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Dienstag, 13. Februar 2007

Neugierige Mörder

 

Worüber plaudern zwei Auftragsmörder während einer nächtlichen Autofahrt mit der Leiche im Kofferraum? Über dies und jenes, wie man es halt so tut. Dass dabei auch Fragen des eigenen Berufs zur Sprache kommen, ändert nichts an der Alltäglichkeit dieses Gesprächs. Während der eine noch darüber staunt, „wie leicht es ist, jemanden zu töten“, findet dies der andere „das Normalste der Welt. Leben ist viel schwieriger.“ Derart pendelt der Dialog, den die beiden Helden in Carlos Eugenio López’ Roman halten, permanent zwischen Alltagsgeschwätz und existenziellem Tiefsinn hin und her. Lopez verzichtet dabei ganz auf Szenebeschreibungen und kontextuelle Hinweise.
Sex mit Nutten und jungen Mädchen zählt selbstredend zu den zentralen Themen, doch die beiden Helden erinnern auch frappant an Flauberts Bouvard und Pécuchet, wenn sie von der allgegenwärtigen Dummheit abgestoßen sind oder Fragen stellen, nur „um zu sehen, ob wir eine Antwort haben“. Die Neugier ist ihr bester Charakterzug, wobei sich der eine eher als Fragesteller, der andere als Antwortwisser erweist. Gegen die Moros haben sie nichts, aber es sind einfach zu viele, so dass sie ihre (staatlichen?) Auftraggeber durchaus verstehen. Je mehr sich die Fäden ihres Gesprächs im Minenfeld von Gerede und Halbwissen verwirren, umso offenkundiger schlägt die naive Rechtschaffenheit der beiden in Schrecken um. Lopez bohrt durch dünnes Eis kontinuierlich in eine ungemütliche Tiefe, die dem Anschein nach oberflächlich bleibt. Das Kunststück dabei ist, dass er vortrefflich den Gestus des banalen, schnellen Dialogs einzufangen weiß, ohne irgendwelche gestelzte Künsteleien:
- So ist das Leben.
- Aber ich habe die Schnauze voll vom Leben.
- Ändert das was?
- Nichts.


Carlos Eugenio López
Abgesoffen
Aus dem Spanischen
von Susanna Mende
Kein & Aber, Zürich 2006
190 Seiten, € 18,90 (D) /
€ 19,50 (A) / sFr 32,80

 


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    Freitag, 25. November 2011 

    Cover Volltext 4/2011

    Titelgeschichte: Die Geisterstadt
    Daniel Kehlmann über Sherwood Andersons einflussreichen Klassiker Winesburg, Ohio

    Sebalds Neger
    Die Vereinnahmung von W.G. Sebald als Klassiker erfordert ein Ausblenden seiner widerborstigen Seite. Von Uwe Schütte

    Tiere und Pflanzen, diese gewaltige Dichtung
    Jean-Henri Fabres Erinnerungen eines Insektenforschers. Von Ulrike Draesner

    Eigen, skurril, versponnen
    Christoph Schröder über Jan Peter Bremers Roman Der amerikanische Investor

    „Du elender Hauseingang!“
    Klaus Kastberger über Xaver Bayers Wenn die Kinder Steine ins Wasser werfen

    „Rache ist ein schlechter Berater“
    Christoph Hein spricht mit Katrin Hillgruber über seinen neuen Roman Weiskerns Nachlass.

    Dichter unter Hochdruck
    Daniela Strigl über Leben und Werk des Lyrikers Walter Buchebner

    Neulich
    Andreas Maier dümpelt im Moorsee.

    Grandioses Cartoon-Gespann
    Nicolas Mahler illustriert Thomas Bernhards Alte Meister. Von Thomas von Steinaecker

    Lyrik-Logbuch Michael Brauns Eintragungen zu Gedichten der Gegenwart

    Lyrischer Moment
    Silke Scheuermann als Pandabär in Hongkong

    Siebzehn Stufen
    Zum Verhältnis von Alltag und Literatur. Von Georg Klein

    Wie Literatur funktioniert
    Gerrit Bartels über James Woods Die Kunst des Erzählens

    Das Fahrrad weiß mehr
    Nicht mehr lieferbar! – Eine Serie von Clemens J. Setz über vergriffene Werke bedeutender Autoren. Teil 2: Denton Welch.

    „Es ist viel Arbeit, normal zu bleiben“
    Die Literatur im Zeitalter von Wordpress und Twitter. Eine Umfrage

    Die Bewohner von Château Talbot Von Arno Geiger

    Unsere Popmoderne Die Wechselstunden. Von Marc Degens

    Sehr gepflegt, aber Perser!
    Pavel Kohout entfaltet in seinem neuen Roman Der Fremde und die Schöne Frau ein Panorama alltäglicher Xenophobie. Von Ulrich Faure

    Geld und Erlösung
    Über Hermann Brochs ökonomische Fantasie. Von Bernhard Fetz

    Was kostet ein Broch?
    Rezeption und Autografenhandel. Von Michael Hansel

    Platzanweisung
    Christina Böhms Siegertext beim 19. open mike

    Herr Jesus springt
    Der Siegertext des FM 4-Literaturwettbewerbs Wortlaut. Von Isabella Straub

    Im Schatten der Mauer des Lebens
    Mirko Bonné zu seiner Neuübersetzung von Sherwood Andersons Winesburg, Ohio