Ein Feind, der ehrt

Daph­ne du Mau­riers Erzäh­lung Die Vögel. Von Georg Klein

Was ist das, was da jeden Mor­gen im unend­lich kom­ple­xen Kol­lek­tiv sei­nes Kör­pers auf­wacht, von sich und dem gewal­ti­gen leib­li­chen Rest ganz sim­pel als „ich“ spricht und dann auf die äuße­re Welt los­geht, als ob deren alle Namen über­schrei­ten­de Viel­falt auf nichts ande­res als auf ein ich-sagen­des Tier gewar­tet hät­te?

In Daph­ne du Mau­riers Erzäh­lung Die Vögel heißt die­se selbst­ge­wis­se Mona­de Nat Hocken und lebt als Land­ar­bei­ter an der eng­li­schen Küs­te. Zum Zeit­punkt der Hand­lung, um 1950, ist Nat Hocken etwa vier­zig Jah­re alt, ver­hei­ra­tet und Vater zwei­er Kin­der. Aus dem Zwei­ten Welt­krieg hat er eine nicht wei­ter beschrie­be­ne Behin­de­rung davon­ge­tra­gen. Nat, der als ein­zel­gän­ge­risch und ein­ge­bil­det gilt, weil er am liebs­ten allei­ne arbei­tet und Bücher liest, bemerkt als ers­ter, dass etwas mit den See- und Land­vö­geln der Umge­bung nicht Ord­nung ist. Und sogleich tut der eigen­bröt­le­ri­sche Kriegs­in­va­li­de das, was kon­ven­tio­nel­le Erzähl­li­te­ra­tur von ihren Sub­jek­ten ver­langt: Er beob­ach­tet, urteilt, plant und han­delt. In aller Eile beginnt Nat Hocken sein klei­nes Farm­haus zu befes­ti­gen, als ein­zi­ger in der Gegend berei­tet er sich auf einen Angriff der Vögel vor.

Hitch­cocks Möwen und Krä­hen sind Kom­par­sen, zu Klein­dar­stel­lern her­ab­ge­wür­dig­te Indi­vi­du­en.

Der Land­ar­bei­ter Nat ist Daph­ne du Mau­riers Held; dar­an kann bereits nach der ers­ten Sei­te kein Zwei­fel mehr bestehen. Und die erfah­re­ne und erfolg­rei­che Erzäh­le­rin wuss­te gewiss, dass es die Lesen­den