Kniefallphilologie

Wie Emil Staiger aus der Mode kam. Von Tho­mas Sträss­le

Zu den ger­ma­nis­ti­schen Heer­scha­ren, die zwi­schen 1943 und 1976 bei Emil Staiger (1908–1987) am Deut­schen Semi­nar der Uni­ver­si­tät Zürich stu­dier­ten, gehör­te auch Her­mann Bur­ger. In einer Fest­re­de für Ulla Hahn mit dem Titel Von der Lebens­ge­fähr­lich­keit der Lite­ra­tur, 1987 gehal­ten, erzähl­te Bur­ger eine Anek­do­te über sei­nen – wohl­ge­merkt: hoch­ver­ehr­ten – aka­de­mi­schen Leh­rer. Sie geht so: Lan­ge nach der Eme­ri­tie­rung Staigers unter­nimmt Bur­ger mit ihm einen Spa­zier­gang im Sihl­tal in der Nähe von Zürich. Auf einer Anhö­he mit schöns­tem Blick auf den Vor­al­pen­kranz ruft St. Emi­li­on, wie Staiger oft genannt wur­de, plötz­lich aus: „Ich habe rest­los alles inter­pre­tiert, was in der deut­schen Lite­ra­tur wert ist, von mir gele­sen und inter­pre­tiert zu wer­den.“ Bur­ger scheint