Begegnungen in der Autofiktion II

Für Annie Ernaux und Ben Ler­ner – two kinds of blues. Von Jan Wilm
Ben Lerner © Ariana Mangual / SV

Ben Ler­ner: „Nichts ist ein Kli­schee, wenn man es selbst erlebt.“ Foto: Aria­na Man­gu­al / SV

Ich war gera­de dabei, mei­nen Vater zu has­sen, als er starb. Der Rau­reif hat­te das Gras am Stra­ßen­rand geweißt, geweiht, das Streu­salz hat­te den Asphalt kal­kig und fahl gemacht, den Asphalt, auf dem mein Vater starb. Die Meteo­ro­lo­gie sag­te, es wäre der käl­tes­te Tag des Jah­res. Viel­leicht wür­de es der käl­tes­te mei­nes Lebens blei­ben. Oder es wür­de mich irgend­wann ein noch schlim­me­res Ereig­nis erei­len und von die­sem fürch­ter­li­chen Datum, das so ein­sam im Kalen­der hing, erlö­sen. Wür­de ich dann erleich­tert sein? Oder mich sogar nach die­sem eins­ti­gen Schre­ckens­tag zurück­seh­nen? Die Hori­zon­te ent­fern­ten sich. Die Son­ne stieg längst nicht mehr dar­über hin­aus.

Ich las und schrieb die­sen Text. Dann geschah die Kata­stro­phe, und die bei­den Bücher hat­ten sich plötz­lich ver­än­dert.

Unmit­tel­bar vor der Kata­stro­phe hat­te ich zwei Bücher gele­sen, über die ich etwas schrei­ben woll­te, was nicht unmit­tel­bar mit mir und mei­nem Leben in Ver­bin­dung stand. Es war ein son­ni­ger Tag, als ich im schöns­ten Buch­la­den der Stadt mit dem schö­nen Namen Marx & Co. Annie Ernaux’ Die Scham und Ben Ler­ners Die Top­e­ka Schu­le gekauft hat­te. Die Bücher inter­es­sier­ten mich, weil