Reinhard Kaiser-Mühlecker erhält den Österreichischen Buchpreis 2024

Der Debüt­preis geht an Frie­da Paris.
Reinhard Kaiser-Mühlecker © Peter Rigaud

Rein­hard Kai­ser-Mühle­cker. Foto: © Peter Rigaud

Rein­hard Kai­ser-Mühle­cker wird für sein Buch „Bren­nen­de Fel­der“ (S. Fischer) mit dem Öster­rei­chi­schen Buch­preis aus­ge­zeich­net. Der Debüt­preis geht an Frie­da Paris für den Titel „Nach­was­ser“ (Voland & Quist).

Begrün­dung der Jury:
Die auf­grund der Hit­ze bren­nen­den Fel­der in ihrer Nach­bar­schaft inter­es­sie­ren Lui­sa Fischer nicht wei­ter. Ver­brann­te Erde hin­ter­lässt sie aller­dings häu­fig. Unfä­hig zu Emp­fin­dun­gen, ist sie für ihre zwei Kin­der von unter­schied­li­chen Vätern eine unzu­ver­läs­si­ge Mut­ter. Der Kon­takt zu ihrer eige­nen Mut­ter bricht end­gül­tig ab, als sie eine Bezie­hung mit ihrem Stief­va­ter ein­geht. Als die­ser bei einem Ein­bruch umge­bracht wird, zieht es Lui­sa zu des­sen Mör­der. Von jedem neu­en Mann erhofft sie sich, er möge sie aus ihrem tris­ten All­tag, aus ihrer Unzu­frie­den­heit befrei­en. Aus einer Fami­lie befrei­en, deren Mit­glie­der mit Sprach­lo­sig­keit rin­gen, sich gegen­sei­tig nicht trau­en und den­noch nicht von­ein­an­der bzw. von der Gegend abkön­nen. Waren in „Frem­de See­le, dunk­ler Wald“ (2016) und „Wil­de­rer“ (2022) die Brü­der im Fokus, so erzählt jetzt fol­ge­rich­tig deren Schwes­ter Lui­sa aus ihrer – und Rein­hard Kai­ser-Mühle­cker erst­mals aus weib­li­cher – Per­spek­ti­ve. Dabei sucht Lui­sa inten­siv nach den rich­ti­gen Wor­ten, will sie doch als Schrift­stel­le­rin gese­hen wer­den. Im Gegen­satz zu ihr schreibt Kai­ser-Mühle­cker ver­dich­tet, ein­fach und knapp, in ruhi­gem Ton. Durch uner­war­te­te Wen­dun­gen spielt er nicht nur mit sei­nen Figu­ren, son­dern auch mit den Lesen­den. So kon­stru­iert und dekon­stru­iert er die­se abgrün­di­ge, kal­te und düs­te­re Welt immer wie­der aufs Neue. Lui­sa hat recht, wenn sie dies in ihrer Roman­fi­gur, einem alten Geiz­kra­gen spie­gelt: „Es muss so sein, dass man denkt, man kennt ihn, und dass man bis zum Schluss an sei­ner Sei­te ist, aber da nicht mehr denkt, man kennt ihn.“

Für die Short­list nomi­niert waren außer­dem: Vale­rie Frit­sch „Zitro­nen“, Eli­as Hirschl „Con­tent“, Elke Laz­nia „Fisch­grä­ten­ta­ge“ und Katha­ri­na Wink­ler „Sie­ben­mei­len­herz“.

Der Öster­rei­chi­sche Buch­preis ist mit 20.000 Euro dotiert, die vier wei­te­ren Titel der Short­list mit jeweils 2.500 Euro.

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Öster­rei­chi­scher Buch­preis 2024 – Debüt: Frie­da Paris „Nach­was­ser“

Begrün­dung der Jury:
Frie­da Paris’ Lang­ge­dicht „Nach­was­ser“ ist ein Wag­nis. Wer schon traut sich mit dem Debüt auf die spie­gel­glat­te Flä­che auto­poe­ti­scher Lyrik und poe­to­lo­gi­scher Refle­xi­on, setzt sich unge­schützt aus? Paris. Sie erkun­det das Schrei­ben beim Schrei­ben, zieht uns in die­sen Pro­zess hin­ein, hält auf uns zu und stürzt – nicht. Ange­trie­ben vom „Zwei­fell“ als „Schrei­bor­gan“, beglei­tet vom Vogel ‚Lom­ei­se‘ auf der „Schreib­schul­ter“ fin­det das Ich reich­hal­ti­ges Wort­ma­te­ri­al, das es an sei­nem poe­ti­schen „Schnei­de­tisch“ mon­tiert. Es ent­stammt einem Ein­tau­chen in vie­le Quel­len, allen vor­an in den Nach­lass Frie­de­ri­ke May­rö­ckers, der „Gro­ßen Wort­mut­ter“: ins Nach-was­ser. Doch in die­sem Making-of a Poem wird den Leser:innen in 110 Sequen­zen noch weit mehr auf­ge­fä­chert. Das Schrei­ben, das Wie-und-war­um-Schrei­ben, das Dich­te­rin-Wer­den von Kind­heit an, Erin­ne­rungs­spu­ren von Lie­be und Ver­lust wer­den gekonnt ver­setzt mit Fund­stü­cken ein­zel­ner Wort­vä­ter von Paul Celan bis Peter Water­house, vor allem aber vie­ler Wort­müt­ter, von Inge­borg Bach­mann über und immer wie­der May­rö­cker bis Sarah Kirsch – und eine poe­ti­sche Ant­wort auf die Fra­ge gege­ben: Was darf ein Gedicht? Alles.

Für die Short­list-Debüt nomi­niert waren außer­dem: Vere­na Dolo­vai „Dorf ohne Franz“ und Julia Jost „Wo der spit­zes­te Zahn der Kara­wan­ken in den Him­mel hin­auf fletscht“. Der Debüt­preis im Rah­men des Öster­rei­chi­schen Buch­prei­ses ist mit 10.000 Euro dotiert, die zwei wei­te­ren Titel der Short­list mit jeweils 2.500 Euro. Der Debüt­preis wird von der Arbei­ter­kam­mer Wien gestif­tet.

Die Jury
Die Jury für den Öster­rei­chi­schen Buch­preis setzt sich 2024 aus Zita Bereu­ter (Res­sort­lei­te­rin Lite­ra­tur, FM4), Anke Bos­se (Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­le­rin, Uni­ver­si­tät Kla­gen­furt), Nico­le List (Buch­händ­le­rin, Buch­hand­lung List), Johan­na Öttl (Lite­ra­tur­pro­gramm, Alte Schmie­de) und Judith von Stern­burg (Lite­ra­tur­kri­ti­ke­rin und Redak­teu­rin, Frank­fur­ter Rund­schau) zusam­men.

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Online seit: 18. Novem­ber 2024

Zuletzt geän­dert: 18. Nov. 2024