Andreas Maier: Neulich

Als alles noch viel schlech­ter, unbe­que­mer, schmut­zi­ger und roher war.

Neu­lich dach­te ich mal wie­der an frü­her. Als alles noch viel schlech­ter, unbe­que­mer, schmut­zi­ger und roher war. Wenn man ein Mäd­chen hat­te, ich rede von der Zeit mit fünf­zehn, sech­zehn Jah­ren, dann ver­ab­re­de­te man sich münd­lich. Das ist eine Tech­nik, die man heut­zu­ta­ge viel­leicht erklä­ren muss, die münd­li­che Ver­ab­re­dung. Ich war zeit­wei­se ver­liebt in Mäd­chen, die das Augus­ti­ner­gym­na­si­um besuch­ten, das war in mei­ner alten Hei­mat­stadt Fried­berg in Hes­sen damals das Edel­gym­na­si­um, ein atmo­sphä­re­schwan­ge­res Klos­ter­ge­bäu­de aus längst ver­gan­ge­nen Jahr­hun­der­ten. Ich dage­gen ging nur auf die Gesamt­schu­le, das war die zwei­te Wahl, gym­na­sia­ler Zweig. Wir befan­den uns dort in einem gro­ben Beton­block aus den sieb­zi­ger Jah­ren am Stadt­rand, immer­hin recht idyl­lisch gele­gen. Die Pau­sen­zei­ten bei­der Schu­len waren, soweit ich mich erin­ne­re, nicht iden­tisch. Übri­gens hat­ten sie auf der Augus­ti­ner­schu­le Sams­tags­un­ter­richt, was mir zeit mei­nes Lebens immer suspekt erschien.

Die begin­nen­de Nacht war eine Pha­se der völ­li­gen Kon­takt­un­mög­lich­keit, beherrscht allein von Den­ken und Sehn­sucht. Man war allein mit Büchern und Plat­ten.

Wir gin­gen damals übri­gens bereits in Knei­pen. Also rich­ti­ge Knei­pen, in denen man wenigs­tens Bier trinkt, wenn nicht mehr. Kei­ne Cafés! In die gin­gen wir auch. Aber nur vor­mit­tags. Und das waren noch rich­ti­ge Oma- und Opa-Cafés, wenn auch von uns, der Jugend, inzwi­schen etwas auf­ge­mischt. Aber nach­mit­tags