­men.

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Edward Sta­chura: Fabu­la rasa
Wie sich die­sem Werk nähern, das ich nur durch Kind­heits­au­gen betrach­ten kann, weil es in mei­ner Kind­heits­spra­che geschrie­ben ist. Es gibt kei­ne deut­sche Über­set­zung, an der sich mei­ne Ein­drü­cke abküh­len könn­ten. Und so kom­me ich auch jetzt nach noch­ma­li­gem Durch­blät­tern zwin­gen­der­wei­se zu dem Schluss: Hier seziert jemand bei leben­di­gem Leib sich selbst. Ping-Pong-artig geht es in teils poin­tier­ten, teils pathe­ti­schen Dia­lo­gen hin und her zwi­schen einem Ich-Men­schen (czło­wiek-Ja) und dem Nie­mand-Men­schen (czło­wiek-nikt), und bei­de unter­wer­fen sie ihren Erkennt­nis­ver­such einem rabia­ten Erschaf­fen und Zer­stö­ren. Es ste­cken Aus­schwei­fung, Ent­gren­zung und Eksta­se in die­ser eigen­sin­ni­gen Skiz­ze, eben­so wie auch, was man erst durch den bio­gra­fi­schen Abgleich begreift, eine aku­te Psy­cho­se. Wenig spä­ter wird sie Sta­chura auf die Bahn­glei­se trei­ben, und er wird statt, wie inten­diert, sei­nes Lebens die rech­te Hand ver­lie­ren.

Fabu­la rasa ist viel­leicht nicht die bequems­te Ein­tritts­pfor­te in das Œuvre Sta­churas, aber sie ist mei­ne Pfor­te gewe­sen; und der Durch­lass zu wei­te­ren Arbei­ten wie Jak mi było na Mazu­rach oder Cała jas­kra­wość, die eine gan­ze pol­ni­sche Gene­ra­ti­on geprägt haben. Eine deli­ka­te Span­nung ergibt sich aus der immer wie­der betrie­be­nen Ver­schie­bung des Autors gegen sei­ne Figu­ren, nicht zuletzt auch nach sei­nem Unfall auf den Glei­sen, als er vor allem eines ist: ein Rechts­hän­der, der, um zu über­le­ben, links­hän­dig wei­ter­schreibt. Sei­ne letz­te Kri­se bringt ein eben­so bocki­ges wie bril­lan­tes Tage­buch her­vor, des­sen Titel Pogod­zić się ze świa­tem auf zwei­er­lei Wei­se ver­stan­den wer­den kann: als Pole­mik auf Sta­churas frü­he­res Schaf­fen und als War­nung an sei­ne Leser­schaft, sich mit dem Leben, solan­ge mög­lich, doch noch zu arran­gie­ren. Und so wird eine viel­leicht künf­ti­ge deut­sche Über­set­zung vor der Her­aus­for­de­rung ste­hen, die­se für Sta­chura so cha­rak­te­ris­ti­sche Span­nung bei­zu­be­hal­ten, ange­fan­gen von der Fra­ge, ob Pogod­zić się ze świa­tem meint, sich mit der Welt abzu­fin­den oder – sich mit ihr zu ver­söh­nen.

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LEKTÜRENOTIZEN
Vom Rezen­si­ons­we­sen erwar­ten wir, dass es Neu­erschei­nun­gen und Neu­auf­la­gen zeit­nah für die Lese­rin­nen und Leser sor­tiert. Wir erwar­ten, dass die wich­ti­gen Bücher (Spit­zen­ti­tel!!) aus­ge­wählt und ihrem Rang gemäß ein­ge­ord­net wer­den. Wir erwar­ten Rück­griff auf die Lite­ra­tur­ge­schich­te, Ver­gleich mit Zeit­ge­nos­sen, Dar­stel­lung von Rea­li­täts­be­zug und Auf­schlüs­se­lung inter­tex­tu­el­ler Ver­wei­se. Wir erwar­ten, dass Fair­ness und Objek­ti­vi­tät wal­ten. Alles zu Recht. Allein – die­se Hal­tung zur Lek­tü­re ist hoch­gra­dig unge­wöhn­lich und spielt im Lese­le­ben außer­halb der Feuil­le­tons kei­ne Rol­le. Da herrscht die Will­kür der Vor­lie­ben und der Aneig­nung für höchst­per­sön­li­che Zwe­cke. Da liest nie­mand ein Buch, nur weil es als Spit­zen­ti­tel im Früh­jahrs­pro­gramm von Han­ser erscheint, und nie­mand liest es mit dem Ziel, zu einem kri­tisch argu­men­tier­ba­ren Urteil zu kom­men und den Urhe­ber sei­nem Rang gemäß abzu­spei­chern zwi­schen Hand­ke und Lewitschar­off o. Ä. Was an Asso­zia­tio­nen, Emo­tio­nen und Urtei­len bei der Lek­tü­re eines Tex­tes ent­steht, nimmt auch kei­ne Rück­sicht auf lite­ra­tur­kri­ti­sche Stan­dards. Das macht die­se Ein­drü­cke aber nicht weni­ger inter­es­sant, sie sind nur schwe­rer öffent­lich zu kom­mu­ni­zie­ren. Wir wol­len es mit dem For­mat „Lek­tü­re­no­ti­zen“ ver­su­chen. Lek­tü­re­no­ti­zen sind spon­tan, per­sön­lich, idio­syn­kra­tisch. Sie sagen mög­li­cher­wei­se mehr über den Kopf des Lesers/der Lese­rin als über das Gele­se­ne – was kein Scha­den ist, wenn es sich um einen inter­es­san­ten Kopf han­delt. Das For­mat steht allen Autorin­nen und Autoren offen. (red)

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Anna Feln­ho­fer, gebo­ren 1984 in Wien, wo sie als Wis­sen­schaft­le­rin (kli­ni­sche Psycho­logie) und Schrift­stel­le­rin lebt. Ihr lite­ra­ri­sches Debüt Schnitt­bild erschien 2021 im Luft­schacht Ver­lag. Beim dies­jäh­ri­gen Inge­borg-Bach­mann-Wett­be­werb wur­de sie für ihren Text „Fische fan­gen“ mit dem Deutsch­land­funk­preis aus­ge­zeich­net.

Quel­le: VOLLTEXT 3/2023

Online seit: 24. Juli 2024

Online seit: 24. Juli 2024

Zuletzt geän­dert: 24. Juli 2024