Raphaela Edelbauer erhält den Österreichischen Buchpreis 2021

Der Debüt­preis ging an Anna Albi­nus

Rapha­e­la Edel­bau­er wur­de heu­te für ihr Buch DAVE mit dem Öster­rei­chi­schen Buch­preis aus­ge­zeich­net. Der Debüt­preis ging an Anna Albi­nus für den Titel Revol­ver Chris­ti.

In der Begrün­dung der Jury heißt es: „Wir befin­den uns in einer gar nicht fer­nen Zukunft, das Sys­tem auf der Erde ist dank unge­brems­ter Kli­ma­er­wär­mung und extre­mem Was­ser­man­gel kol­la­biert, in einem ‚Labor‘ knapp über dem Erd­bo­den bil­den 118 998 Men­schen die ver­meint­li­che Rest­be­völ­ke­rung. Der nicht ganz zuver­läs­si­ge Ich-Erzäh­ler, der Mathe­ma­ti­ker Syz, wird vom dubio­sen Labor­lei­ter rekru­tiert, um mit sei­nen Erin­ne­run­gen DAVE zu füt­tern, den in Ent­wick­lung befind­li­chen Pro­to­typ einer künst­li­chen Super­in­tel­li­genz. Rapha­e­la Edel­bau­er hat mit DAVE einen raf­fi­nier­ten Sci­ence-Fic­tion-Roman mit ein­ge­bau­ter Lie­bes­ge­schich­te geschaf­fen, der nach den Geset­zen des Thril­lers funk­tio­niert. Dabei unter­hält man sich nicht nur, son­dern erfährt dank Edel­bau­ers erstaun­li­cher Bele­sen­heit viel über phi­lo­so­phi­sche Debat­ten, Bewusst­seins- und Gedächt­nis­for­schung, Infor­ma­tik und ler­nen­de Sys­te­me, deren Heils­ver­spre­chen die Autorin spür­bar miss­traut. Denn der Weg zu einer schmerz­lo­sen und total ver­nünf­ti­gen Gesell­schaft nach dem Eben­bild des Com­pu­ters führt durch Über­wa­chung und Repres­si­on. Edel­bau­er erzählt ele­gant und poin­tiert, mit gal­li­gem Witz, Lust an der Anspie­lung und immer wie­der ver­blüf­fen­den Wen­dun­gen von der Ohn­macht des ein­zel­nen in einer Dik­ta­tur der Welt­ver­bes­se­rer.“

Für die Short­list waren außer­dem Anna Baar, Danie­la Cha­na, Olga Flor und Fer­di­nand Schmalz nomi­niert. Der Öster­rei­chi­sche Buch­preis ist mit 20.000 Euro dotiert, die Nomi­nier­ten der Short­list erhal­ten jeweils 2.500 Euro.

In der Kate­go­rie „Debüt“ ging der Preis an Anna Albi­nus (Revol­ver Chris­ti). Die Begrün­dung der Jury: „Mit der rea­lis­ti­schen Beschrei­bung eines tou­ris­ti­schen Groß-Ereig­nis­ses beginnt die­se Kri­mi­nal- und Fan­ta­sy­ge­schich­te der beson­de­ren Art. Eine Reli­quie – jener Revol­ver, der dem Buch den Titel gibt – zieht die Men­schen­mas­sen an. Und dann fällt am drei­und­zwan­zigs­ten Aus­stel­lungs­tag ein Schuss. Die Schüt­zin ist rasch über­wäl­tigt, ein seriö­ser Ermitt­ler tritt auf den Plan, das Publi­kums­in­ter­es­se wächst ange­sichts der mys­te­riö­sen Gewalt­tat. Dem Gen­re ent­spre­chend ent­wi­ckelt sich die Geschich­te geheim­nis­voll. Deut­lich wird aller­dings bald, dass zwi­schen die­sem Revol­ver Chris­ti, der ver­haf­te­ten Rechts­an­walts­fach­an­ge­stell­ten und dem sach­li­chen Kri­mi­nal­be­am­ten ein Zusam­men­hang besteht. Das Unglück, das mit der Waf­fe ein­her geht, wie­der­holt sich im Lauf der Zeit offen­bar immer wie­der. Man liest gebannt und ist gespannt auf den Aus­gang, der jedoch die Erwar­tung nach Plot-Auf­lö­sung nicht erfüllt. Zeit- und Orts­sprün­ge gelin­gen der 1986 gebo­re­nen Autorin mühe­los. Sie ist eine erstaun­lich ver­sier­te Erzäh­le­rin. Alles ist mög­lich in die­ser Geschich­te, deren Ende sich jeder Ein­deu­tig­keit ver­wei­gert. Das Geheim­nis bleibt und das Stau­nen über die lite­ra­ri­sche Fer­tig­keit, die sprach­li­che Sicher­heit die­ses Debüts.“

Für die Short­list-Debüt waren außer­dem Anna Feln­ho­fer und Cle­mens Bru­no Gatz­ma­ga nomi­niert. Der Debüt­preis ist mit 10.000 Euro dotiert, die zwei wei­te­ren Titel der Short­list mit jeweils 2.500 Euro.

Die Jury
Die Jury setz­te sich 2021 aus Til­man Eder (Buch­händ­ler, Buch­hand­lung Erl­kö­nig), Wal­ter Grond (Schrift­stel­ler, Lei­ter Euro­päi­sche Lite­ra­tur­ta­ge), Manue­la Reich­art (Lite­ra­tur­kri­ti­ke­rin, WDR), Danie­la Stri­gl (Lite­ra­tur­kri­ti­ke­rin und Ger­ma­nis­tin, Uni­ver­si­tät Wien) und Peter Zim­mer­mann (Jour­na­list, ORF) zusam­men.

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Online seit: 8. Novem­ber 2021

Zuletzt geän­dert: 8. Nov. 2021