Textverarbeitung: Ulrike Draesner

Prä­gen­de Lek­tü­ren deutsch­spra­chi­ger Autorin­nen und Autoren – Teil 8

Tex­te wer­den nicht nur, aber auch aus Tex­ten gemacht. Was einer gele­sen hat, beein­flusst, wie er schreibt, mög­li­cher­wei­se sogar, wie er lebt: Lesen, Schrei­ben, Leben sind For­men von Text­ver­ar­bei­tung. VOLLTEXT hat deutsch­spra­chi­ge Autorin­nen und Autoren um Lis­ten jener Bücher gebe­ten, die ihr Leben und Schrei­ben geprägt haben. Jede Lis­te kommt einem rasch hin­ge­wor­fe­nen, skiz­zen­haf­ten Selbst­por­trät als Leser bezie­hungs­wei­se Lese­rin gleich. In der Zusam­men­schau machen die gesam­mel­ten Lese­lis­ten das inter­tex­tu­el­le Hin­ter­grund­rau­schen der Gegen­warts­li­te­ra­tur erahn­bar.

Hein­rich von Kleist: beweg­lich, ver­kno­tet, anar­chisch: der Satz­bau. Beim Lesen springt etwas in mir mit, es geht in die Bei­ne und den Kopf und blitzt. Don­ner und Komik lernt man hier atmen am Satz, freut sich, wie die Geschich­te rollt (aus den Figu­ren her­vor – und sie und die Lese­rin über­rascht). Wie einer von Lie­ben, Drän­gen, Grenz­ver­let­zung, Abso­lut­heit, von Ein­zel­heit und Ver­kno­tung spricht. Fami­li­en? Kleist­ex­plo­si­on.

Vir­gi­nia Woolf: Und Frau­en schrei­ben also auch? Schrei­ben so, dass der Strom der Wör­ter unter den Wör­tern hör­bar wird. Wie der Tag sich dehnt und Gegen­wart Vergangenheit/Vergangenheit Gegen­wart wird. Wie leben­dig eine Stadt kol­lek­tiv erzählt sein kann. Wie Zeit, das Mate­ri­al