Joanna Bator erhält den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur

Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert

Der vom Öster­rei­chi­sche Staats­preis für Euro­päi­sche Lite­ra­tur geht die­ses Jahr an die pol­ni­sche Autorin Joan­na Bator. Die Aus­zeich­nung ist mit 25.000 Euro dotiert und wird am 27. Juli im Rah­men eines Fest­ak­tes wäh­rend der Salz­bur­ger Fest­spie­le offi­zi­ell ver­lie­hen.

In der Jury­be­grün­dung heißt es: „Gebo­ren in der nie­der­schle­si­schen Stadt Wałbrzych/Waldenburg, aus der die deut­sche Bevöl­ke­rung ab 1945 ver­trie­ben wur­de, nimmt Joan­na Bator in ihren Wer­ken mehr­fach Bezug auf die Gewalt­ge­schich­te des Zwei­ten Welt­kriegs, wel­che die Bezie­hun­gen zwi­schen Euro­pa und Polen bis heu­te prägt. In viel­schich­ti­gen Erzäh­lun­gen, in deren Zen­trum meist weib­li­che Figu­ren ste­hen, ver­ar­bei­tet Bator trau­ma­ti­sche Erfah­run­gen des letz­ten Jahr­hun­derts. Sie lädt belas­te­te Orte lite­ra­risch auf, gibt den Dar­ge­stell­ten Raum und Stim­me, bringt sie Lesen­den nahe und ver­bin­det ein­drucks­voll Ver­gan­ge­nes mit gegen­wär­ti­gen poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Rea­li­tä­ten. Dabei ver­fährt sie nie lehr­haft, son­dern beob­ach­tungs­ge­nau, sprach­lich ver­siert, spie­le­risch, vol­ler Fan­ta­sie und Witz. Zudem mel­det sich die Autorin in Essays, Arti­keln, Kolum­nen u.a. für Tygod­nik Pow­s­zech­ny, Natio­nal Geo­gra­phic und Voya­ge zu Wort, tritt gegen fun­da­men­ta­lis­ti­sche Zwän­ge auf, denen beson­ders Frau­en und que­e­re Men­schen in rück­wärts­ge­rich­te­ten Regi­men aus­ge­setzt sind. Joan­na Bator lehr­te an Hoch­schu­len in War­schau, New York, Lon­don, Tokio, hält Poe­tik­vor­le­sun­gen, hat­te die Gast­pro­fes­sur für Welt­li­te­ra­tur in Bern inne, wo sie über Het­e­ro­to­pien, das Unheim­li­che und Außen­sei­ter, auch in der japa­ni­schen Kul­tur dozier­te. Mit ihren lite­ra­ri­schen Wer­ken erzählt Joan­na Bator gro­ße mit­tel­eu­ro­päi­sche Geschich­te aus weib­li­cher Per­spek­ti­ve.“

Die fünf­köp­fi­ge Jury für den Preis 2024 bestand aus Bern­hard Fetz, Bene­dikt Föger, Wal­ter Grond, Clau­dia Rome­der und Sabi­ne Scholl.

Joan­na Bator, 1968 gebo­ren, publi­zier­te in pol­ni­schen Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten und forsch­te meh­re­re Jah­re lang in Japan. Die deut­sche Über­set­zung ihres Romans Sand­berg durch Esther Kin­sky war ein lite­ra­ri­sches Ereig­nis. Seit­her gilt Joan­na Bator als eine der wich­tigs­ten neu­en Stim­men der euro­päi­schen Lite­ra­tur. Für Dun­kel, fast Nacht wur­de sie mit dem Nike, dem wich­tigs­ten Lite­ra­tur­preis Polens, aus­ge­zeich­net. In deut­scher Über­set­zung lie­gen vor: Bit­ter­nis (2023), Dun­kel, fast Nacht (2021), Wol­ken­fern (2014), Sand­berg (2014).

Der Öster­rei­chi­sche Staats­preis für Euro­päi­sche Lite­ra­tur wird seit 1965 für das lite­ra­ri­sche Gesamt­werk einer euro­päi­schen Autorin bzw. eines euro­päi­schen Autors ver­lie­hen, das inter­na­tio­nal beson­de­re Beach­tung gefun­den hat. Zuletzt ging der Preis an Mir­cea Căr­tă­res­cu, Andrzej Sta­si­uk, Karl Ove Knaus­gård, Zadie Smith, Michel Hou­el­le­becq, Dra­go Jančar, László Kraszn­ahor­kai, Ali Smith und Marie NDiaye.

 

* * *

Online seit: 19. März 2024

Zuletzt geän­dert: 20. März 2024