Neulich: Ausgrenzung im Namen der Wissenschaft

Andre­as Mai­er liest Freuds Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se und fin­det dar­in die Coro­na-Ära prä­gnant beschrie­ben.

Neu­lich besuch­te ich einen Mann. Alt (wie ich), weiß. Bleich gera­de­zu. Er hat offen­bar län­ger kein Licht gese­hen. In sei­nem Bart hin­gen Tabak­brö­sel, sie hat­ten die Haa­re bereits seit län­ge­rem ein­ge­färbt. Kei­ne Ahnung, wann er den Bart das letz­te Mal gewa­schen hat. Wäh­rend ich bei ihm saß, rauch­te er per­ma­nent. Er dreh­te Ziga­ret­ten mit Fil­ter, und wenn sich die Glut dem Fil­ter näher­te, riss er die Fil­ter ab, um noch zwei, drei Züge mehr aus der Ziga­ret­te her­aus­zu­be­kom­men. Zumin­dest kam mir das so vor. Viel­leicht riss er die Fil­ter auch aus blo­ßer Ner­vo­si­tät ab.

Für spä­te­re Zei­ten pos­tu­liert Freud vor genau hun­dert Jah­ren, dass es der­mal­einst die Wis­sen­schaf­ten sein könn­ten, um deren wil­len Men­schen aus­ge­schlos­sen, gestraft und gegän­gelt wer­den könn­ten wie wei­land von der Inqui­si­ti­on.

Wir saßen an einem Tisch. Auf dem Boden lagen zahl­lo­se Bücher. Oben­auf sah man Gust­ave Le Bons Psy­cho­lo­gie der Mas­sen. Es hät­te dort auch Freuds Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se lie­gen kön­nen, viel­leicht steck­te es ja in irgend­ei­nem der Hau­fen. Hin­ter den Hau­fen erho­ben sich lee­re Bier­fla­schen wie die Tür­me von San Gimigna­no gegen die vor einer Bal­kon­tür her­um­lun­gern­de Tages­grau­heit. Manch­mal ist man ja fas­sungs­los, dass es Bücher gibt, in denen alles drin­steht, die aber kei­ner liest, und wenn, dann genau falsch her­um. Jede Gesell­schaft hält sich immer für gut, und jede Gesell­schaft braucht immer ein ande­res, auf das sie die dunk­len Sei­ten ihrer selt­sa­men libi­di­nö­sen Bin­dun­gen abla­den kann. Was die Gesell­schaft eint, ist durch die Zei­ten ver­schie­den. Vor Freud war es die Reli­gi­on, zu Freuds Zei­ten schien der Sozia­lis­mus zu einer sol­chen Idee her­an­zu­wach­sen (die Kon­se­quen­zen kann man dann bei Isaak Babels Rei­ter­ar­mee nach­le­sen, lag viel­leicht