Presseschau – 7. September 2026
NZZ
Was uns der alles zumutet: Dror Mishanis neuer Roman „Nicht“
Kann ein Erzähler verstören und betören zugleich? Der israelische Autor Mishani erzählt von einem einsamen Witwer, einer grossen Liebe und einem verhängnisvollen Unfall – und führt seine Leser dabei immer tiefer in ein moralisches und erzählerisches Labyrinth.
NZZ
Die Wirklichkeit des Erlebten: Was uns Robert Menasse über unsere Erinnerungen an 9/11 erzählt
Der österreichische Schriftsteller verbindet gekonnt Weltgeschichtliches mit Autobiografischem. Auch im neuen Band, in dem es um die Überblendung des Gedächtnisses geht – 25 Jahre nach den Terroranschlägen in Amerika.
FAZ
Für all das, was nicht zur Sprache kommt
In ihrem Debütroman „ë“ hat Jehona Kicaj vom Kosovokrieg und vom Leben in der Diaspora erzählt. Eine Buchpreisnominierung und viele Lesungen später ist da immer noch Schmerz, aber auch Dankbarkeit. Eine Begegnung.
FAZ
Die Ironie der bitteren Jahre
Mit einer Künstlerresidenz in Budapest und dem Nachlass in Berlin: Zehn Jahre nach seinem Tod kehrt Péter Esterházy in Ungarns offizielles Kulturleben zurück.
FAZ
Mit dieser Frau sollte man sich nicht anlegen
Verbrechen ist Frauensache: Die Protagonistin von Ron Curries „Die Patin von Maine“ kehrt in ihre Heimatstadt zurück, um den Drogenhandel zu übernehmen. Der Roman hat einen berühmten Vorgänger.
FAZ
Der Satzbau ist nicht das Primäre
Wie Verknüpfungen hergestellt werden, ist nicht nur eine Formfrage: Wolf-Dieter Stempel revolutionierte die historische Sprachwissenschaft. Mit 97 Jahren ist der Münchner Romanist gestorben.
FAZ
Was man von Hühnern lernen kann
Zerbrochene Scheiben sind erst der Anfang: Angelika Klüssendorf folgt in „Trost“ der Krise einer Patchworkfamilie bis über die Schmerzschwelle hinaus. Im Hintergrund tobt Putins Angriffskrieg.
FAZ
Der Doktor und das arme Vieh
Wie macht man das eigentlich, Bestseller über Flurbereinigung oder Ferkelkastration schreiben? Dörte Hansen gelingt es spielend. Ihr neuer Roman „Broder“ handelt von einem jähzornigen Tierarzt. Und ist wieder gut.
FAZ
Romantik und Vergänglichkeit
Klage, Trost, Angst und Neugier: Christoph Palmer widmet sich in einem Sammelband dem Verhältnis deutscher Romantiker zum Tod, und Henning Kreitel fotografiert deren Grabdenkmäler.
Die Welt
Wir werden gerade Zeugen, wie die Epoche des Lesens zu Ende geht
Die Ära der Schrift ist vorüber. Kulturkritiker nehmen Abschied vom Buch und warnen vor einem neuen dunklen Zeitalter. Es geht um die Lebensgrundlagen der demokratischen Öffentlichkeit.
Die Welt
Die Welt zum Hinsehen bringen
Maxim Billers neuer Roman ist sein bislang bester. „Schwarze Samstage“ stellt unbequeme Fragen an unsere Gegenwart seit dem 7. Oktober 2023 – und entpuppt sich als Werk, hinter dem eine ebenso traurige wie aktuelle Botschaft steckt.
Die Welt
Ist mein Roman zu jüdisch für Deutschland?
Nach dem 7. Oktober schrieb ich eine Utopie, in der Israel und die arabischen Staaten in Frieden leben. Die Reaktion deutscher Verlage war, nun ja, interessant.
Die Welt
Die Deutschen und ihr Schattenkampf gegen die Nazis
Manchmal muss erst ein Unfall passieren: Im neuen Roman von Monika Maron fragt sich eine 55-jährige Journalistin, was sie da eigentlich macht. Und ob sie so weitermachen soll.
Die Welt
Ich bin der größte Staatsfeind Nummer 1 der gesamten Geschichte
Terrorismus. Spionage. Gefährdung der Sicherheit des Staates: Mit absurden Vorwürfen wurde der Schriftsteller Boualem Sansal in Algerien inhaftiert. Hier berichtet er, was den Staatsanwalt wirklich provozierte.
Die Welt
„Vor allem Frauen, Kinder und Alte spürten die Rache“
In der polnischen Stadt Lodz, wo die Nazis brutal wüteten, gab es eine deutsche Minderheit. Zu ihr gehörten Elsa und Paul. Jetzt erzählt ihr Enkel ihre Geschichte. Ein Interview über unpolitische Menschen, die vertrieben und enteignet wurden.
Die Presse
Monika Helfers letzter Roman erscheint exklusiv in der „Presse“
Die letzten Monate ihres Lebens hat Monika Helfer an einem Fortsetzungsroman für das Spectrum, die essayistische Beilage der „Presse“, gearbeitet. Knapp vor ihrem Tod hat sie das letzte Kapitel geschrieben. „Kreuzers Kinder“ erscheint ab 12. September jede Woche.
Die Presse
Sie will in ihrer letzten Lebenswoche noch zu einem Bewerbungsgespräch gehen
Seo Eun-chaes „Die letzte Liebe der Hui-wan“ sollte Lesende trösten. Gelingt das auch? Von Cornelia Travnicek
Die Presse
Leben in der DDR: Schweigen war das Schlimmste
Der Roman „Falls jemand fragt, wer wir waren“ von Eva Kranenburg ist eine politische und persönliche DDR-Emanzipationsgeschichte.
Die Presse
Irvine Welsh: Der Kultroman „Trainspotting“ geht weiter
Irvine Welsh setzt seine Chaos-Truppe in „Men in Love“ auf eine neue Droge: Liebe. Dieses Buch lässt richtig die Sau raus und macht, trotz der Sprache, Spaß.
Die Presse
T. C. Boyle: Ein Milliardär macht das Klima arktisch
In T. C. Boyles „Das Ende ist nur ein Anfang“ gibt es in den USA der Zukunft Umerziehungslager, deren Insassen Präsidentenreden auswendig lernen müssen.
Frankfurter Rundschau
Sandwiches für den Mond
Von Liebe und Abschied – der rumänische Dichter Mircea Cărtărescu zieht seine poetische Lebensbilanz.
Frankfurter Rundschau
Alle waren dabei
Wie also können sich „Die Lücken“ auftun? Shida Bazyar erzählt stimmenreich und virtuos von der Verdrängung der NS-Zeit in einer kleinen Stadt.
Frankfurter Rundschau
So wahnsinnig wie die Wirklichkeit
Graben wir uns einmal tief hinein und hinunter: Valeria Gordeevs Debütroman „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“ ist virtuos, durchgeknallt und wahrhaftig.
Die Zeit
Hier wird Literatur gerupft, skalpiert, entsorgt
Amazon kauft seltene Bücher auf, um seine KI zu füttern. In einer ihrer Lagerhallen soll es zugehen wie in einem Schlachtbetrieb.
Tagesspiegel
Diskussion über Buchpreis-Jurorin Maha El Hissy: Literarisch verpackter Antizionismus?
Die jüdischen Gemeinden und die „Jüdische Allgemeine“ werfen einer der Jurorinnen des Deutschen Buchpreises, Maha El Hissy, Judenhass vor. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hält an ihr fest.
Tagesspiegel
Aus dem Leben einer Nobelpreisträgerin
Das erste Buch nach der Auszeichnung der südkoreanischen Autorin Han Kang ist eine Mischung aus poetologischem Essay und Meditation – getrieben von derselben Frage, die sie schon mit acht Jahren hatte.
Tagesspiegel
Wenn der Milchbauer sich vom Silo stürzt
Keine Bestsellerautorin kennt die norddeutsche Provinz besser. Das Familiendrama „Broder“ ist der bisher düsterste Dorfroman der Schriftstellerin aus Husum.
Berliner Zeitung
Sebastian Guggolz im Gespräch vor Pisa: Lesen gehört zur demokratischen Teilhabe
Am 8. September wird die neue Pisa-Studie veröffentlicht. Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels fordert ein Umdenken in der Politik.
Berliner Zeitung
Heroin als Diktator? Oder als Mörder? Über Jean Rolins Roman „Joséphine“
So tief, wie Jean und Joséphine sich lieben, das ist unvergleichlich. Doch steht etwas zwischen ihnen. Dieser kurze Roman greift ans Herz.
Berliner Zeitung
Wie Dave Eggers über Kunst und Sex schreibt und in Berlin die Orientierung verliert
Das Literaturfestival hält neben Buchpremieren auch politische Debatten bereit. Während Schirmherr Boualem Sansal verwirrt, begeistert Dave Eggers.
Berliner Zeitung
Nicht immer ist Geschichte ein Albtraum: Lídia Jorge erzählt von gelungener Revolution
„Die Stunde der Nelken“ führt nach Portugal. Was die Hauptfigur erlebt, kann auch woanders spielen. Auch deshalb ist das Buch so lesenswert.
Der Standard
Fotos von Kleidern nach dem Sex: „Auf den Bildern“ von Annie Ernaux und Marc Marie
Annie Ernaux‘ und Marc Maries Buch über Begehren und Zufall, weibliche und männliche Körper, die Zeit und den Schmerz der Vergänglichkeit
Der Standard
Thomas Glavinic: „Ein guter Roman ist klüger als der Autor“
Nach einer langen Zeit der Stille spricht der Schriftsteller über eine biografische Korrektur, die weit über Erfolg oder Scheitern hinausgeht: Was verrät Literatur über ihren Autor, lange bevor er sich selbst versteht?
* * *
Online seit: 7. September 2026
Zuletzt geändert: 7. Sep. 2026
