Präauer streamt

Mady Mor­ri­son: Yoga, Fit­ness, Life­style
Teresa Präauer streamt Mady Morrison

Wir haben so viel an Aggres­si­on geparkt in unse­ren Her­zen …

„Hal­lo, ihr Lie­ben. Ich bin Mady, und ich freue mich, dass ihr heu­te wie­der ein­ge­schal­tet habt“, sagt Mady am Anfang jedes ihrer Vide­os. Mady Mor­ri­son ist drei­ßig Jah­re alt, sie lebt in Ber­lin und pro­du­ziert Yoga- und Fit­ness­vi­de­os, in denen sie Übun­gen vor­zeigt, die man zu Hau­se auf der Mat­te vor dem Com­pu­ter nach­ma­chen kann. Dabei erklärt sie die ein­zel­nen Bewe­gungs­ab­läu­fe ruhig und ver­ständ­lich, benutzt nicht zu vie­le und nicht zu weni­ge Wor­te, und manch­mal hat sie neben­bei sogar einen klei­nen Witz parat. Nur sel­ten geht es ihr um Erleuch­tung. Aber doch dar­um, dass wir im Tur­nen unser Blick­feld erwei­tern bei gleich­zei­ti­gem Hin­ein­lau­schen in uns selbst.

Dass dabei nichts als ein blo­ßes Gur­geln zu hören sein könn­te, liegt nicht an Mady. Es liegt an mir, an dir, an uns oder an euch. Das Blut rauscht durch unse­re Köp­fe und spült die Gelas­sen­heit fort. Wir haben so viel an Aggres­si­on geparkt in unse­ren Her­zen, in unse­ren Bäu­chen, und wir tra­gen sie schwer auf unse­ren Schul­tern. Das belas­tet uns und macht uns müde. Im Live­stream von Ser­vus TV habe ich neu­lich eine Repor­ta­ge gese­hen, Groß im All­tag, da stat­tet der sym­pa­thi­sche, stets fried­lich gestimm­te Mode­ra­tor David Groß der Box-Uni­on Favo­ri­ten einen Besuch ab. „BUF“ steht auf den T‑Shirts der jun­gen Boxer. BUF, ich will auch boxen, aber ich mache der­weil noch Yoga.

Mady bie­tet auf ihrem You­Tube-Kanal um die hun­dert­fünf­zig Vide­os in unter­schied­li­cher Län­ge an: fünf­zehn­mi­nü­ti­ge Work­outs, ein­stün­di­ge Vin­ya­sa-Flows, Atem­übun­gen, Medi­ta­ti­on, Mus­kel­auf­bau, Kraft­trai­ning, Ent­span­nung. „Tief ein­at­men, lan­ge aus­at­men, wir flie­ßen!“, beschwört uns ihre Stim­me aus dem Off. Im Vor­der­grund ist immer Mady, in coo­ler Fit­ness­klei­dung, eher läs­sig, hip­pie­mä­ßig, aber auch urban, mit Style und Under­state­ment. Manch­mal trägt sie coo­le Zopf­fri­su­ren, meis­tens einen sehr hohen Dutt oder Kno­ten. Mady selbst ist klein und drah­tig, mus­ku­lös und unglaub­lich kraft­voll, fast wie eine Akro­ba­tin. Wenn sie die „Krä­he“ vor­macht, also eine Art von Unter­arm­stand, bei dem man sei­ne Ober­schen­kel an den Armen auf­stützt, ohne mit den Füßen den Boden zu berüh­ren, kräht es einem gera­de­zu in den Ohren beim Ver­such, die­se höchst anstren­gen­de Übung nach­zu­tur­nen.

Den Hin­ter­grund für Madys Bewe­gungs­ab­fol­gen auf der Yoga­mat­te bil­den diver­se Innen­räu­me mit Hang zum Inte­ri­or. Schö­ne Fens­ter­sim­se, modi­sche Sof­agar­ni­tu­ren, ein Bild an der Wand, sophisti­ca­ted, ein schla­fen­der Hund auf einer grau­en Woll­de­cke dane­ben. Gern ist Mady aber auch auf Rei­sen, auch das zur Hori­zont­er­wei­te­rung, wie sie uns wis­sen lässt: ein­mal auf Bali, ein ander­mal im Joshua Tree Natio­nal Park in Kali­for­ni­en. Manch­mal ist sie so glück­lich, dass die Pfer­de mit ihr durch­ge­hen. Sie schwärmt dann vom Leben, sie liebt ihren Freund, sie mag die Natur, sie respek­tiert das, was uns umgibt. Nach jeder Yoga-Ein­heit rollt sie sich „genüss­lich“ ein oder auf, sie „schenkt“ uns ein Lächeln, sie setzt Küss­chen auf ihre Fin­ger­spit­zen und wirft sie der Kame­ra und uns ent­ge­gen, sie winkt und sagt: „Bis zum nächs­ten Mal!“. Sei auf­merk­sam mit dir selbst, schenk dir auch selbst ein Lächeln, gönn dir die­se tie­fe Ent­span­nung, nimm dies und das mit in den Tag. Und sag dir ein­mal selbst, wie gern du dich hast.

Mady hat sich selbst wahr­schein­lich wirk­lich gern. Sie erlaubt sich