Grenzgänge der Literatur II

Felix Phil­ipp Ingold über Niklas Luh­mann, Robert Musil, Oswald Egger und Hans-Jost Frey

In einem lau­ni­gen Feuil­le­ton­bei­trag für die Neue Zürcher Zei­tung über „Pro­ble­me theo­rie­ei­ge­ner Spra­che“ beklag­te Niklas Luh­mann vor gut drei­ßig Jah­ren die mas­si­ve Über­pro­duk­ti­on von „gelehr­ter Pro­sa“ bei gleich­zei­tig wach­sen­dem Defi­zit an „gelehr­ter Poe­sie“. − Gelehr­te Poe­sie hat es schon bei den Vor­so­kra­ti­kern gege­ben, bei den Kyni­kern und in höchs­ter Voll­endung bei Lukrez; dann wie­der in der Zeit der Auf­klä­rung, exem­pla­risch bei Albrecht von Hal­ler, spä­ter bei Johann Wolf­gang von Goe­the und erneut im lite­ra­ri­schen Moder­nis­mus des frühen 20. Jahr­hun­derts („poé­sie sci­en­ti­fi­que“).

Zuletzt haben sich in den 1960er-Jah­ren in der Sowjet­uni­on Tech­ni­ker, Natur­for­scher und Lite­ra­ten zusam­men­ge­tan, um gemein­sam eine wis­sen­schaft­lich fun­dier­te Poe­tik und gene­rell einen mul­ti­dis­zi­pli­nä­ren Dia­log zwi­schen den „zwei Kul­tu­ren“ zu ent­wi­ckeln. Die in der Fol­ge mas­sen­haft ver­öf­fent­lich­te ein­schlä­gi­ge Bel­le­tris­tik soll­te − mit staat­li­cher För­de­rung − auf ihre Wei­se zur „wis­sen­schaft­lich-tech­ni­schen Revo­lu­ti­on“ und darüber hin­aus zur Annä­he­rung zwi­schen den Künsten und den Wis­sen­schaf­ten bei­tra­gen. Außer Maku­la­tur ist davon kaum etwas geblie­ben.

 

Die­ser Text ist nur in der Aus­ga­be 3/2017 ver­füg­bar.

—> Jetzt VOLLTEXT abon­nie­ren.

* * *

Online seit: 12.10.2017

Zuletzt geän­dert: 20. Okt. 2017