Martina Hefter erhält den Großen Preis des Deutschen Literaturfonds

Der Kra­nich­stei­ner Lite­ra­tur­för­der­preis geht an Nora Schramm, Auf­ent­halts­sti­pen­di­en wur­den an Franz Fried­rich und Tim Staf­fel ver­ge­ben.

Den mit 50.000 Euro dotier­ten Gro­ßen Preis des Deut­schen Lite­ra­tur­fonds erhält in die­sem Jahr Mar­ti­na Hef­ter. Sie wur­de von der Jury, bestehend aus Manue­la Reich­art, Miri­am Zeh und Hans Thill, aus dem Kreis der bis­her durch den Deut­schen Lite­ra­tur­fonds geför­der­ten Sti­pen­dia­tin­nen und Sti­pen­dia­ten gewählt.

In der Begrün­dung der Jury heißt es:
„Mit ihrem leicht­fü­ßi­gen Ges­tus, dem ein­drucks­vol­len All­tags­par­lan­do und ihrem kom­ple­xen Form­be­wusst­sein hat die 1965 im All­gäu gebo­re­ne Mar­ti­na Hef­ter eine eigen­sin­ni­ge Spra­che gefun­den. Ihre Gedich­te sind poe­tisch und zugleich gegen­wär­tig. So the­ma­ti­siert der Band In die Wäl­der gehen, Holz für ein Bett klau­en unter ande­rem die Aus­beu­tung der Natur durch den Men­schen, die Zer­stö­rungs­kraft eines welt­weit agie­ren­den Kapi­ta­lis­mus und des bis heu­te wirk­mäch­ti­gen Kolo­nia­lis­mus. Dabei spren­gen Hef­ters authen­tisch-rhyth­mi­sche Gedich­te immer wie­der Gat­tungs­gren­zen zum poe­ti­schen Essay und zum sze­ni­schen Text.
Auch die Gren­zen zu Tanz und Bewe­gung sind flie­ßend. Der Kör­per spielt nicht nur für die Per­for­me­rin, son­dern auch für die Autorin Mar­ti­na Hef­ter eine Rol­le. Er kann schwe­ben, aber auch hun­gern, alt und krank sein. Ein­dring­lich und empa­thisch erschließt Hef­ter in ihren Gedich­ten und Sprech­tex­ten Es könn­te auch schön wer­den das Pfle­ge­heim als lite­ra­ri­schen Ort.
Ihr aktu­el­ler Roman Hey guten Mor­gen, wie geht es dir? erzählt vom chro­nisch kran­ken Kör­per. Kunst­fer­tig über­blen­det Hef­ter die belas­ten­de Pfle­ge­ver­ant­wor­tung, die die frei­schaf­fen­de Künst­le­rin „Juno“ für ihren Part­ner „Jupi­ter“ über­nimmt, mit Bil­dern von anti­ken Göt­tern und Pla­ne­ten. Der Kos­mos des Him­mels­va­ters ist begrenzt, wäh­rend Juno ihre Bah­nen durch die Stadt und das digi­ta­le Netz zieht. So gerät nicht nur die Bezie­hung zwi­schen Pfle­gen­der und Gepfleg­tem, son­dern auch zwi­schen der altern­den Frau und einem Inter­net-Lie­bes­be­trü­ger, einem „lover boy“, in ihren stets offe­nen Blick.
Für ihr lyri­sches Gesamt­werk und mit beson­de­rer Her­vor­he­bung ihres jüngs­ten Romans Hey guten Mor­gen, wie geht es dir? ver­leiht die Jury Mar­ti­na Hef­ter den ‚Gro­ßen Preis des Deut­schen Lite­ra­tur­fonds‘.“

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Der Kra­nich­stei­ner Lite­ra­tur­för­der­preis, der seit 2003 jähr­lich durch den Deut­schen Lite­ra­tur­fonds an eine Autorin oder einen Autor unter 35 Jah­ren mit min­des­tens einer Buch­ver­öf­fent­li­chung ver­ge­ben wird, geht in die­sem Jahr an Nora Schramm für ihren Roman Hoh­le Räu­me, erschie­nen im Ber­li­ner Ver­lag Matthes & Seitz.

Begrün­dung der Jury:
„In ihrem Roman Hoh­le Räu­me besucht eine erfolg­rei­che Ber­li­ner Künst­le­rin ihre Eltern in einer süd­deut­schen Vor­stadt­sied­lung. Aber dort ist nichts mehr, wie es war: Die Eltern wol­len sich schei­den las­sen.
Nora Schramm erzählt zwi­schen Traum und Wirk­lich­keit von einem trost­lo­sen bür­ger­li­chen Fami­li­en­le­ben, in dem immer schon mehr Schein als Sein die Tages­ord­nung bestimm­te, in dem die Mut­ter eine Rol­le spiel­te, die sie nicht aus­füll­te, und die Toch­ter sich wei­ger­te, die Hoff­nun­gen zu erfül­len, die auf dem ein­zi­gen Kind las­te­ten.
In die­sem eben­so rea­lis­ti­schen wie sur­rea­len Debüt­ro­man geht es aber nicht nur um ein Fami­li­en­dra­ma, nicht allein um den Kunst­markt und sei­ne absur­den Regeln, am Ende ent­wi­ckelt sich die Geschich­te zu einer Road­no­vel, in der sich alle Gewiss­hei­ten auf­lö­sen. Und das Eltern­haus wird zur Kunst­in­stal­la­ti­on, in der die alten und die neu­en Hoff­nun­gen von Sand­ber­gen zuge­schüt­tet wer­den.“

Der Kra­nich­stei­ner Lite­ra­tur­för­der­preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

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Neben den bei­den Prei­sen wur­den auch das New-York-Sti­pen­di­um (an Franz Fried­rich) und das Lon­don-Sti­pen­di­um (an Tim Staf­fel) ver­ge­ben.

Alle Prei­se wer­den gemein­sam mit dem Paul-Celan-Preis für her­aus­ra­gen­de Über­set­zun­gen am 21. Novem­ber 2024 im Lite­ra­ri­schen Col­lo­qui­um in Ber­lin über­reicht.

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Online seit: 6. August 2024

Zuletzt geän­dert: 6. Aug. 2024