Presseschau – 16. Oktober 2023

Tonio Schachin­ger erhält den Deut­schen Buch­preis / Schil­ler in Korea / Loui­se Glück / Tho­mas Hett­che …

NZZ
Der deut­sche Buch­preis 2023 geht an Tonio Schachin­ger für den Roman «Echt­zeit­al­ter»
Schachin­ger setz­te sich gegen fünf ande­re Wer­ke durch, die auf der Short­list des Buch­prei­ses stan­den. Neben der Aus­zeich­nung erhält der 31-jäh­ri­ge Öster­rei­cher eine Prä­mie von 25 000 Euro.

NZZ
Als Wil­helm Tell Jiu-Jitsu lern­te: In der ers­ten asia­ti­schen Über­set­zung von Schil­lers Dra­ma wird der Frei­heits­held zum Vor­bild der Chi­ne­sen und Korea­ner im Kampf gegen die Fremd­herr­schaft
Chi­ne­si­sche und korea­ni­sche Über­set­zun­gen von «Wil­helm Tell» mach­ten die Schweiz repu­bli­ka­ni­scher, als sie war, und zu einem Ide­al, nach dem man in Asi­en stre­ben soll­te.

NZZ
Klei­ne lite­ra­ri­sche Gross­macht: Die slo­we­ni­schen Schrift­stel­ler sind längst da – man muss sie nur ent­de­cken
Mit Slo­we­ni­en bestrei­tet die­ses Jahr ein klei­nes Land den Part des Ehren­gasts der Frank­fur­ter Buch­mes­se. Lite­ra­risch gese­hen jedoch sind die Slo­we­nen eine Gross­macht. Die­sen Herbst wer­fen sie sich beson­ders ins Zeug. Ein Husa­ren­ritt durch die Neu­erschei­nun­gen.

NZZ
Wenn ein­mal Gene und Geni­ta­li­en belie­big aus­tausch­bar sind
Tho­mas Hett­che hat einen klei­nen Roman zu gros­sen Fra­gen geschrie­ben. Eine davon heisst: Wo beginnt der Mensch, und wo hört er auf?

FAZ
Schrift­stel­ler pro­tes­tie­ren gegen Ver­schie­bung der Preis­ver­lei­hung an Ada­nia Shi­b­li
Die Ent­schei­dung sei nicht im Ein­ver­neh­men mit der Autorin getrof­fen wor­den. Daher kri­ti­sie­ren hun­der­te Schrift­stel­ler in einem offe­nen Brief die Frank­fur­ter Buch­mes­se für die Ver­schie­bung des Lite­ra­tur­prei­ses.

FAZ
Der Mann, der drei Mal starb
„Fone Kwas oder Der Idi­ot“ heißt Geor­gi Demi­dows glü­hen­der, genia­ler Roman über die Unmensch­lich­kei­ten des Bol­sche­wis­mus. Jetzt erscheint er erst­mals auf Deutsch.

FAZ
Wie kom­pli­ziert das damals war
Uwe Timm blickt in sei­nem neu­en Buch „Alle mei­ne Geis­ter“ zurück. Ein Spa­zier­gang mit dem Schrift­stel­ler durch den Ort, an dem er frü­her eine Kürsch­ner­leh­re gemacht hat: Ham­burg.

FAZ
Letz­te War­nung vor dem Sprach­ver­sa­gen
Die Phra­se ist die Tod­fein­din der Kom­mu­ni­ka­ti­on wie der Lite­ra­tur. Weni­ge Men­schen haben aus­dau­ern­der und ent­schlos­se­ner gegen sie gekämpft als die Dich­te­rin und Nobel­preis­trä­ge­rin Loui­se Glück. Ein Nach­ruf.

Die Welt
Nicht jedes gute Buch ist für jeden Moment das rich­ti­ge
Der Deut­sche Buch­preis geht an den Öster­rei­cher Tonio Schachin­ger und sei­nen Roman „Echt­zeit­al­ter“, der von einem jun­gen Mann zwi­schen Tra­di­ti­on und Rebel­li­on erzählt. Die Ent­schei­dung der Jury ist sou­ve­rän – und wirkt doch heu­te pro­ble­ma­tisch, weil sie zwei poli­ti­sche­re Stim­men über­geht.

Die Welt
Eine Frau, wehr­los gegen­über der Schön­heit des Man­nes
War­um gera­ten Frau­en in toxi­sche Bezie­hun­gen, war­um las­sen sie sich demü­ti­gen und schla­gen? Büch­nerpreis­trä­ge­rin Teré­zia Mora erzählt in „Muna oder Die Hälf­te des Lebens“ von der Macht, die Män­ner über Frau­en haben. Zu Recht ist sie damit für den Deut­schen Buch­preis nomi­niert.

Die Welt
„Das ist eine Krank­heit unse­rer Zeit und Welt“
Die welt­weit erfolg­reichs­te deut­sche Kin­der­buch­au­to­rin wohnt in der Tos­ka­na. Hier erzählt Cor­ne­lia Fun­ke, über wel­che Ver­fil­mung sie sich am meis­ten geär­gert hat, was am glück­lichs­ten macht, und war­um sie nicht nach Deutsch­land zurück­kehrt.

Die Welt
„Möch­ten Sie selbst auf Bäu­men leben?“ – „Ja“
Er hat den „Baron auf den Bäu­men“ erfun­den. Eines der schöns­ten Bücher über Men­schen und ihren Eigen­sinn. Jetzt wäre der ita­lie­ni­sche Schrift­stel­ler Italo Cal­vi­no 100 gewor­den. Und nun scheint auch das Geheim­nis um sei­ne bes­te Geschich­te gelöst.

Die Welt
Als die Film­kunst einen Teu­fels­pakt mit den Nazis schloss
Der legen­dä­re Stumm­film­re­gis­seur G.W. Pabst kehr­te aus dem Exil nach Hit­ler-Deutsch­land zurück und dreh­te wei­ter Fil­me. Dani­el Kehl­mann macht dar­aus eine tief­grün­di­ge Para­bel über Kunst und Moral. Der Mephis­to kommt hier direkt aus dem Pro­pa­gan­da­mi­nis­te­ri­um.

Die Welt
„Die­se gan­zen Sto­rys vol­ler Gewalt lagen immer in der Luft“
Par­ti­sa­nen-Mythen des Tito­is­mus, ver­dräng­te Ver­bre­chen und lan­ge bal­ka­ni­sche Flü­che: Slo­we­ni­en hat als Buch­mes­sen­gast gewich­ti­ge The­men und der­be Kraft­aus­drü­cke im Gepäck. Die­se drei Neu­erschei­nun­gen soll­te man lesen.

Die Welt
Am Ende der Lei­den eine Pfor­te
1993 bekam sie den Pulit­zer­preis, inmit­ten der Coro­na-Pan­de­mie wur­de sie mit dem Lite­ra­tur­no­bel­preis aus­ge­zeich­net: Zum Tod der uner­schro­cke­nen ame­ri­ka­ni­schen Dich­te­rin Loui­se Glück, die zahl­rei­chen per­sön­li­chen Kri­sen eine stren­ge Kunst abge­wann.

Die Zeit
„Da wer­den Mär­chen in die Welt gesetzt“
Ingo Kretz­schmar ist vor­sit­zen­der Geschäfts­füh­rer des Buch­han­dels­gi­gan­ten Tha­lia. Die Klei­nen der Bran­che fürch­ten ihn – und er wirft ihnen vor, die Zukunft zu ver­schla­fen.

Die Zeit
Die Flucht­hel­fe­rin
Wie Han­nah Are­ndt sich ganz prak­tisch für die jüdi­sche Sache enga­gier­te – Tho­mas Mey­ers völ­lig über­ra­schen­de Bio­gra­fie der Phi­lo­so­phin

Die Pres­se
Dani­el Kehl­mann: „Dass ich mei­nen Sohn zwei Wochen hät­te ein­sper­ren sol­len, scho­ckiert mich noch heu­te“
Der Autor über sei­nen Roman, „Licht­spiel“, eine schreck­li­che Begeg­nung mit öster­rei­chi­schen Behör­den 2020, die unge­heu­re Nei­gung zur Über­re­ak­ti­on in Kri­sen wie Coro­na oder Isra­el-Krieg und die Fra­ge: Wie vie­le mora­li­sche Kom­pro­mis­se recht­fer­tigt gro­ße Kunst?

Süd­deut­sche Zei­tung
Nicht zu ver­feh­len
Slo­we­ni­en ist das Gast­land der Frank­fur­ter Buch­mes­se 2023. Eine gro­ße Rei­se durch die­sen Mikro­kos­mos euro­päi­scher Land­schaf­ten – mit den wich­tigs­ten Bücher von dort. Von Lothar Mül­ler

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Online seit: 16. Okto­ber 2023

Zuletzt geän­dert: 16. Okt. 2023