Dimitré Dinev erhält den Österreichischen Buchpreis 2025

Der Debüt­preis ging an Miri­am Untert­hi­ner

Dimit­ré Dinev wur­de am Mon­tag, den 10. Novem­ber 2025 für sein Buch Zeit der Muti­gen (Kein & Aber) mit dem Öster­rei­chi­schen Buch­preis aus­ge­zeich­net. Der Debüt­preis ging an Miri­am Untert­hi­ner für den Titel Blut­brot (edi­ti­on lau­rin).

In der Begrün­dung der Jury heißt es: „Man steigt atem­los in die­sen Text ein: Eva, ein Dienst­mäd­chen, will sich in der Wie­ner Donau erträn­ken, ver­liert statt­des­sen ihre Unschuld in den Armen eines Leut­nants, der Krieg bricht aus, sie wird Kran­ken­schwes­ter, sucht ihren Lieb­ha­ber, fin­det ihn, er erkennt sie nicht wie­der, sie gibt ihm eine Chan­ce, er nützt sie nicht, sie lässt sei­ne Wun­de nicht hei­len, um ihn zu hal­ten, lässt sein Bein ampu­tie­ren, um ihn zu bin­den, doch er über­lebt die Ope­ra­ti­on nicht. Das ist kein Spoi­ler, denn man hat bis an die­se Stel­le erst 15 Sei­ten gele­sen. Wie kann der Autor die­se Inten­si­tät 1200 Sei­ten hal­ten, fragt man sich. Er kann.

Dimit­ré Dinev hat zwan­zig Jah­re an sei­nem Mam­mut­ro­man Zeit der Muti­gen gear­bei­tet: ein Pan­ora­ma von vier Gene­ra­tio­nen, das sich von den Wir­ren der k. u. k. Mon­ar­chie über Faschis­mus und Kom­mu­nis­mus bis in die 1990er-Jah­re spannt. Im Zen­trum steht Meto, eine schil­lern­de Figur, die gleich­sam als his­to­ri­scher Zerr­spie­gel durch die Epo­chen wan­dert. Sei­ne Amne­sie nach einem Kopf­schuss im Zwei­ten Welt­krieg ermög­licht Dinev ein Spiel mit Iden­ti­tä­ten, das in immer neu­en fami­liä­ren Ver­zwei­gun­gen auf­geht. Ein Netz aus Geschich­ten ent­fal­tet sich, in dem Krie­ge, Des­po­tien und Zufäl­le die Schick­sa­le der Men­schen len­ken und in dem die Donau als ver­bin­den­des, unauf­hör­lich flie­ßen­des Motiv alle Strän­ge zusam­men­hält.

Zeit der Muti­gen ist ein Kraft­akt, ein ‚tota­ler Roman‘, der an die gro­ßen Erzäh­ler des 20. Jahr­hun­derts erin­nert, aber ein­deu­tig im 21. Jahr­hun­dert behei­ma­tet ist und in einer Rei­he mit Rober­to Bola­ños 2666 oder Hila­ry Man­tels Wolf Hall-Tri­lo­gie ste­hen kann. Ein huma­nis­ti­sches Monu­ment von einem Buch, das grö­ßer ist als Öster­reich, und das zeigt: Die Zeit der Muti­gen ist noch lan­ge nicht vor­bei.“

Für die Short­list nomi­niert waren außer­dem: Moni­ka Hel­fer Wie die Welt wei­ter­ging (Carl Han­ser Ver­lag), Mar­tin Prinz Die letz­ten Tage (Jung und Jung), Vere­na Stauf­fer Kiki Beach (kook­books) und Mar­le­ne Stre­eru­witz Auf­lö­sun­gen. (S. Fischer Ver­lag).

Der Öster­rei­chi­sche Buch­preis ist mit 20.000 Euro dotiert, die vier wei­te­ren Titel der Short­list mit jeweils 2.500 Euro.

Debüt­preis 

Der Debüt­preis im Rah­men des Öster­rei­chi­schen Buch­prei­ses ging die­ses Jahr an Miri­am Untert­hi­ner für Blut­brot (edi­ti­on lau­rin)

Begrün­dung der Jury: „Miri­am Untert­hi­ners Thea­ter­text Blut­brot nimmt sich eines Kapi­tels der Süd­ti­ro­ler Nach­kriegs­ge­schich­te an, das bis­lang kaum lite­ra­risch bear­bei­tet wur­de: der Flucht­hil­fe für NS-Ver­bre­cher über den Bren­ner­pass. Figu­ren wie Eich­mann oder Men­ge­le pas­sier­ten auf ihrem Weg nach Ita­li­en und wei­ter nach Süd­ame­ri­ka eine Regi­on, die heu­te ger­ne als idyl­li­sche Land­schaft insze­niert wird und deren Mit­ver­stri­ckung lan­ge ver­drängt blieb.

Untert­hi­ner begeg­net die­sem schwie­ri­gen Stoff nicht mit doku­men­ta­ri­schem Rea­lis­mus, son­dern mit gro­ßer poe­ti­scher Wut und Wucht. Indem sie ‚Das Dorf‘, ‚Das Brot‘ oder ‚Die Land­schaft‘ selbst zu Figu­ren macht, öff­net sie den Blick auf Mecha­nis­men kol­lek­ti­ven Schwei­gens und stellt Fra­gen nach Erin­ne­rung, Ver­ant­wor­tung und Schuld. Das His­to­ri­sche wird so zur Meta­pher für eine Gegen­wart, in der Res­sen­ti­ments und die Angst vor dem Frem­den erneut viru­lent sind. Untert­hi­ner erschafft eine kraft­vol­le Spra­che, die bild­stark und prä­zi­se das Ver­schüt­te­te frei­legt und dabei einen schrei­en­den, oft ver­zwei­fel­ten Humor ent­wi­ckelt. Das Grund­nah­rungs­mit­tel Brot wird dabei, unter­stützt durch die Figur Max Brod, zur schwer ver­dau­li­chen Kost. Blut­brot zeigt, wie sich unse­re grau­sa­me Geschich­te in Kör­per, Spra­che und Land­schaft ein­schreibt und wie sie viel­leicht doch durch einen ‚Natio­nal­hu­ma­nis­mus‘ über­wun­den wer­den könn­te.“

Für die Short­list-Debüt nomi­niert waren außer­dem: Anna Maschik „Wenn du es heim­lich machen willst, musst du die Scha­fe töten“ (Luch­ter­hand Lite­ra­tur­ver­lag) und Mic­hè­le Yves Pau­ty „Fami­li­en­kör­per“ (Hay­mon Ver­lag).

Der Debüt­preis ist mit 10.000 Euro dotiert, die zwei wei­te­ren Titel der Short­list mit jeweils 2.500 Euro.

Die Jury für den Öster­rei­chi­schen Buch­preis setzt sich 2025 aus Kat­ja Gas­ser (Lei­tung Lite­ra­tur­res­sort, ORF-TV), Ste­fan Kut­zen­ber­ger (Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler, Uni­ver­si­tät Wien), The­re­sia Pram­mer (Schrift­stel­le­rin, Lite­ra­tur­kri­ti­ke­rin), Ulla Rem­mer (Buch­händ­le­rin, Buch­hand­lung Franz Leo) und Franz Schuh (Schrift­stel­ler, Lite­ra­tur­kri­ti­ker) zusam­men.

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Online seit: 10. Novem­ber 2025

Zuletzt geän­dert: 11. Nov. 2025