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Dienstag, 20. März 2007

Die Sucht nach Geschichten

 

Kommissär Hunkeler ist ein Geistesverwandter von Friedrich Glausers Kommissär Studer. Wie dieser besitzt er einen harten Kopf und geht bei der Aufklärung seiner Fälle eigene Wege. Sein Einfühlsvermögen und seine Sucht nach Geschichten bestimmen die Richtung der Ermittlungen. Opfer und Täter werden sich in seiner Optik manchmal erstaunlich ähnlich. Im neuen Fall lässt ihm Hansjörg Schneider einmal mehr alle Freiheiten – auch die, innezuhalten und die tief verschneite Landschaft zwischen Basel und dem Elsass in Ruhe zu betrachten.

Der Tote im Schrebergarten, dessentwegen Hunkeler am Neujahrsmorgen aus dem Bett geholt wird, ist auf grausame Weise hingerichtet worden. Wie sich herausstellt, hat ihn keiner richtig gekannt, allmählich nur kommen Bruchstücke einer dunklen Vergangenheit ans Licht, die ebenso ins Emmental wie nach Ostpreußen führen. Hunkeler aber mag sich gar nicht um alle Details kümmern, intuitiv verfolgt er eigene Spuren. Er nimmt sich Zeit zu trüben und lichten Gedanken, in denen die Menschheit nicht gut weg kommt. Seinen Gesprächspartnern indes begegnet Hunkeler stets mit Respekt, was ihm nicht selten unverhoffte Auskünfte einbringt. Hin und wieder freilich reißt auch bei ihm der Geduldsfaden, etwa wenn er dem philiströsen Gerede von Schrebergärtnern zuhören muss.

In seinem sechsten Hunkeler-Krimi versteht es Hansjörg Schneider einmal mehr und vielleicht subtiler denn je, seine atmosphärisch dichte Erzählung nicht von der Krimihandlung erdrücken zu lassen. Seine Kunst liegt darin, dass diese erzählerische Gelassenheit nie auf Kosten der Spannung geht.

Hansjörg Schneider
Hunkeler und der Fall Livius
Ammann, Zürich 2007
268 Seiten, € 18,90 (D) /
sFr 33,40

 


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    Freitag, 25. November 2011 

    Cover Volltext 4/2011

    Titelgeschichte: Die Geisterstadt
    Daniel Kehlmann über Sherwood Andersons einflussreichen Klassiker Winesburg, Ohio

    Sebalds Neger
    Die Vereinnahmung von W.G. Sebald als Klassiker erfordert ein Ausblenden seiner widerborstigen Seite. Von Uwe Schütte

    Tiere und Pflanzen, diese gewaltige Dichtung
    Jean-Henri Fabres Erinnerungen eines Insektenforschers. Von Ulrike Draesner

    Eigen, skurril, versponnen
    Christoph Schröder über Jan Peter Bremers Roman Der amerikanische Investor

    „Du elender Hauseingang!“
    Klaus Kastberger über Xaver Bayers Wenn die Kinder Steine ins Wasser werfen

    „Rache ist ein schlechter Berater“
    Christoph Hein spricht mit Katrin Hillgruber über seinen neuen Roman Weiskerns Nachlass.

    Dichter unter Hochdruck
    Daniela Strigl über Leben und Werk des Lyrikers Walter Buchebner

    Neulich
    Andreas Maier dümpelt im Moorsee.

    Grandioses Cartoon-Gespann
    Nicolas Mahler illustriert Thomas Bernhards Alte Meister. Von Thomas von Steinaecker

    Lyrik-Logbuch Michael Brauns Eintragungen zu Gedichten der Gegenwart

    Lyrischer Moment
    Silke Scheuermann als Pandabär in Hongkong

    Siebzehn Stufen
    Zum Verhältnis von Alltag und Literatur. Von Georg Klein

    Wie Literatur funktioniert
    Gerrit Bartels über James Woods Die Kunst des Erzählens

    Das Fahrrad weiß mehr
    Nicht mehr lieferbar! – Eine Serie von Clemens J. Setz über vergriffene Werke bedeutender Autoren. Teil 2: Denton Welch.

    „Es ist viel Arbeit, normal zu bleiben“
    Die Literatur im Zeitalter von Wordpress und Twitter. Eine Umfrage

    Die Bewohner von Château Talbot Von Arno Geiger

    Unsere Popmoderne Die Wechselstunden. Von Marc Degens

    Sehr gepflegt, aber Perser!
    Pavel Kohout entfaltet in seinem neuen Roman Der Fremde und die Schöne Frau ein Panorama alltäglicher Xenophobie. Von Ulrich Faure

    Geld und Erlösung
    Über Hermann Brochs ökonomische Fantasie. Von Bernhard Fetz

    Was kostet ein Broch?
    Rezeption und Autografenhandel. Von Michael Hansel

    Platzanweisung
    Christina Böhms Siegertext beim 19. open mike

    Herr Jesus springt
    Der Siegertext des FM 4-Literaturwettbewerbs Wortlaut. Von Isabella Straub

    Im Schatten der Mauer des Lebens
    Mirko Bonné zu seiner Neuübersetzung von Sherwood Andersons Winesburg, Ohio