Der gespiegelte Blick

Mela­nie Hart­laub, Han­ne Knick­mann und Mat­thi­as Wei­chelt im Gespräch über den His­to­ri­ker und Schrift­stel­ler Felix Hart­laub, der an Hit­lers Kriegs­ta­ge­bü­chern mit­schrieb und im April 1945 spur­los ver­schwand.
Felix Hartlaub © Archiv Melanie Hartlaub

Felix Hart­laub auf einem ver­mut­lich um 1936 ent­stan­de­nen Foto.
Foto: Archiv Mela­nie Hart­laub

HANNE KNICKMANN Einen so unbe­stech­li­chen Blick wie von Felix Hart­laub, schrieb Hans Magnus Enzens­ber­ger 2019, habe es in der Lite­ra­tur nach 1945 nicht mehr gege­ben. Das Leben die­ses gera­de ein­mal 31 Jah­re alt gewor­de­nen, bei Kriegs­en­de ver­schwun­de­nen Autors ist inzwi­schen gut doku­men­tiert, es gibt Edi­tio­nen, Aus­stel­lun­gen, For­schungs­li­te­ra­tur, sogar eine Hart­laub-Gesell­schaft. Trotz­dem liegt immer noch ein Geheim­nis über Bio­gra­fie und Werk, der Name ist vie­len Lese­rin­nen und Lesern nicht geläu­fig. War die bemer­kens­wer­te Dis­kre­panz zwi­schen Bedeu­tung und Unkennt­nis die­ses Autors, der zuletzt an Hit­lers Kriegs­ta­ge­bü­chern mit­schrieb, der Anlass für Ihr Buch Der ver­schwun­de­ne Zeu­ge. Das kur­ze Leben des Felix Hart­laub?

MATTHIAS WEICHELT Felix Hart­laub ist tat­säch­lich so etwas wie ein bekann­ter Unbe­kann­ter der deut­schen Lite­ra­tur des 20. Jahr­hun­derts. Wer sich für die drei­ßi­ger, vier­zi­ger Jah­re sowie die Nach­kriegs­zeit inter­es­siert, dem begeg­net die­ser Name immer wie­der. So ging es auch mir. In der Lite­ra­tur­zeit­schrift Sinn und Form, für die ich arbei­te, haben wir 2014 den frü­hen Auf­satz „Pla­to und der Staat“ gebracht sowie Karl Cori­nos Gespräch mit Geno Hart­laub, der Schwes­ter. Spä­ter kamen Brie­fe an die Fami­lie aus Ita­li­en dazu. Damals habe ich ange­fan­gen, Hart­laub inten­si­ver zu lesen, und mei­ne Fas­zi­na­ti­on für die­se ganz ein­zig­ar­ti­ge, ganz eigen­stän­di­ge Stim­me ist immer mehr gewach­sen. 2018 gab es dann die Gele­gen­heit, im Olden­bur­ger Karl-Jas­pers-Haus einen Vor­trag zu hal­ten, bei dem ich mir das The­ma aus­su­chen durf­te. Dafür habe ich mir Hart­laubs Ber­li­ner Jah­re vor­ge­nom­men, wor­aus