Neulich
Neulich beendete ich mein Lebenswerk. Das ist insofern bemerkenswert, als dass ich persönlich niemanden kenne, der ein Lebenswerk verfasst beziehungsweise es beendet hat. Die meisten sind vorher gestorben beziehungsweise haben sich übernommen und es deshalb nicht geschafft.
Es ist in vielerlei Hinsicht auch gar nicht so einfach, sein Lebenswerk zu beenden, ich kann ein Lied davon singen.
Es ist allerdings ebenfalls nicht so einfach, sein Lebenswerk beendet zu haben (man beachte das tempus perfectum). Ich habe für mein Lebenswerk achtzehn Jahre gebraucht. Ich bin jetzt 59 Jahre alt, also ging fast ein Drittel meines Lebens für mein Lebenswerk drauf. Als ich anfing, war ich 41 und in voller Kraft und Blüte, inzwischen habe ich Gicht und ein schwaches Herz.
Ich stand wie ein Reiher am Teichrand und wartete auf meinen Text, der im Regelfall nie kam. Das ist das Gegenteil von Spaß.
Natürlich hat mich mein Lebenswerk gequält. Alles andere dürfte man auch nie behaupten. Wer achtzehn Jahre etwas macht und daran etwa „Spaß“ hat, hat im Regelfall nicht nur achtzehn Jahre Scheiße gemacht, sondern er ist dann auch einfach geistig aberriert, denn wenn man achtzehn Jahre Scheiße macht und diese Scheiße nicht schon nach wenigen Tagen oder Wochen aus Einsicht abgebrochen hat, dann hat man sich achtzehn Jahre lang auf eine unhintergehbare Weise deformiert, zumindest kann ich mir das nicht anders vorstellen.
Ich glaube allerdings nicht, dass Menschen je achtzehn Jahre am Stück Dinge mit Spaß machen können, außer vielleicht in einer Nervenklinik.
In diesen achtzehn Jahren habe ich übrigens meistens gar nichts getan, vor allem nicht geschrieben. Ich saß da und drehte meistenteils einfach notgedrungen Däumchen, weil ich wartete. Meistens passierte einfach nichts. Ich stand wie ein Reiher am Teichrand und wartete auf meinen Text, der im Regelfall nie kam. Das ist das Gegenteil von Spaß.
Ich habe also, man kann es kaum anders sagen, achtzehn Jahre meines Lebens
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