Auf die Frage nach einer möglichen Zukunft der Literatur

Von Tere­sa Prä­au­er

Die Quel­le der Angst liegt in der Zukunft, und wer von der Zukunft befreit ist, hat nichts zu befürch­ten.

Ich bin mit mei­ner fin­ni­schen Kol­le­gin Satu Tas­ki­nen in Wien im Wirts­haus geses­sen und wir haben über die Zukunft der Lite­ra­tur gespro­chen. Ich habe gesagt, ich fah­re zu die­sem Autoren­tref­fen und wir wer­den über die Zukunft der Lite­ra­tur spre­chen. Und ich kann dazu nichts sagen, weil ich davon aus­ge­he, dass es die Lite­ra­tur immer gege­ben hat und also immer geben wird. Ich habe, wäh­rend ich das so gesagt habe, einen Kau­sal­zu­sam­men­hang her­ge­stellt aus: immer-gege­ben-hat und immer-geben-wird.

Und gleich­zei­tig habe ich gesagt, dass die Lite­ra­tur nichts ist, was ich mit einer Tem­pus­form in Ver­bin­dung brin­gen will – viel­leicht ist sie für mich mehr räum­lich als zeit­lich. Und spä­ter, zu Hau­se, habe ich mir dann etwas über die Zukunft in der Gram­ma­tik durch­ge­le­sen und bin dabei auf die Tat­sa­che gesto­ßen, dass just das Fin­ni­sche kei­ne Futur­form im Verb bil­det.

Satu hat mir erzählt, dass sie mit ihrer Freun­din Lee­na Park­ki­nen in Finn­land bei einem Fonds einen Antrag auf För­de­rung ein­reicht, des­sen Arbeits­ti­tel in etwa lau­tet: Nor­di­sche Autoren für die Zukunft der Lite­ra­tur. Unter­ti­tel: Kann man durch Schrei­ben die Welt ret­ten? Als Satu die­sen Titel ihrer Ein­rei­chung aus­ge­spro­chen gehabt hat, haben wir bei­de gelacht, aber wir sind dabei nicht unernst gewe­sen.

Wir haben dann, bei Bier und Rum, uns zuge­ru­fen, dass die nor­di­sche Lite­ra­tur die soge­nann­te Speer­spit­ze der Lite­ra­tur sein wird und dass wir bei­de, so ich mei­ne Fin­nisch­kennt­nis­se wei­ter ver­tie­fe, die Speer­spit­ze der Welt­li­te­ra­tur sind, und so, dop­pel­scharf, haben wir gleich ein­mal jeman­den ver­trie­ben, der uns wäh­rend unse­res Spre­chens im Wirts­haus Café Anzen­gru­ber unter­bro­chen hat.

Wir haben dann, aus die­ser ange­spitz­ten Lau­ne her­aus, beschlos­sen, dass ich mei­nen Text zur mög­li­chen Zukunft der Lite­ra­tur bei die­sem Autoren­tref­fen mit einem Zitat ein­lei­te, dar­auf­hin eine Pau­se mache, in die Run­de bli­cke und dann sage: Das Zitat ist von Milan Kun­de­ra. Dann wie­der Stil­le.

Ich habe kei­ne Lust, etwas zu befürch­ten, denn die Lite­ra­tur ist, wie das Fin­ni­sche, befreit von der Zukunft.

Die Idee mei­ner kur­zen Rede mit vor­an­ge­stell­tem Kun­de­ra-Zitat hat mich moti­viert. Und wie der Zufall einer kaum auf­wän­di­gen Suche im Fun­dus des Inter­net es will, ist es eigent­lich ein sehr pas­sa­bles Zitat, das ich da gefun­den habe, auch wenn es nicht aus der Uner­träg­li­chen Leich­tig­keit des Seins stammt, was mei­nen Thrill beim Vor­le­sen der Quel­len­an­ga­be noch erhöht hät­te.

„Die Quel­le der Angst liegt in der Zukunft, und wer von der Zukunft befreit ist, hat nichts zu befürch­ten.“

Ja, was gäbe es denn zu befürch­ten, sofern die Lite­ra­tur eine Zukunft besitzt?

Dass der deutsch­spra­chi­ge Buch­markt in sei­ner jet­zi­gen,