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Dienstag, 20. März 2007

Zufällige Begegnung

 

Als Claire von der fremden Frau im Zug angesprochen wird, wehrt sie instinktiv ab. Die forsche Direktheit, mit der Rose ungebeten auf sie zukommt, lässt die Abwehr jedoch misslingen. Rose vergisst ihren schwarzen Schirm, und Claire fühlt sich dafür verantwortlich. So ergeben sich aus dieser ersten weitere zufällige Begegnungen, die Claire zwar unangenehm, insgeheim aber auch willkommen sind. Ein Makel des Nichtwissens verbindet – unter umgekehrten Vorzeichen – die beiden Frauen. Während Claire einst ihr unehelich geborenes Kind zur Adoption frei geben musste, ist Rose mutterlos aufgewachsen. Claire hofft inständig, ihre Tochter möge nicht so wie Rose geworden sein. Was aber, wenn doch?

Hanna Johansens Roman Der schwarze Schirm überzeugt durch eine knisternde, beengende Kompaktheit, die es bei Andeutungen belässt. Die verkniffene Claire wie die schrille Rose geben nur Bruchstücke von sich selbst preis, stets in Angst davor, zuviel auszuplaudern. Fragen bringen nie Gutes hervor, weiß Claire, „während die schlimmen Folgen nicht nur unvorhersehbar, sondern auch unabsehbar zu sein pflegen“. Rose bedroht die peinlich durchorganisierte Einsamkeit, mit der Claire sich panzert – und lockert sie zugleich. Hanna Johansen inszeniert ihre prekäre Beziehung mit unbehaglich anmutender Widerspenstigkeit. Nur das Ende wirkt, leider, ein wenig aufgesetzt.

Hanna Johansen
Der schwarze Schirm
Hanser, München 2007
160 Seiten, € 17,90 (D) /
€ 18,40 (A) / sFr 32

 


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