Laura Lichtblau, „Schwarzpulver“

Von Andrea Schuh Die­ser Bei­trag ent­stand im Zusam­men­hang mit dem Semi­nar „Lite­ra­tur- und Kul­tur­kri­tik schrei­ben“.

In Lau­ra Licht­b­laus Debüt­ro­man begeg­nen wir drei Men­schen, wel­che im Gezer­re zwi­schen Sym­bio­sen und Gehor­sam einer­seits, sowie Anar­chie und Wider­stand ande­rer­seits bei­na­he zer­rie­ben wer­den.

Wann immer mit unse­rer dunk­len Ver­gan­gen­heit kon­fron­tiert, fra­gen wir uns, wie wir uns wohl in den 20er und 30er-Jah­ren des letz­ten Jahr­hun­derts ver­hal­ten hät­ten, als eine gan­ze Gesell­schafts­ord­nung in Schief­la­ge geriet und schließ­lich kipp­te.

Lau­ra Licht­b­laus Figu­ren füh­ren uns vor Augen, dass wir jetzt gera­de in einer Zeit leben, in wel­cher Wach­sam­keit wie­der wich­tig ist. An einer Stel­le, eine Mit­ar­bei­te­rin des Amtes für Staats­mo­ral über­prüft ein Plat­ten­la­bel, heißt es, „… kei­ner trau­te sich, zu plau­dern, Gags zu machen, aber wir haben uns doch schnell an sie gewöhnt – komisch, wie das immer so geht.“

Die Ich­er­zäh­ler geben uns Ein­blick in die herr­schen­de Gesell­schafts­ord­nung, die Wün­sche, Hoff­nun­gen und Wid­rig­kei­ten des Indi­vi­du­ums: Da ist Char­lie, der sei­nen Vater nicht kennt und dafür in den für­sorg­li­chen Net­zen sei­ner Mut­ter ver­strickt ist. Er träumt davon allein zu leben. Als es dann soweit ist, ver­misst er die ver­trau­te Abhän­gig­keit

Char­lot­te, Char­lies Mut­ter, ent­täuscht von ihrem Leben als Künst­le­rin und vom Vater ihres Soh­nes, ist vol­ler Zukunfts­ängs­te, fin­det schließ­lich für sich eine halb­her­zi­ge Lösung und schließt sich der Bür­ger­wehr an. Sie kommt zunächst gut damit zurecht. Im Lau­fe ihrer Erin­ne­run­gen und Erzäh­lun­gen spü­ren wir jedoch sehr bald, dass die­se Über­zeu­gung, das Rich­ti­ge zu tun, nicht sehr stark ver­wur­zelt ist und der Gedan­ke, Wider­stand zu leis­ten, immer stär­ker wird.

Schließ­lich begeg­nen wir noch Bur­schi ali­as Eli­sa, die, im Schat­ten ihrer groß­ar­ti­gen Schwes­ter Bar­ba­ra auf­ge­wach­sen, in der Groß­stadt ihren Platz sucht. Im Lau­fe ihrer Erzäh­lung erfah­ren wir, dass ein tra­di­tio­nell ver­al­te­tes Bild von Mann und Frau kei­ne Grau­tö­ne mehr zulässt. Die Par­tei bestimmt, was rich­tig oder falsch ist.

Lau­ra Licht­blau malt ein zwei­schich­ti­ges Tableau: Die Grau- und Schwarz­stu­fen des Hin­ter­grun­des las­sen uns die Welt erah­nen, wel­che uns blüht, wenn wir uns einer trü­ge­ri­schen Selbst­zu­frie­den­heit und Ich­be­zo­gen­heit über­las­sen und in ein neu­es Bie­der­mei­er flüch­ten. Sehr inten­siv erleb­ba­re Natur­schil­de­run­gen in lila, vio­lett und veil­chen­brau­nen Schat­tie­run­gen ver­wei­sen auf Spi­ri­tua­li­tät, Ent­schluss­kraft, Hin­ga­be und Idea­lis­mus die­ses Sze­na­rio doch noch abwen­den zu kön­nen.

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Online seit: 31. Okto­ber 2022

Zuletzt geän­dert: 1. Mai 2023