Textverarbeitung: Elias Hirschl

Prä­gen­de Lek­tü­ren deutsch­spra­chi­ger Autorin­nen und Autoren – Teil 15

Tex­te wer­den nicht nur, aber auch aus Tex­ten gemacht. Was einer gele­sen hat, beein­flusst, wie er schreibt, mög­li­cher­wei­se sogar, wie er lebt: Lesen, Schrei­ben, Leben sind For­men von Text­ver­ar­bei­tung. VOLLTEXT hat deutsch­spra­chi­ge Autorin­nen und Autoren um Lis­ten jener Bücher gebe­ten, die ihr Leben und Schrei­ben geprägt haben.

Jede Lis­te kommt einem rasch hin­ge­wor­fe­nen, skiz­zen­haf­ten Selbst­por­trät als Leser bezie­hungs­wei­se Lese­rin gleich. In der Zusam­men­schau, am Ende der Serie, machen die gesam­mel­ten Lese­lis­ten das inter­tex­tu­el­le Hin­ter­grund­rau­schen unse­rer Gegen­warts­li­te­ra­tur erahn­bar. Eine Lis­te aller bis­her erschie­ne­nen Bei­trä­ge fin­det sich auf volltext.net.

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Wal­ter Moers: Ensel und Kre­te
Als Kind hab ich alle Zamo­nien-Roma­ne von Wal­ter Moers ver­schlun­gen. Fan­ta­sy-Geschich­ten die auf einem Kon­ti­nent spie­len, der lan­ge vor unse­rer Zeit auf­ge­hört hat zu exis­tie­ren. Die 13½ Leben des Käpt’n Blau­bär, Rumo und vor allem Ensel und Kre­te, das ver­mut­lich selt­sams­te Moers-Buch, in dem er nicht nur die „Hän­sel und Gretel“-Geschichte persi­fliert, son­dern auch viel mit Erzähl­ebe­nen spielt, wie ich es vor­her noch nie gese­hen hab. Der angeb­li­che Ori­gi­nal-Autor der Geschich­te, Hil­de­gunst von Mythen­metz (Wal­ter Moers fun­giert nur als des­sen Über­set­zer aus dem Zamo­ni­schen), schal­tet sich immer wie­der mit sei­nen mythen­metz­schen Abschwei­fun­gen in die Erzäh­lung ein, unter­bricht die Hand­lung am lau­fen­den Band, um sich über Lite­ra­tur­kri­ti­ker auf­zu­re­gen oder sei­nen Arbeits­all­tag zu beschrei­ben, bis er schließ­lich sogar das Ende noch ein­mal umschreibt, weil es ihm zu bru­tal ist.

Ter­ry Prat­chett: Der Zeit­dieb
Ter­ry Prat­chett ist fast so eine Art Gegen­stück zu Wal­ter Moers. Statt Zamo­nien hat er als Set­ting die Schei­ben­welt, auf der die meis­ten sei­ner Roma­ne spie­len. Der Zeit­dieb steht hier des­halb nur stell­ver­tre­tend für alle mög­li­chen Bücher. Prat­chett hat einen ein­zig­ar­ti­gen Stil, der immer mit Wis­sen­schaft, Huma­nis­mus und Men­schen­freund­lich­keit ver­bun­den ist, er geht so lie­be­voll mit sei­nen Figu­ren um, dass sogar der Tod ein gern gese­he­ner Gast in sei­nen Geschich­ten wird, und abge­se­hen davon sind die Bücher ein­fach auch sehr lus­tig. Eine Sache, die ich mir außer­dem von ihm abge­schaut hab, sind die kom­men­tie­ren­den Fuß­no­ten.

Mark Z. Danie­lew­ski: House of Lea­ves
Mit House of Lea­ves habe ich qua­si als Leser den Höhe­punkt der Meta­fik­ti­on erreicht. Danie­lew­ski wirft einen in die­sem Mam­mut­werk in eine Unmen­ge von ver­schie­de­nen Erzähl­ebenen, Fuß­no­ten, Quel­len­ver­wei­sen, unzu­ver­läs­si­gen Erzäh­lern, unmög­li­chen Topo­lo­gien und auch ziem­li­chem Hor­ror. Als 16-jäh­ri­ger war das für mich das Bes­te, was über­haupt jemals jemand geschrie­ben hat. Inzwi­schen wäre mir das wahr­schein­lich ein biss­chen zu anstren­gend, aber es ist schon beein­dru­ckend, in was für einen Wahn­sinn man in die­sem Buch ein­tau­chen kann. Zumal man para­no­id wird, weil man über­all in sei­ner Umge­bung das Wort „Haus“ nur noch in blau lesen kann. If you know you know.

Jor­ge Luis Bor­ges: Fik­tio­nen
Bor­ges wur­de