Presseschau – 12. August 2025

Liegt der Roman im Ster­ben? / Der schwu­le Natio­nal­dich­ter / Japans Kult um Tho­mas Mann / Heinz Strunk / Mie­ko Kawa­ka­mi / Jane Gar­dam / Ursu­la Kre­chel …

Die Welt
Im Tokio der Hos­tes­sen, bösen Boy­fri­ends und Tricks­ter
Mie­ko Kawa­ka­mi revo­lu­tio­niert gera­de die japa­ni­sche Lite­ra­tur. Mit Geschich­ten von den Men­schen am unte­ren Ende der Mil­lio­nen­stadt Tokio. Ihr neu­er Roman erzählt, wie man lebt, wenn man nichts hat. Denn List, Wür­de, Trotz und Sex hat man trotz­dem.

Die Welt
Die Rele­vanz hat das Geschlecht gewech­selt
Liegt der Roman im Ster­ben? Oder nur die gute alte Män­ner­li­te­ra­tur? Der­zeit wird erbit­tert debat­tiert, war­um die Leu­te kei­ne Lust mehr auf gro­ße Gegen­warts­li­te­ra­tur haben. Was das mit der Kri­se der Kri­tik zu tun hat.

Die Welt
Isra­els berühm­tes­ter Schrift­stel­ler und das mani­pu­lier­te „Genozid“-Zitat
Es war eine Sen­sa­ti­on. Der israe­li­sche Autor und Frie­dens­ak­ti­vist David Gross­man sprach in einem Inter­view vom Völ­ker­mord mit Bezug auf den Krieg sei­nes Lan­des in Gaza. Natür­lich grif­fen das Medi­en glo­bal auf. Doch was er wirk­lich sagt, ist kom­pli­zier­ter.

Die Welt
Ein­sam­keit und Rhein­me­tall
Mit sei­nen „Ver­hal­tens­leh­ren der Käl­te“ griff Hel­mut Lethen vor 30 Jah­ren den Betrof­fen­heits­kult der Lin­ken an – obwohl er den Habi­tus von Käl­te und Här­te lob­te, blieb er selbst Huma­nist. Heu­te mit 86 Jah­ren, denkt er über einen neu­en Stoi­zis­mus nach.

Die Welt
Als Tho­mas Mann über „Wei­ma­rer Ver­hält­nis­se“ sprach – und ihr ers­tes Opfer wur­de
1930 trat der Nobel­preis­trä­ger in Ber­lin auf und wur­de von den Nazis nie­der­ge­brüllt. 1950 soll­te er in den USA spre­chen und wur­de kurz­fris­tig aus­ge­la­den. Was man an zwei Reden Tho­mas Manns über his­to­ri­sche Rede­frei­heit und Can­cel Cul­tu­re ler­nen kann.

FAZ
Müs­sen wir noch über die Auf­lauf­form reden?
Was in Täter- und was in Opfer­fa­mi­li­en ver­erbt wird: Yael van der Wou­den legt einen sub­ti­len Roman vor, in dem es genau­so um das Begeh­ren einer Frau wie um die Ent­eig­nun­gen von jüdi­schen Men­schen wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs geht.

FAZ
Das Lächeln der Sand­ga­zel­le
„Wo gibt es denn Ver­ges­sen?“ Das könn­te das Mot­to des ful­mi­nan­ten Dorf- und Fami­li­en­ro­mans „Her­rin­nen des Mon­des“ von Jok­ha Alhart­hi sein.

FAZ
Wenn der Gedicht­vo­gel brennt
„Ich wei­ne wie ein Fluss / Hüp­fen­de rote Trä­nen“: Erst­mals ist mit „Ver­se vom himm­li­schen Druck­satz“ auch der Lyri­ker Oleg Jur­jew auf Deutsch ken­nen­zu­ler­nen.

FAZ
Kol­lek­ti­ver Kul­tur­schock
Nicht nur die vie­len Über­set­zun­gen des „Tonio Krö­ger“ zeu­gen vom japa­ni­schen Kult um Tho­mas Mann. Er ver­kör­pert wie kaum jemand dort das huma­nis­ti­sche Bil­dungs­ide­al.

Frank­fur­ter Rund­schau
Zu gescheit für die­se Welt
Jane Gar­dams wun­der­ba­rer ers­ter Roman für Erwach­se­ne, „Tage auf dem Land“, erscheint erst­mals auf Deutsch.

Frank­fur­ter Rund­schau
Die blaue Rein­heit
Nichts lieb­te Tho­mas Mann so sehr wie das Meer. Heu­te vor 70 Jah­ren ist er gestor­ben. Von Micha­el Hes­se

NZZ
Er war ein israe­li­scher Super­star, bevor es Isra­el über­haupt gab
Der in der rus­si­schen Pro­vinz gebo­re­ne Dich­ter Cha­im Nach­man Bia­lik war ein Zio­nist der ers­ten Stun­de. In Isra­el ist er bis heu­te eine Legen­de. Nun lie­gen sei­ne Erzäh­lun­gen erst­mals auf Deutsch vor.

Die Zeit
Ein Häuf­lein Asche in der Wüs­te
Nach 59 Jah­ren erst­mals auf Deutsch: Maria Judi­te de Car­val­hos Roman „Lee­re Schrän­ke“

Die Zeit
Dort­hin, wo kei­ne Wege sind
Vor einem Jahr ist der Schrift­stel­ler und Hir­te Bodo Hell im Dach­stein­ge­bir­ge ver­schwun­den. Bis heu­te gibt es kei­ne Spur von ihm.

Die Pres­se
Tamar Noort: Was pas­siert, wenn man nicht schläft?
Bei Tamar Noort tref­fen zwei Frau­en auf­ein­an­der, die lang­sam mer­ken, dass sie mehr ver­bin­det, als sie glau­ben.

Die Pres­se
Dan Brown und die Wie­ner Büro­kra­tie in der Unter­welt
Wenn sich auf dem Ste­phans­platz die Erde auf­tut und ein deut­scher Tou­rist hin­ein­fällt: Fabi­an Navar­ro ver­eint in sei­nem Roman „Vien­na Fal­ling“ Dan Brown, Wien-Sati­re und Koch­re­zep­te.

Der Stan­dard
Ein Som­mer im lite­ra­ri­schen Exil von Sana­ry-sur-Mer
Ein Fischer­dorf an der fran­zö­si­schen Rivie­ra wur­de in den 1930er-Jah­ren zur Haupt­stadt des lite­ra­ri­schen Exils. Heu­te gibt es dazu einen Rund­weg unter Pini­en.

Tages­spie­gel
Dafür jede Men­ge Gase
Ganz in sei­nem Ele­ment: So gut wie mit sei­nen neu­en Erzäh­lun­gen über die Tris­tesse im Leben vie­ler Men­schen war der Ham­bur­ger Schrift­stel­ler Heinz Strunk lan­ge nicht.

Tages­spie­gel
Ver­gan­gen­heit ver­geht nicht
In ihrem Essay „Das Herz­asth­ma des Exils“ ergreift Ursu­la Kre­chel cou­ra­giert und lei­den­schaft­lich Par­tei für alle Men­schen, die auf der Flucht sind.

Tages­spie­gel
Zu unmo­dern für den Lite­ra­tur­be­trieb und doch am Puls der Zeit
Dem schrei­ben­den Ber­lin­kri­ti­ker und Maler Paul Gurk blieb die Aner­ken­nung zu Leb­zei­ten ver­wehrt. Für sein Leben wäh­rend der NS-Dik­ta­tur inter­es­siert sich nun das Mit­te Muse­um.

Süd­deut­sche Zei­tung
Eine extre­me Lek­tü­re
Lässt sich ein Krank­heits­bild in eine poe­ti­sche Kraft­quel­le ver­wan­deln? Der manisch-depres­si­ve Schrift­stel­ler Tho­mas Mel­le könn­te einen Weg gefun­den haben.

Süd­deut­sche Zei­tung
Kann man aus dem eige­nen Leben ver­schwin­den?
Nina Geor­ge spürt in ihrem Roman „Die Pas­san­tin“ einer Ant­wort nach – mit­hil­fe einer Hel­din, die sich traut, ein­fach aus­zu­stei­gen.

Süd­deut­sche Zei­tung
Der schwu­le Natio­nal­dich­ter
70 Jah­re nach sei­nem Tod liest man end­lich auch auto­bio­gra­fi­sche Tex­te von Tho­mas Mann, die selbst die Ger­ma­nis­tik bis vor Kur­zem nicht wahr­ha­ben woll­te. Lei­den und Grö­ße des Dich­ters – und sein poli­ti­scher Akti­vis­mus – kön­nen so ganz neu ver­stan­den wer­den.

Süd­deut­sche Zei­tung
Bespit­zelt und gecan­celt
In den USA erleb­te Tho­mas Mann, was es dort heu­te wie­der gibt: Über­wa­chung, vor­aus­ei­len­den Gehor­sam und Träu­me von ideo­lo­gi­scher „Sau­ber­keit“. Aber der Exi­lant hör­te nicht auf, sich für die Demo­kra­tie zu enga­gie­ren.

 

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Online seit: 12. August 2025

Zuletzt geän­dert: 13. Aug. 2025