Literatur ohne Betrieb

Fünf­zehn Bän­de umfasst das Werk des kürz­lich ver­stor­be­nen Ernst Brau­ner, wahr­ge­nom­men wur­de er vom Feuil­le­ton trotz­dem nicht. Von Anton Thus­wald­ner

Dass Autorin­nen und Autoren von der Bild­flä­che ver­schwin­den, ist die Regel, nicht die Aus­nah­me im Lite­ra­tur­be­trieb. Dage­gen gibt es auch gar nichts zu sagen, dafür haben wir ja einen Kanon, der einer stän­di­gen Über­prü­fung bedarf und Bücher und deren Ver­fas­ser ans Licht holt, an die sich lan­ge nie­mand erin­nern moch­te, und ande­re dem gnä­di­gen Ver­ges­sen über­ant­wor­tet. Nur prä­gen­den Gestal­ten der Lite­ra­tur- und Geis­tes­ge­schich­te ist ein Dau­er­platz reser­viert.

Aus der Pari­ser Biblio­t­hè­que natio­na­le wur­den von den Büchern, die seit 1820 ange­schafft wur­den, mehr als zwei Mil­lio­nen Titel noch über­haupt nie ent­lie­hen.

Es heißt, dass aus den Bestän­den der Biblio­the­ken allen­falls ein Zehn­tel der Bücher tat­säch­lich aus­ge­lie­hen wird. Aus der Pari­ser Biblio­t­hè­que natio­na­le wur­den von den Büchern, die seit 1820 ange­schafft wur­den, mehr als zwei Mil­lio­nen Titel noch über­haupt nie ent­lie­hen. Zwi­schen 1800 und 1900 erschie­nen in Eng­land rund 40 000 Roma­ne, kaum etwas aus die­ser Mas­se ist uns heu­te auch nur vom Titel bekannt. Lite­ra­tur­ge­schich­ten sind ein Archiv beson­de­rer Bücher, sind errich­tet über einer Mas­se von Unbe­kann­tem, weil Aus­ge­mus­ter­tem und Unge­le­se­nem. Wer wagt schon zu behaup­ten,