Weltempfänger Sommer 2020

Die 47. Lit­prom-Bes­ten­lis­te mit Büchern aus Afri­ka, Asi­en, Latein­ame­ri­ka und der ara­bi­schen Welt.

1.
Mee­na Kan­da­sa­my: Schlä­ge. Ein Por­trät der Autorin als jun­ge Ehe­frau
Roman. Aus dem Eng­li­schen von Karen Ger­wig.
Cul­tur­Books. 264 Sei­ten. € 22,00
Eine jun­ge ange­hen­de Autorin hei­ra­tet. Ihr Ehe­mann ist Mar­xist und ein berühm­ter Intel­lek­tu­el­ler. Was folgt, ist ver­ba­le, phy­si­sche und sexu­el­le Gewalt. Kan­da­sa­my lie­fert ein viel­schich­ti­ges Dreh­buch von ehe­li­chem Miss­brauch – und schenkt ihrer Hel­din die Kraft, sich frei zu schrei­ben: mit den Waf­fen der Lite­ra­tur. – Clau­dia Kra­mat­schek

2.
Young-Ha Kim: Auf­zeich­nun­gen eines Seri­en­mör­ders
Roman. Aus dem Korea­ni­schen von Inwon Park.
Cass Ver­lag. 152 Sei­ten.€ 20,00
Nach Jah­ren im Ruhe­stand muss ein mehr oder min­der demen­ter Seri­en­kil­ler noch­mals aktiv wer­den, um sei­ne Toch­ter zu ret­ten; der Roman besteht aus den Noti­zen, die er sich macht, um den Über­blick zu behal­ten. Oder ist alles ganz anders? Ein fun­keln­des Klein­od mit explo­si­ver Wir­kung – bril­lant! – Ulrich Nol­ler

3.
Jere­my Tiang: Das Gewicht der Zeit
Roman. Aus dem Eng­li­schen von Susann Urban.
Resi­denz­ver­lag. 304 Sei­ten. € 24,00
Ein uner­klär­ter Krieg hat die Fami­lie in alle Win­de ver­sprengt. Jere­my Tiang fügt Schick­sa­le aus drei Gene­ra­tio­nen wie Mosa­ik­stei­ne zusam­men. Poin­tiert und fes­selnd erzählt der Sin­ga­pu­rer von Kämp­fen um die Unab­hän­gig­keit in den 50er und 60er Jah­ren. Man­ches Mas­sa­ker hallt noch im Oxford der Gegen­wart nach. – Jörg Plath

4.
Wil­ma Sto­cken­ström: Der sieb­te Sinn ist der Schlaf
Roman. Aus der eng­li­schen Fas­sung von J. M. Coet­zee über­tra­gen von Rena­te Stendhal.
Ver­lag Klaus Wagen­bach. 160 Sei­ten. € 18,00
Eine ehe­ma­li­ge Skla­vin hat sich am Ende ihres Lebens ins Inne­re eines Bao­bab zurück­ge­zo­gen und blickt auf ihr Leben im Besitz ver­schie­de­ner Her­ren zurück. Mit ange­hal­te­nem Atem ver­fol­gen wir den Weg der Ich-Erzäh­le­rin durch ganz Afri­ka in Zei­ten von Skla­ven­hal­te­rei und ‑jäge­rei. Meis­ter­haft erzählt. – Ani­ta Dja­fa­ri

5.
Eli­ot Wein­ber­ger: Neun­zehn Arten Wang Wei zu betrach­ten 
Aus dem Eng­li­schen von Bea­tri­ce Faß­ben­der, mit einem Nach­wort von Octa­vio Paz.
Beren­berg Ver­lag. 112 Sei­ten. € 18,00
Ein 1200 Jah­re alter Vier­zei­ler von Tang-Dich­ter Wang Wei. Er erzählt von Berg, Wald und Abend­son­ne und von Men­schen­stim­men, die aus der Fer­ne ver­nehm­bar sind. Auch die (mehr als) neun­zehn Über­set­zun­gen klin­gen wie ein Echo am Berg. Herr­li­cher mehr­stim­mi­ger Wider­hall. Denn: Wang Wei hat geru­fen! – Katha­ri­na Bor­chardt

6.
Her­n­an Ron­si­no: Came­ron
Novel­le. Aus dem argen­ti­ni­schen Spa­nisch von Luis Ruby.
Bil­ger­ver­lag. 91 Sei­ten. € 19,00
Die Zeit nach der Jun­ta in der argen­ti­ni­schen Pam­pa. Ein Mann mit Holz­bein steht unter Arrest, fühlt sich ver­folgt. Er erheischt Mit­leid, bis sich die Wahr­heit her­aus­stellt. Wo Gerech­tig­keit ver­sagt, droht Rache. Erschüt­ternd und erhel­lend. Absto­ßend und mit­rei­ßend. – Rut­hard Stäb­lein

7.
Cai Jun: Rache­geist
Roman. Aus dem Chi­ne­si­schen von Eva Sche­s­tag.
Piper. 512 Sei­ten. € 16,00
Was für ein wahn­wit­zi­ges Buch aus der VR Chi­na. Ein Thril­ler, der vor Plot-Freu­de fast explo­diert. Ein del­iran­ter Step-Tanz auf der Linie zwi­schen Kri­mi­nal- und Phan­tas­ti­scher Lite­ra­tur. Das „neue Chi­na“ – kor­rupt, bru­tal, gie­rig und gewalt­tä­tig. Fas­zi­nie­rend und explo­siv. – Tho­mas Wört­che

* * *

Die Welt­emp­fän­ger-Bes­ten­lis­te erscheint vier Mal im Jahr und emp­fiehlt jeweils sie­ben Neu­erschei­nun­gen aus Afri­ka, Asi­en, Latein­ame­ri­ka und der ara­bi­schen Welt.

Die Jury: Ili­ja Tro­ja­now (Vor­sitz), Katha­ri­na Bor­chardt, Ani­ta Dja­fa­ri, Andre­as Faniz­adeh, Clau­dia Kra­mat­schek, Ulrich Nol­ler, Jörg Plath, Rut­hard Stäb­lein und Tho­mas Wört­che

* * *

* * *

Online seit: 28. Mai 2020

Zuletzt geän­dert: 28. Mai 2020