Präauer streamt: „Ein Abend mit Romy“

Ihre Mut­ter Mag­da, erzähl­te Romy näm­lich Ali­ce (strict­ly off the record) bei die­sem Inter­view, habe mit Adolf Hit­ler geschla­fen, da sei Romy sich sicher.
Teresa Praeauer streamt - Romy Schneider, Alice Schwarzer

„Wenn ich lie­be, dann lie­be ich.“

Der Sonn­tag bleibt einen wei­te­ren Tag bei uns, denn das Pfingst­wo­chen­en­de ist gnä­dig und dau­ert bis ein­schließ­lich Mon­tag. Noch ist alles still, der Som­mer liegt vor uns. Die Mücken flir­ren in der Abend­luft, das Licht ist bei­nah gol­den. Es ist Zeit, Bücher zu lesen, Kla­vier­mu­sik, gespielt von Pierre-Lau­rent Aimard, aus dem Radio zu hören und stun­den­lan­ge phi­lo­so­phi­sche Gesprä­che (zum Bei­spiel den Pod­cast von WDR 5). Die Tage sind lang, und fast könn­te alles fried­lich sein.

Mei­ne San­da­len wer­den gol­den, die Mücken spie­len Kla­vier.

Die Welt zeigt sich in die­sem Lich­te nun anders: Der Name mei­nes Freun­des ist plötz­lich Pierre-Lau­rent, ich spre­che mit ihm über Simo­ne de Beau­voir und mit radio­pho­nem Tim­bre (sie­he WDR 5) über die Lie­be: Wenn ich lie­be, dann lie­be ich, sage ich. Er fin­det den Satz geni­al (ein­leuch­tend, logisch). Mei­ne San­da­len wer­den gol­den, die Mücken spie­len Kla­vier, der Som­mer liegt wei­ter­hin vor uns. Pierre-Lau­rent ver­scheucht jetzt die phi­lo­so­phi­schen Gesprä­che, Simo­ne löst ihr berühm­tes Haar­band, um es gegen eine gän­gi­ge Bade­müt­ze aus den Sech­zi­ger­jah­ren zu tau­schen und in den Pool zu sprin­gen („Arsch­bom­be“). Ich wer­de davon nass, eile schrei­end ins Haus, suche ein Hand­tuch, trock­ne mein Haar, tra­ge Simo­nes Band, Pierre-Lau­rent öff­net drau­ßen den Cré­mant. Es ist der Tag nach dem Sonn­tag, noch immer (nach mei­nem kur­zen Krei­schen: schon wie­der) ist alles ruhig, der Som­mer liegt auch immer noch vor uns. Die Zeit ver­geht nicht, ein­mal hält sie wirk­lich still, heu­te hält sie wirk­lich still. Für jeden Tag bekom­men wir einen zwei­ten als Drauf­ga­be, bevor sich alles ändern wird.

Ihre Mut­ter Mag­da, erzähl­te Romy näm­lich Ali­ce (strict­ly off the record) bei die­sem Inter­view, habe mit Adolf Hit­ler geschla­fen, da sei Romy sich sicher.

Nachts öff­ne ich den Lap­top und suche Vide­os im Inter­net. Mein Vor­satz ver­bie­tet mir an einem Tag wie die­sem das Trash-TV. Tempt­a­ti­on Island kommt ja erst am Diens­tag wie­der, nein, heu­te suche ich Fil­me (!) auf Arte (!). Ich bin eine intel­lek­tu­el­le Fran­zö­sin aus dem Bür­ger­tum, die ihr Haar mit Simo­nes Band zusam­men­hält und eine rie­si­ge Lese­bril­le trägt. Arte zeigt in einer Doku von Patrick Jeu­dy aus dem Jahr 2017, wie Ali­ce Schwar­zer 1976 Romy Schnei­der inter­view­te: