Xaver Bayer erhält den Österreichischen Buchpreis 2020

Der Debüt-Preis geht an Lean­der Fischer
Xaver Bayer © Manfred Werner - Tsui

Xaver Bay­er. Foto: Man­fred Wer­ner-Tsui

Xaver Bay­er wird für sein Buch Geschich­ten mit Mari­an­ne mit dem Öster­rei­chi­schen Buch­preis aus­ge­zeich­net. Der Debüt­preis geht an Lean­der Fischer für Die Forel­le.

In der Begrün­dung der Jury heißt es: „Ganz all­täg­lich und ent­spannt begin­nen alle die­se Geschich­ten mit Mari­an­ne, sie begin­nen beim Abwa­schen oder mit einem lang­wei­li­gen Nach­mit­tag, an dem Mari­an­ne den Erzäh­ler zu einem Aus­flug ein­lädt. Je harm­lo­ser der Anfang, des­to grau­sa­mer und gro­tes­ker der wei­te­re Ver­lauf. Jede Geschich­te setzt neu an und lässt eine Gewiss­heit des All­tags ins Boden­lo­se kip­pen, und sei es der Gang in den Kel­ler. Der Erzäh­ler irrt durch den schlam­mi­gen Unter­grund einer Rie­sen­stadt, tas­tet sich im Dunk­len durch ein omi­nö­ses Schloss oder beob­ach­tet mit Mari­an­ne ein Mas­sa­ker vom Wohn­zim­mer aus, nach­dem er ihr beim Abwasch gehol­fen hat. Die lite­ra­ri­sche Moder­ne wird in die­sen Geschich­ten auf­ge­ru­fen und sou­ve­rän in unter­schied­li­chen Gen­res ein­ge­setzt – von der Hor­ror­ge­schich­te bis zur Fan­ta­sy-Sze­ne­rie. Mit bösem, oft melan­cho­li­schem Witz leuch­tet Xaver Bay­er die Angst-Räu­me unse­rer Zeit aus, denn immer wie­der ver­sinkt sein Held im Cha­os, das in leuch­ten­den Details erzählt wird – letzt­lich bleibt ihm nur die eige­ne Fan­ta­sie als ret­ten­der Ort. Ein bril­lan­tes, facet­ten­rei­ches Nach­den­ken über unse­re Zeit.“

Für die Short­list nomi­niert waren außer­dem Hele­na Adler (Die Infan­tin trägt den Schei­tel links), Moni­ka Hel­fer (Die Baga­ge), Karin Pesch­ka (Putzt euch, tanzt, lacht), Cor­ne­lia Trav­nicek (Feen­staub).

Der Öster­rei­chi­sche Buch­preis ist mit 20.000 Euro dotiert, das Errei­chen der Short­list mit jeweils 2.500 Euro.

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Öster­rei­chi­scher Buch­preis 2020 in der Kate­go­rie Debüt geht an Lean­der Fischer. Die Jury fand: „In sei­nem fast 800 Sei­ten star­ken Debüt­ro­man erweist sich Lean­der Fischer als äußerst wort­ge­wal­ti­ger Schrift­stel­ler. Er kann sich über meh­re­re Sei­ten in kleins­te Details des Flie­gen­fi­schens ver­sen­ken und gleich­zei­tig zu sprach­li­chen Höhen­flü­gen anset­zen. Fliegt er manch­mal zu hoch? Doch, immer wie­der. Die Forel­le ist das genaue Gegen­teil der ein­fa­chen, schmuck­lo­sen Pro­sa, die heu­te in der erzäh­len­den Lite­ra­tur vor­herrscht. Und genau das macht den Reiz der Lek­tü­re aus. Klei­ne Abstür­ze min­dern die berau­schen­de Wir­kung des Romans kei­nes­wegs. Fischers Werk ist nicht nur für kunst­sin­ni­ge Flie­gen­fi­scher ein lite­ra­ri­scher Lecker­bis­sen. Ange­sie­delt hat es der Autor in den 1980ern, als die gro­ßen Super­märk­te klei­ne Läden zu ver­drän­gen began­nen. Die Forel­le lässt sich auch als Anti­hei­mat­ro­man lesen, mit dem Wald­ster­ben oder wild fech­ten­den Reser­ve­bur­schen­schaf­tern und dem­entspre­chen­den Bier­dunst als the­ma­ti­schem Hin­ter­grund­rau­schen. Die­se öster­rei­chi­schen Kon­ti­nui­tä­ten holen Fischers Pro­sa für kur­ze Zeit zurück auf den Boden der Tat­sa­chen. Bis sie von neu­em abhebt.“

Für die Short­list-Debüt nomi­niert waren außer­dem Gun­ther Neu­mann (Über allem und nichts) und Mer­ce­des Span­nagel (Das Palais muss bren­nen). Der Debüt­preis im Rah­men des Öster­rei­chi­schen Buch­prei­ses ist mit 10.000 Euro dotiert, das Errei­chen der Short­list mit jeweils 2.500 Euro. Der Debüt­preis wird von der Arbei­ter­kam­mer Wien gestif­tet.

Die Jury
Die Fach-Jury für den Öster­rei­chi­schen Buch­preis setz­te sich 2020 aus Sebas­ti­an Fast­hu­ber, Nico­le Hen­ne­berg, Klaus Seufer-Was­ser­thal  und Ulri­ke Tan­zer zusam­men.

 

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Online seit: 9. Novem­ber 2020

Online seit: 9. Novem­ber 2020

Zuletzt geän­dert: 9. Nov. 2020