Neulich

Von Andre­as Mai­er

Neu­lich been­de­te ich mein Lebens­werk. Das ist inso­fern bemer­kens­wert, als dass ich per­sön­lich nie­man­den ken­ne, der ein Lebens­werk ver­fasst bezie­hungs­wei­se es been­det hat. Die meis­ten sind vor­her gestor­ben bezie­hungs­wei­se haben sich über­nom­men und es des­halb nicht geschafft.

Es ist in vie­ler­lei Hin­sicht auch gar nicht so ein­fach, sein Lebens­werk zu been­den, ich kann ein Lied davon sin­gen.

Es ist aller­dings eben­falls nicht so ein­fach, sein Lebens­werk been­det zu haben (man beach­te das tem­pus per­fec­tum). Ich habe für mein Lebens­werk acht­zehn Jah­re gebraucht. Ich bin jetzt 59 Jah­re alt, also ging fast ein Drit­tel mei­nes Lebens für mein Lebens­werk drauf. Als ich anfing, war ich 41 und in vol­ler Kraft und Blü­te, inzwi­schen habe ich Gicht und ein schwa­ches Herz.

Ich stand wie ein Rei­her am Teich­rand und war­te­te auf mei­nen Text, der im Regel­fall nie kam. Das ist das Gegen­teil von Spaß.

Natür­lich hat mich mein Lebens­werk gequält. Alles ande­re dürf­te man auch nie behaup­ten. Wer acht­zehn Jah­re etwas macht und dar­an etwa „Spaß“ hat, hat im Regel­fall nicht nur acht­zehn Jah­re Schei­ße gemacht, son­dern er ist dann auch ein­fach geis­tig aberri­ert, denn wenn man acht­zehn Jah­re Schei­ße macht und die­se Schei­ße nicht schon nach weni­gen Tagen oder Wochen aus Ein­sicht abge­bro­chen hat, dann hat man sich acht­zehn Jah­re lang auf eine unhin­ter­geh­ba­re Wei­se defor­miert, zumin­dest kann ich mir das nicht anders vor­stel­len.

Ich glau­be aller­dings nicht, dass Men­schen je acht­zehn Jah­re am Stück Din­ge mit Spaß machen kön­nen, außer viel­leicht in einer Ner­ven­kli­nik.

In die­sen acht­zehn Jah­ren habe ich übri­gens meis­tens gar nichts getan, vor allem nicht geschrie­ben. Ich saß da und dreh­te meis­ten­teils ein­fach not­ge­drun­gen Däum­chen, weil ich war­te­te. Meis­tens pas­sier­te ein­fach nichts. Ich stand wie ein Rei­her am Teich­rand und war­te­te auf mei­nen Text, der im Regel­fall nie kam. Das ist das Gegen­teil von Spaß.

Ich habe also, man kann es kaum anders sagen, acht­zehn Jah­re mei­nes Lebens