„Die Dichter alle dichten“

Schie­fe Bil­der, gna­den­lo­ser Reim­zwang, huma­nis­ti­sches Pathos und unbe­ding­ter Glau­be an die eige­ne poe­ti­sche Sen­dung – Frie­de­ri­ke Kemp­ner galt schon Sig­mund Freud als Para­de­bei­spiel für die „unfrei­wil­li­ge Komik der Rede“. Der Auf­takt zur Serie „Zu Recht ver­ges­sen – Die bes­ten schlech­ten Dich­ter aller Zei­ten“. Von Karin Wozo­nig.

Kemp­ner möch­te, dass ihre poe­ti­sche Welt als Wirk­lich­keit gilt, objek­tiv zur Anschau­ung gebracht, wie sie sagt.

Ent­hül­le nie auf uned­le Art die Schwä­chen dei­ner Neben­men­schen, um dich zu erhe­ben, zie­he nicht ihre Feh­ler und Ver­ir­run­gen an das Tages­licht, um auf ihre Kos­ten zu schim­mern.“ Die­sen beden­kens­wer­ten Rat des Frei­herrn von Knig­ge zu befol­gen, macht uns Frie­de­ri­ke Kemp­ner (1828–1904), auch genannt der schle­si­sche Schwan, nicht gera­de leicht. Ihre Gedich­te sind auf eine so lächer­li­che Art miss­glückt, dass sie schen­kel­klop­fen­de Hei­ter­keit her­vor­ru­fen kön­nen. Nicht bei allen kommt die Kemp­ner-Lyrik gleich an, aber es gibt Men­schen, die kön­nen Trä­nen lachen bei Ver­sen wie