Zukunft des Schreibens

Von Ulri­ke Draes­ner

Er tippt eine SMS.

Der in der Keh­le gespro­che­ne Laut ‚ein‘ wird zur 3.

Das ح wird zur 7.

Das ء zur 2.

Er hat das Han­dy in Euro­pa gekauft. Sei­ne Spra­che ist ara­bisch. Er tippt sei­ne Wor­te in latei­ni­schen Buch­sta­ben. Ande­re gibt es nicht.

ع, geschrie­ben als 3, bedeu­tet auch Auge: عين.

Ara­bi­zi nennt sich, was er betreibt.

Autoren

Schrei­ben in Zukunft heißt, sich schrei­bend zu bewe­gen in einer Welt rasch mutie­ren­der For­men, hybri­der Fel­der, hete­ro­ge­ner Gleich­zei­tig­kei­ten.

Mime­sis wird eine zen­tra­le Bedeu­tung zukom­men (Kath­rin Rög­g­la im Blog der Fischer-Ver­la­ge www.hundertvierzehn.de). Das glau­be ich nicht. Mime­sis wird die Bezugs­grö­ße schlecht­hin sein.

Es gibt kein Außer­halb des Rea­lis­mus mehr.

Gab es das je?

Mime­sis, Ges­tus. Wir unter­schei­den (noch immer) eine Mime­sis ers­ter und zwei­ter Ord­nung. Mögen dabei an die­se ers­te und zwei­te Ord­nung, also an Sprech­be­we­gun­gen, die sich im Modus „Wirk­lich­keits­spie­ge­lung“ auf die ers­te Wirk­lich­keit („was ist“) und die zwei­te Wirk­lich­keit (die Regeln der Anord­nung des­sen, was ist) bezie­hen, seit ein paar Jahr­zehn­ten nicht mehr recht glau­ben (Post­mo­der­ne und ihre Fol­gen). Bei Träu­men, in All­tags­si­tua­tio­nen fol­gen wir der Tren­nung indes.

Lite­ra­tur ist jene Form des Spre­chens, in der