Der Poet mit den kreisenden Sonnen im Kopf

Tex­te und Mate­ria­li­en aus Alex­an­der Klu­ges sie­ben Kör­ben

Der Poet mit den krei­sen­den Son­nen im Kopf

In einer Dat­schen­sied­lung nahe Mos­kau, die den Nach­fol­ge­or­ga­ni­sa­tio­nen des KGB zur Ver­fü­gung stan­den, wur­de ein Genos­se im Amt respek­tiert, der schon längst pen­si­ons­be­rech­tigt gewe­sen war. Zustän­dig war er für Ein­sät­ze im Jemen und in Nord­sy­ri­en. Er lenk­te die Trans­ak­tio­nen in der ori­en­ta­li­schen Fer­ne wie ein Gott. Man nann­te ihn DEN POETEN. In den Stun­den nach dem Mit­tag­essen, die all­ge­mein von den Kadern zur Sies­ta genutzt wur­den, sah man die­sen Mann jahr­zehn­te­lang unauf­hör­lich an Manu­skrip­ten schrei­ben.

Als jun­ger Mann im Amt war er um knapp ein hal­bes Jahr dem Schick­sal ent­kom­men, wert­vol­le Genos­sen durch Genick­schuss töten zu müs­sen. Das war nach den blu­ti­gen Schau­pro­zes­sen von 1937 der Befehl gewe­sen. Mit einer gewis­sen Kunst hat­te er sei­ne Kar­rie­re so navi­giert, dass die Bör­se sei­ner Schuld für den Tag des Jüngs­ten Gerichts ein leich­tes Gewicht hat­te. „Leich­tes Gewicht“ war umgangs­sprach­lich aus­ge­drückt: Schuld kann vor Gott und dem Gesetz nicht nach Gewicht gemes­sen wer­den.

In das ERBGUT die­ses Exper­ten war wäh­rend der expe­ri­men­tier­freu­di­gen Pha­se der Rus­si­schen Revo­lu­ti­on, also in frü­her Jugend, ein geo­me­trisch fei­ner, mole­ku­la­rer Teil von einem Virus implan­tiert wor­den. Als Her­an­wach­sen­der zeig­te der so aus­ge­stat­te­te Genos­se, den die Kol­le­gen POET nann­ten, Cha­rak­te­ris­ti­ka einer beson­de­ren Ein­bil­dungs­kraft. Das ein­ge­pflanz­te Stück­werk an RNA-Mole­kü­len hat­te das Feld mate­ri­ell ver­än­dert, in dem