Aus der Wühlkiste

Anti­qua­ri­sche Lek­tü­ren und Lek­tio­nen. Felix Phil­ipp Ingold über Bücher von Ger­tru­de Stein, U. D. Bau­er und Clé­ment Ros­set.

Sie wer­den immer sel­te­ner, aber es gibt sie noch – die rea­len Wühl­kis­ten am Ein­gang zu rea­len Buch­an­ti­qua­ria­ten; unge­ord­ne­te Ange­bo­te zu nied­rigs­ten Ein­heits­prei­sen; abge­grif­fe­ne, ver­staub­te, oft auch ver­reg­ne­te Bän­de aller Art, vom längst ver­al­te­ten Kon­ver­sa­ti­ons­le­xi­kon bis zum gest­ri­gen Best­sel­ler, vom Nou­veau roman bis zum „Ewi­gen Vor­rat deut­scher Dich­tung“.

Ich mag die­se ver­ges­se­nen Rest­be­stän­de aus unbe­kann­tem Pri­vat­be­sitz, fra­ge mich bis­wei­len, von wem und wozu die Bücher einst ange­schafft, viel­leicht gar gele­sen, schließ­lich ins Anti­qua­ri­at ent­sorgt wur­den: Bedruck­tes, gebun­de­nes Papier, das jede Bedeu­tung und selbst sei­nen Mate­ri­al­wert ver­lo­ren hat, das aber wei­ter­hin durch einen Autor­na­men als indi­vi­du­el­le Her­vor­brin­gung beglau­bigt ist.

Nicht zuletzt führt die Wühl­kis­te vor Augen, wie kurz die Ver­falls­zeit aller Lite­ra­tur – Bel­le­tris­tik wie Sach­buch – gewor­den ist: Hoch­ge­lob­te, best­ver­kauf­te Wer­ke, vor zwan­zig, drei­ßig (oder auch bloß vor zwei, drei Jah­ren) erschie­nen, sind schon heu­te gründ­lich ver­ges­sen, zu schwei­gen von den raren Meis­ter­tex­ten, die man damals ver­kannt, wenn nicht ein­fach über­se­hen hat. Drei zufäl­li­ge, ganz unter­schied­li­che Fund­stü­cke aus der Wühl­kis­te der Buch­hand­lung im Haupt­bahn­hof Zürich neh­me ich zum Anlass, kurz dar­über zu berich­ten und die Tex­te neu zu beden­ken.

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Autor­schaft als Fik­ti­on
Ger­tru­de Steins Auto­bio­ga­phie von Ali­ce B. Toklas (1933)

Für einen Schwei­zer­fran­ken erstand ich unlängst ein klotz­ar­ti­ges, fast tau­send Sei­ten star­kes, im Bund gebro­che­nes Paper­back, das