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Montag, 29. September 2003

Beschleunigter Lernprozess

 

Die Regel «Adjektive streichen» blieb bislang die einzige und hat sich im Laufe meines Studiums relativiert.

Vor einem Jahr lernte ich einen Studenten kennen, der in Hannover das Verfassen von Bedienungsanleitungen studierte. Dabei, so erklärte er, sei auf Verständlichkeit und Kürze, besonders auf das Vereinfachen von komplizierten technischen Vorgängen zu achten. Sein Studium dauerte, wenn ich mich recht entsinne, sechs Semester.

Mein Studium am Deutschen Literaturinstiut Leipzig dauert ebenfalls drei Jahre, zwei davon habe ich hinter mir. Danach gefragt, auf was beim Verfassen literarischer Texte zu achten ist, könnte ich keine so präzise Antwort geben wie jener Hannoveraner Student. Auch unsere Dozenten halten sich mit diesbezüglichen Aussagen zurück. Die Regel „Adjektive streichen“ blieb bislang die einzige und hat sich im Laufe meines Studiums relativiert. Überflüssige Adjektive streichen“ heißt der Satz in voller Länge und dass überflüssige Wörter, seien es Adjektive, Verben oder wilde Neologismen, zu streichen sind, ist so plausibel, dass es hierfür keine eigene Regel braucht. Was aber lernt man während eines Schreib-Studiums, wenn nicht eben Regeln, nach denen ein guter Text zu bauen ist?

Ein Großteil der Seminare sind sogenannte Werkstattseminare, in denen jede Woche ein Studententext diskutiert wird. Meist geht es um stilistische Ungenauigkeiten wie schiefe Bilder, Perspektivwechsel, zu artifizielle Personenrede. Um dem Text wirklich gerecht zu werden und bei Missfallen sein Grundproblem zu knacken, fehlt häufig die Zeit, manchmal der Wille.

In den anderen Seminaren geht es um Erzähltheorie, Thomas Mann oder Stefan George. Das Thema ist dabei nicht ausschlaggebend, die besten Seminare waren für mich stets jene, in denen ein Dozent mich mit seiner eigenen Begeisterung hat anstecken können. Anregungen sind es, die ich in diesem Studium mitbekomme. Aus einem Buch, das mich beeindruckt hat, lerne ich für mein Schreiben mehr als aus einem Seminar, wenn es ein Seminar aber schafft, mir eine bestimmte Spielart der Literatur nahe zu bringen, bringt das für mich wieder mehr Möglichkeiten, mich von einem Buch beeindrucken zu lassen.

Bevor ich ans Institut kam, habe ich in einem Interview mit Josef Haslinger gelesen, am Literaturinstitut könne niemanden zu einem Schriftsteller gemacht werden, lediglich der Lernprozess könne beschleunigt werden. Diese Beschleunigung hängt sicherlich auch damit zusammen, dass wir viel Zeit haben, uns mit unserem eigenen Schreiben zu beschäftigen; das Studium gibt uns eine Rechtfertigung dafür, fünf Stunden über das Vertauschen zweier Wörter nachzudenken.

Ob das Literaturinstitut die beste Möglichkeit gefunden hat, Schreiben zu lehren, weiß ich nicht. Vermutlich hätten wir am Ende der drei Jahre mehr gelernt, wenn auch wir auf Abruf einen komplizierten technischen Vorgang in eine verständliche und kurze Sprache übersetzen könnten. Vielleicht aber ist es wichtiger, sich den eigenen Zugang zur Literatur zu bewahren, als Stilmittel zu mechanisieren. Das Institut befindet sich zwischen diesen beiden Herangehensweisen, was für mich ein recht angenehmer Ort ist.

Nora Bossong, geboren 1982 in Bremen, studiert am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.

 


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    Freitag, 25. November 2011 

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    Die Vereinnahmung von W.G. Sebald als Klassiker erfordert ein Ausblenden seiner widerborstigen Seite. Von Uwe Schütte

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    Jean-Henri Fabres Erinnerungen eines Insektenforschers. Von Ulrike Draesner

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    Christoph Schröder über Jan Peter Bremers Roman Der amerikanische Investor

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    Klaus Kastberger über Xaver Bayers Wenn die Kinder Steine ins Wasser werfen

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    Christoph Hein spricht mit Katrin Hillgruber über seinen neuen Roman Weiskerns Nachlass.

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    Daniela Strigl über Leben und Werk des Lyrikers Walter Buchebner

    Neulich
    Andreas Maier dümpelt im Moorsee.

    Grandioses Cartoon-Gespann
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    Silke Scheuermann als Pandabär in Hongkong

    Siebzehn Stufen
    Zum Verhältnis von Alltag und Literatur. Von Georg Klein

    Wie Literatur funktioniert
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    Die Literatur im Zeitalter von Wordpress und Twitter. Eine Umfrage

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    Pavel Kohout entfaltet in seinem neuen Roman Der Fremde und die Schöne Frau ein Panorama alltäglicher Xenophobie. Von Ulrich Faure

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    Rezeption und Autografenhandel. Von Michael Hansel

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    Christina Böhms Siegertext beim 19. open mike

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    Mirko Bonné zu seiner Neuübersetzung von Sherwood Andersons Winesburg, Ohio