Neulich

Von Andre­as Mai­er

Neu­lich brach­te ich mei­nen Duf­f­le­coat zum Schnei­der. Er hat­te ein Mot­ten­loch auf dem Rücken. Auch die Schnal­len­kor­deln waren hin­über.

Den Duf­f­le­coat habe ich 2008 in Ber­lin gekauft, vor sech­zehn Jah­ren. Mit ihm war ich damals unter ande­rem beim Cas­tor-Trans­port, um dort eine Rede zu hal­ten. Es war das Jahr vor mei­ner Hoch­zeit. Zu der Zeit ließ ich mir einen Bart wach­sen. Infol­ge der Rede sind bei­des, Duf­f­le­coat und Bart, foto­gra­fisch doku­men­tiert.

Deutsch­land im Jahr 2008, ver­su­chen wir uns das anhand mei­nes dama­li­gen Bar­tes zu ver­ge­gen­wär­ti­gen. Mit dem Bart fing ich im Früh­som­mer an, noch vor dem Duf­f­le­coat. Viel­leicht kauf­te ich die­sen nur, weil er gut zu mei­nem Bart pass­te.

In die­sem Moment begriff ich erst, dass ich mona­te­lang als Geschlechts­we­sen in die­sem gan­zen natür­li­chen Sexzir­kus über­haupt nicht mehr vor­ge­kom­men war.

Wie kam das alles zustan­de? Damals leb­te ich für ein Jahr auf dem ost­deut­schen Land. Ver­mut­lich hör­te ich zunächst ein­fach des­halb auf, mich zu rasie­ren, weil es ja sozu­sa­gen egal war. Ich hör­te damals übri­gens auch wie­der ein biss­chen