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Dienstag, 20. März 2007

Zufällige Begegnung

 

Als Claire von der fremden Frau im Zug angesprochen wird, wehrt sie instinktiv ab. Die forsche Direktheit, mit der Rose ungebeten auf sie zukommt, lässt die Abwehr jedoch misslingen. Rose vergisst ihren schwarzen Schirm, und Claire fühlt sich dafür verantwortlich. So ergeben sich aus dieser ersten weitere zufällige Begegnungen, die Claire zwar unangenehm, insgeheim aber auch willkommen sind. Ein Makel des Nichtwissens verbindet – unter umgekehrten Vorzeichen – die beiden Frauen. Während Claire einst ihr unehelich geborenes Kind zur Adoption frei geben musste, ist Rose mutterlos aufgewachsen. Claire hofft inständig, ihre Tochter möge nicht so wie Rose geworden sein. Was aber, wenn doch?

Hanna Johansens Roman Der schwarze Schirm überzeugt durch eine knisternde, beengende Kompaktheit, die es bei Andeutungen belässt. Die verkniffene Claire wie die schrille Rose geben nur Bruchstücke von sich selbst preis, stets in Angst davor, zuviel auszuplaudern. Fragen bringen nie Gutes hervor, weiß Claire, „während die schlimmen Folgen nicht nur unvorhersehbar, sondern auch unabsehbar zu sein pflegen“. Rose bedroht die peinlich durchorganisierte Einsamkeit, mit der Claire sich panzert – und lockert sie zugleich. Hanna Johansen inszeniert ihre prekäre Beziehung mit unbehaglich anmutender Widerspenstigkeit. Nur das Ende wirkt, leider, ein wenig aufgesetzt.

Hanna Johansen
Der schwarze Schirm
Hanser, München 2007
160 Seiten, € 17,90 (D) /
€ 18,40 (A) / sFr 32

 


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    Freitag, 25. November 2011 

    Cover Volltext 4/2011

    Titelgeschichte: Die Geisterstadt
    Daniel Kehlmann über Sherwood Andersons einflussreichen Klassiker Winesburg, Ohio

    Sebalds Neger
    Die Vereinnahmung von W.G. Sebald als Klassiker erfordert ein Ausblenden seiner widerborstigen Seite. Von Uwe Schütte

    Tiere und Pflanzen, diese gewaltige Dichtung
    Jean-Henri Fabres Erinnerungen eines Insektenforschers. Von Ulrike Draesner

    Eigen, skurril, versponnen
    Christoph Schröder über Jan Peter Bremers Roman Der amerikanische Investor

    „Du elender Hauseingang!“
    Klaus Kastberger über Xaver Bayers Wenn die Kinder Steine ins Wasser werfen

    „Rache ist ein schlechter Berater“
    Christoph Hein spricht mit Katrin Hillgruber über seinen neuen Roman Weiskerns Nachlass.

    Dichter unter Hochdruck
    Daniela Strigl über Leben und Werk des Lyrikers Walter Buchebner

    Neulich
    Andreas Maier dümpelt im Moorsee.

    Grandioses Cartoon-Gespann
    Nicolas Mahler illustriert Thomas Bernhards Alte Meister. Von Thomas von Steinaecker

    Lyrik-Logbuch Michael Brauns Eintragungen zu Gedichten der Gegenwart

    Lyrischer Moment
    Silke Scheuermann als Pandabär in Hongkong

    Siebzehn Stufen
    Zum Verhältnis von Alltag und Literatur. Von Georg Klein

    Wie Literatur funktioniert
    Gerrit Bartels über James Woods Die Kunst des Erzählens

    Das Fahrrad weiß mehr
    Nicht mehr lieferbar! – Eine Serie von Clemens J. Setz über vergriffene Werke bedeutender Autoren. Teil 2: Denton Welch.

    „Es ist viel Arbeit, normal zu bleiben“
    Die Literatur im Zeitalter von Wordpress und Twitter. Eine Umfrage

    Die Bewohner von Château Talbot Von Arno Geiger

    Unsere Popmoderne Die Wechselstunden. Von Marc Degens

    Sehr gepflegt, aber Perser!
    Pavel Kohout entfaltet in seinem neuen Roman Der Fremde und die Schöne Frau ein Panorama alltäglicher Xenophobie. Von Ulrich Faure

    Geld und Erlösung
    Über Hermann Brochs ökonomische Fantasie. Von Bernhard Fetz

    Was kostet ein Broch?
    Rezeption und Autografenhandel. Von Michael Hansel

    Platzanweisung
    Christina Böhms Siegertext beim 19. open mike

    Herr Jesus springt
    Der Siegertext des FM 4-Literaturwettbewerbs Wortlaut. Von Isabella Straub

    Im Schatten der Mauer des Lebens
    Mirko Bonné zu seiner Neuübersetzung von Sherwood Andersons Winesburg, Ohio