Der Zwang zum Gefühl

Aus Anlass von Moritz Baß­lers Rea­lis­mus-Betrach­tung der Gegen­warts­li­te­ra­tur. Von Ernst-Wil­helm Händ­ler
Wednesday Addams © Netflix

Role Model für Ernst-Wil­helm Händ­ler: Wed­nes­day Addams. „Man möch­te lie­ber ihr Dusch­gel im Bade­zim­mer haben als das­je­ni­ge von Mose­bach.“ Foto: Net­flix

Noch nie­mals in der Geschich­te der Mensch­heit hat es ein der­art gro­ßes nicht-fak­tua­les Erzähl­an­ge­bot gege­ben. Die stän­dig fort­schrei­ten­den Medi­en-Tech­no­lo­gien und ihre Öko­no­mien haben das mög­lich gemacht. Lite­ra­tur, Film und Fern­seh­se­rie befin­den sich in einem Pool mit­ein­an­der im Wett­be­werb ste­hen­der Vari­an­ten. Die bil­den­de Kunst nimmt eine ver­gleich­ba­re Ent­wick­lung. Das stän­dig wach­sen­de Ange­bot an zu ver­kau­fen­der Kunst für die öko­no­misch akti­ven Kunst­kon­su­men­ten kor­re­spon­diert mit der fort­ge­setz­ten Aus­wei­tung der von den Muse­en erbrach­ten Leis­tun­gen für die öko­no­misch pas­si­ven Kunst­in­ter­es­sier­ten. Muse­en wol­len nicht mehr nur Kunst zei­gen, sie wol­len so offen wie mög­lich für Wis­sen­schaft, Sozio­lo­gie und eth­no­lo­gi­sche Zusam­men­hän­ge sein.

Die Lite­ra­tur­wis­sen­schaf­ten haben sich seit jeher auch dem Ord­nungs­ge­dan­ken und der Über­blicks­dar­stel­lung ver­schrie­ben. Es ist nur begrenzt kurz­wei­lig, Lite­ra­tur­wis­sen­schaft vor­nehm­lich als das Ein­drin­gen in die Gehirn­win­dun­gen jeweils ein­zel­ner Autoren und Autorin­nen zu betrei­ben. Ein aktu­el­les, prin­zi­pi­ell löb­li­ches Bei­spiel für eine syn­op­ti­sche Dar­stel­lung ist Moritz Baß­ler. Der Titel sei­ner Betrach­tung der deutsch­spra­chi­gen Gegen­warts­li­te­ra­tur lau­tet Popu­lä­rer Rea­lis­mus, der Unter­ti­tel Vom Inter­na­tio­nal Style gegen­wär­ti­gen Erzäh­lens (2022). Es ist aller­dings kaum mög­lich, die gegen­wär­ti­gen lite­ra­ri­schen Erzeug­nis­se im deut­schen Sprach­raum mit einer Über­schrift zu ver­se­hen, die weni­ger zutref­fend wäre.

Brei­ter Zugang zur Lite­ra­tur

Nach Baß­ler ist