Wie man Leichen im Keller verscharrt

Paul-Hen­ri Camp­bell über die Poe­sie der Dich­te­rin* Kole­ka Putu­ma.
Koleka Putuma © Mawande Sobethwa

Kole­ka Putu­ma: Geliebt wer­den, wie Man­de­la von wei­ßen Leu­ten geliebt wird.
Foto: Mawan­de Sobe­thwa

Seit eini­gen Jah­ren über­tref­fen ein­an­der Kom­men­ta­to­ren mit Aus­sa­gen über Süd­afri­ka, wonach die ab 1994 in Post-Apart­heid gebo­re­ne „freie Gene­ra­ti­on“ offen­bar Rück­schrit­te mache. Die­se jun­ge Gene­ra­ti­on hal­te nichts von der Regen­bo­gen­na­ti­on und „ver­fal­le“ zuneh­mend „wie­der“ in iden­ti­tä­res Schwarz­weiß­den­ken. Dabei über­se­hen die­se, vor­nehm­lich älte­ren, gesetz­te­ren Kom­men­ta­to­ren, dass es hier­bei weni­ger um einen „Rück­fall“ oder gar „Rück­schritt“ hin­ter ihr wis­sen­des, gelas­se­nes, altes, wei­ßes, bun­tes Den­ken geht als um eine Neu­ge­wich­tung und Neu­be­wer­tung des Dis­kur­ses.

Wenn also die for­sche süd­afri­ka­ni­sche Dich­te­rin Kole­ka Putu­ma in einem ihrer Lie­bes­ge­dich­te hart mit Nel­son Man­de­la ins Gericht geht, will sie mehr als eine im Ohren­ses­sel aus­ge­dach­te Dekon­struk­ti­on einer natio­na­len Iko­ne dar­bie­ten, son­dern – ähn­lich wie Gre­ta Thun­berg – will sie eine beflis­se­ne, beque­me, däm­lich wis­sen­de, auch selbst­ge­rech­te Posi­ti­on grell beleuch­ten, wonach seit drei­ßig Jah­ren das Ende der Apart­heid abge­fei­ert wird, aber für jun­ge Südafrikaner*innen die­sel­ben Res­sen­ti­ments, Struk­tu­ren des Aus­ein­an­der­hal­tens, des Has­ses die all­täg­li­che Erfah­rung prä­gen. Kole­ka Putu­ma ent­wirft ihren Nel­son Man­de­la als jene Licht­ge­stalt, dar­in sich das hoh­le Selbst­ver­ständ­nis der Wis­sen­den und Tole­ran­ten sonnt: eher Ver­trös­ter und Blen­der als ein Befrei­er. Die 1993 gebo­re­ne schwar­ze Dich­te­rin for­dert die his­to­ri­sche Wahr­neh­mung Man­de­las her­aus, fügt dem süd­afri­ka­ni­schen Idol von etwa Barack Oba­ma wütend die Adjek­ti­ve „betra­y­al“, „fuckery“, „msun­ery“ (nach dem Zulu-Schimpf­wort für beschis­sen) hin­zu. Mehr noch in „the way that white peo­p­le hold onto Mendela’s memo­ry“ wird Man­de­la selbst zur ulti­ma­ti­ven Gestalt der Unter­drü­ckung, der Auf­recht­erhal­tung des Sta­tus quo.

Man­de­la lie­ben

Doch wäh­rend die­se Ele­men­te viel­leicht eine Poe­sie anzu­deu­ten schei­nen, in denen die Ver­se eher vom Breit­schwert als mit dem Flo­rett sprin­gen, klin­gen auch sub­ti­le­re Effek­te in jenem Gedicht nach: Es trägt den Titel 1994: A Love Poem – und kreuzt im Man­de­la-Lie­bes­pa­ra­dox auf einer poli­ti­schen Linie einer­seits „Und das ist eine der vie­len Über­res­te der Skla­ve­rei: / geliebt zu wer­den wie Man­de­la“ und einer Linie der Sehn­sucht ande­rer­seits: „Ich will jeman­den, die mich ansieht / und mich liebt / so wie wei­ße Leu­te Man­de­la anse­hen / und lie­ben“ Lie­ben, när­risch Lie­ben aus Blen­dung, um unter­wor­fen zu blei­ben, das Objekt der Lie­be als