Lukas Bärfuss erhält den Georg-Büchner-Preis 2019

Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird am 2. Novem­ber 2019 in Darm­stadt ver­lie­hen.
Lukas Bärfuss © Stefano de Marchi

Foto: Ste­fa­no de Mar­chi

Die Deut­sche Aka­de­mie für Spra­che und Dich­tung ver­leiht den Georg-Büch­ner-Preis 2019 an den Schrift­stel­ler Lukas Bär­fuss.

Begrün­dung der Jury:
„Mit Lukas Bär­fuss zeich­net die Deut­sche Aka­de­mie für Spra­che und Dich­tung einen her­aus­ra­gen­den Erzäh­ler und Dra­ma­ti­ker der deutsch­spra­chi­gen Gegen­warts­li­te­ra­tur aus. In einer distink­ten und den­noch rät­sel­haf­ten Bil­der­spra­che, karg, klar und trenn­scharf, durch­drin­gen sich ner­vö­ses poli­ti­sches Kri­sen­be­wusst­sein und die Fähig­keit zur Gesell­schafts­ana­ly­se am exem­pla­ri­schen Ein­zel­fall, psy­cho­lo­gi­sche Sen­si­bi­li­tät und der Wil­le zur Wahr­haf­tig­keit. Mit hoher Stil­si­cher­heit und for­ma­lem Varia­ti­ons­reich­tum erkun­den sei­ne Dra­men und Roma­ne stets neu und anders exis­ten­ti­el­le Grund­si­tua­tio­nen des moder­nen Lebens. Es sind Qua­li­tä­ten, die zugleich Bär­fuss‘ Essays prä­gen, in denen er die heu­ti­ge Welt mit furcht­los prü­fen­dem, ver­wun­der­tem und aner­ken­nen­dem Blick beglei­tet.“

Lukas Bär­fuss, gebo­ren am 30. Dezem­ber 1971 in Thun/Schweiz, ist Dra­ma­ti­ker, Erzäh­ler und Essay­ist. Er lebt in Zürich. Bär­fuss begann zunächst 1998 als Dra­ma­ti­ker und avan­cier­te zu einem der erfolg­reichs­ten deutsch­spra­chi­gen Thea­ter­au­to­ren. Sei­ne Thea­ter­stü­cke wur­den in rund ein Dut­zend Spra­chen über­setzt und wer­den welt­weit gespielt. Zu sei­nen bekann­tes­ten Stü­cken zäh­len: Die sexu­el­len Neu­ro­sen unse­rer Eltern (2003), Der Bus (2005), ÖL (2009), Frau Schmitz (2016). Sein neu­es­tes Dra­ma, Der Ele­fan­ten­geist, wur­de im Sep­tem­ber 2018 am Natio­nal­thea­ter Mann­heim urauf­ge­führt.

Als Erzäh­ler debü­tier­te Lukas Bär­fuss 2002 mit der Novel­le Die toten Män­ner. Sein ers­ter Roman Hun­dert Tage über den Völ­ker­mord in Ruan­da erschien 2008. Wie die­ser so fand auch sein zwei­ter Roman Koa­la aus dem Jahr 2014, in dem er den Sui­zid sei­nes Bru­ders dar­stel­le­risch ver­ar­bei­tet, ein gro­ßes Echo in der Öffent­lich­keit. Für die­sen Roman wur­de ihm 2014 der Schwei­zer Buch­preis ver­lie­hen. 2017 erschien sein jüngs­ter Roman Hagard, des­sen Geschich­te um einen erfolg­rei­chen Geschäfts­mann kreist, der sich durch obses­si­ves Begeh­ren aus allen sozia­len Bin­dun­gen löst.
Lukas Bär­fuss tritt immer wie­der mit Essays und Debat­ten­bei­trä­gen zum poli­ti­schen Gesche­hen an die Öffent­lich­keit. 2015 erschien sein Essay­band Stil und Moral, 2018 der Band Krieg und Lie­be.

Zu den vie­len Aus­zeich­nun­gen, die Lukas Bär­fuss erhal­ten hat, zäh­len: 2005 Mül­hei­mer Dra­ma­ti­ker­preis, 2008 Mara-Cas­sens-Preis, 2009 Erich-Maria-Remar­que-Frie­dens­preis (Son­der­preis), 2010 Hans-Fal­la­da-Preis, 2013 Ber­li­ner Lite­ra­tur­preis, 2014 Solo­thur­ner Lite­ra­tur­preis, 2014 Schwei­zer Buch­preis, 2015 Nico­las-Born-Preis, 2016 Johann-Peter-Hebel-Preis, 2018 Preis der Litera­Tour Nord.

Lukas Bär­fuss ist Mit­glied der der Deut­schen Aka­de­mie für Spra­che und Dich­tung.

Der Georg-Büch­ner-Preis:
Die Deut­sche Aka­de­mie für Spra­che und Dich­tung ver­leiht seit 1951 den Georg-Büch­ner-Preis an her­aus­ra­gen­de Schrift­stel­le­rin­nen und Schrift­stel­ler. Er wird finan­ziert von der Beauf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Medi­en, dem Hes­si­schen Minis­te­ri­um für Wis­sen­schaft und Kunst und der Stadt Darm­stadt.

Bär­fuss‘ Wer­ke und Aus­zeich­nun­gen im Über­blick:

Pro­sa
Die toten Män­ner. Novel­le. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 2002
Hun­dert Tage. Roman. Wall­stein, Göt­tin­gen 2008
Koa­la. Roman. Wall­stein, Göt­tin­gen 2014
Stil und Moral. Essays. Wall­stein, Göt­tin­gen 2015
Hagard. Roman. Wall­stein, Göt­tin­gen 2017
Krieg und Lie­be. Essays. Wall­stein, Göt­tin­gen 2018
Cont­act. Zeich­nun­gen von Micha­el Günz­bur­ger, mit Tex­ten von Lukas Bär­fuss, Edi­ti­on Patrick Frey, Zürich, 2018

Thea­ter­stü­cke (im Ver­lag Hart­mann & Stauf­fa­cher)
Sopho­kles‘ Oedi­pus (1998)
Mede­ää (2000)
Vier Frau­en (2000)
Sieb­zehn Uhr sieb­zehn (2000)
Othel­lo, kur­ze Fas­sung (2001)
Mei­en­bergs Tod (2001)
Die Rei­se von Klaus und Edith durch den Schacht zum Mit­tel­punkt der Erde (2001)
august02, Natio­nalulk (2002)
Vier Bil­der der Lie­be (2002)
Die sexu­el­len Neu­ro­sen unse­rer Eltern (2003)
Hein­rich IV. (2004)
Ali­ces Rei­se in die Schweiz (2005)
Der Bus (Das Zeug einer Hei­li­gen) (2005)
Jemand schreit in unse­ren Rosen (2005)
Amyg­da­la (2007)
Die Pro­be (Der bra­ve Simon Kor­ach) (2007)
Öl (2009)
Mala­ga (2010)
Par­zi­val (2010)
Zwan­zig­tau­send Sei­ten (2012)
Anschlag (2013)
Die schwar­ze Hal­le (2013)
Frau Schmitz (2016)
Der Ele­fan­ten­geist (2018)

Aus­zeich­nun­gen (Aus­wahl)
2001 Kul­tur­för­der­preis der Stadt Thun
2003 Nach­wuchs­au­tor des Jah­res der Zeit­schrift Thea­ter heu­te für »Die sexu­el­len Neu­ro­sen unse­rer Eltern«
2005 Mül­hei­mer Dra­ma­ti­ker­preis für »Der Bus«
2005 Ger­rit-Engel­ke-Preis
2007 Spy­cher: Lite­ra­tur­preis Leuk
2008 Mara-Cas­sens-Preis für »Hun­dert Tage«
2008 Anna Seg­hers-Preis (gemein­sam mit Ale­jan­dra Cos­ta­ma­gna)
2009 Schil­ler­preis der Schwei­ze­ri­schen Schil­ler­stif­tung für »Hun­dert Tage«
2009 Erich-Maria-Remar­que-Frie­dens­preis (Son­der­preis) für »Hun­dert Tage«
2010 Hans-Fal­la­da-Preis der Stadt Neu­müns­ter
2011 Kul­tur­preis Ber­ner Ober­land
2013 Ber­li­ner Lite­ra­tur­preis ver­bun­den mit der Hei­ner Mül­ler-Gast­pro­fes­sur am Peter-Szon­di-Insti­tut der FU Ber­lin
2014 Solo­thur­ner Lite­ra­tur­preis
2014 Long­list beim Deut­schen Buch­preis mit »Koa­la«
2014 Schwei­zer Buch­preis für »Koa­la«
2015 Nico­las-Born-Preis
2016 Johann-Peter-Hebel-Preis
2017 Nomi­niert für den Preis der Leip­zi­ger Buch­mes­se mit »Hagard«
2018 Preis der Litera­Tour Nord für sein bis­he­ri­ges Werk und sei­nen jüngs­ten Roman »Hagard«

 

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Online seit: 9.7.2019

Zuletzt geän­dert: 9. Juli 2019