Wörter des Grauens

Ein Lek­tor gibt auf. Aus­zug aus einem Roman von Axel von Ernst

Wäh­rend also sein Kol­le­ge Salzer, der es spä­ter bis zum „Edi­tor at lar­ge“ brin­gen soll­te, mit sei­nen weni­gen Blei­stift­an­mer­kun­gen ent­spannt die Suhr­kamp­kul­tur von cir­ca 1970 nach­spiel­te, wur­den bei ihm die Manu­skrip­te im Kor­rek­tur­mo­dus digi­ta­ler Doku­men­te in gräss­lich zäh­flüs­si­gem Tem­po unüber­sicht­lich bunt zer­ris­sen und durch lan­ge Kom­men­ta­re bedrängt. Aber das Schlim­me war eben: Auch er wur­de mehr und mehr zer­ris­sen und bedrängt. Sei­ne geis­ti­ge und dann auch fast kör­per­li­che Schwä­chung und Hilf­lo­sig­keit wuch­sen, und es wur­de ihm dabei immer kla­rer, dass er – neben den übli­chen falsch ver­schlun­ge­nen Satz­kon­struk­tio­nen und aus dem Papier­deutsch ins Sprech­deutsch zu brin­gen­den Dia­lo­gen – nicht nur ein­fach die­se ewi­gen vie­len „Wör­ter des Grau­ens“, wie er sie dann nann­te, bekämpf­te, son­dern ein gan­zes Sys­tem, eine all­ge­mei­ne, undurch­dring­li­che Sprach­sup­pe, die für alle Betei­lig­ten ganz selbst­ver­ständ­lich zur deut­schen Stan­dard­li­te­ra­tur­spra­che gewor­den war und in der jeder Text, ob alt oder neu, avant­gar­dis­tisch oder kon­ven­tio­nell, ver­schmutz­te, ver­sank und ver­schwand.

Eine all­ge­mei­ne, undurch­dring­li­che Sprach­sup­pe, die für alle Betei­lig­ten ganz selbst­ver­ständ­lich zur deut­schen Stan­dard­li­te­ra­tur­spra­che gewor­den war.

Es ging dabei näm­lich nicht nur um hier und da Auf­tau­chen­des, zum Bei­spiel