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Mittwoch, 26. November 2003

Dunkle Räume, alte Götter

 

Von Odin bis Sherlock Holmes – fantastische Neuerscheinungen im Überblick.

ALPTRAUM UNI. Big U ist der erste Roman des US-Schriftstellers Neal Stephenson, der 1984 veröffentlicht wurde. Anders als in seinen aktuellen Büchern Kryptonomicon und Quicksilver, die nicht zuletzt wegen ihrer fast ausufernden Erzählungsbreite im Gedächtnis bleiben, gibt sich Stephenson hier eher kurz angebunden und lässt bereits das Tempo und den Witz seines späteren Bestsellers Snow Crash erkennen. In Big U karikiert er die zur „Megaversität“ gewachsene amerikanische Hochschule, in der hinter dem Lern- und Unterhaltungsidyll mysteriöse Dinge geschehen. Harmlose Studenten werden in der Kanalisation von Ratten zu Tode gebissen, Männer in Schutzanzügen hantieren mit seltsamen Fässern und nichts ist, wie es auf den ersten Blick erscheint. Stephensons Romanerstling erscheint in der Edition Phantasia in einer auf 250 nummerierte Exemplare limitierten deutschen Erstauflage; die Übersetzung lieferte Joachim Körber.

Neal Stephenson
Big U
Edition Phantasia, Bellheim 2003
300 Seiten, Euro 50 (D) / Euro 51,50 (A) / sFr 77,30




ÜBERWACHTE ÜBERWACHER. 2003 war kein schlechtes Jahr für die Fans des 1982 verstorbenen US-Schriftstellers Philip K. Dick. In den letzten Monaten hat der Heyne-Verlag eine Reihe von Dick-Klassikern, darunter Ubik und Mozart für Marsianer, neu aufgelegt. Mit Der dunkle Schirm erscheint nun ein weiterer, lang vergriffener Titel, in dem Dick Verfolgungswahn und Misstrauen gegen den Staat in einsame Höhen treibt. „Der dunkle Schirm erzählt die Geschichte einer Gruppe von Menschen, die für das, was sie taten, viel zu hart bestraft wurden“, schreibt Dick im Nachwort des Romans. „Eigentlich wollten sie sich nur einen guten Tag machen und ihren Spaß dabei haben, aber sie waren wie Kinder, die auf der Straße spielten; sie konnten sehen, wie einer nach dem anderen von ihnen getötet wurde – überfahren, verstümmelt, ausgelöscht –, aber sie spielten trotzdem weiter.“ Die Spieler in Der dunkle Schirm sind Ausgeflippte, Junkies und Drogenagenten, die sich, längst süchtig geworden, selbst überwachen ohne es zu bemerken; eingebettet in ein bizarres Szenario, dessen Science-Fiction- Elemente sich auf die Bereitstellung paranoider Technologien konzentrieren, mit denen der Staat seine Bürger bespitzelt. Der dunkle Schirm gehört zu den persönlichsten und autobiografischsten Romanen von Philip K. Dick; umso erfreulicher, dass sich der Heyne-Verlag zu einer Neuauflage in der allgemeinen Reihe entschlossen hat. Einziger kleiner Wermutstropfen: das treffsichere Covermotiv der Bastei-Ausgabe aus dem Jahr 1980, das vom englischen Künstler Patrick Woodroffe stammt, wurde von Heyne zugunsten der einheitlichen Aufmachung aller Dick-Neuerscheinungen weggelassen. Detail am Rande: Der diesjährige Literatur-Nobelpreisträger J. M. Coetzee wurde 1982 für seinen Roman Warten auf die Barbaren für den Philip K. Dick Award nominiert (er verlor gegen Rudy Rucker und Software).

Philip K. Dick
Der dunkle Schirm
Heyne, München 2003
230 Seiten, Euro 9,95 (D) / Euro 10,30 (A) / sFr 17,50




GÖTTER AUF REISEN. Der in den USA lebende Engländer Neil Gaiman ist der bunte Hund der Science-Fiction-Szene. Mit einiger Verspätung ist im Heyne-Verlag nun sein jüngster Roman American Gods erschienen. Auf einer skurrilen Reise durch den Mittelwesten der USA versucht ein seltsamer Greis, der sich als der göttliche Allvater Odin entpuppt, die anderen alten Götter zu mobilisieren, um den neuen Götzen – Internet, Fernsehen, Konsum etc. – Einhalt zu gebieten. Der Roman wurde im Vorjahr gleich mit drei Preisen ausgezeichnet: mit dem „Locus Award“ (bester Fantasy-Roman), dem „Bram Stocker Award“ (bester Horror-Roman) und dem renommierten „Hugo Award“ (besten Science- Fiction Roman des Jahres). „American Gods ist der Versuch über Dinge zu reden, die man besser in Bilder und Metaphern fasst“, sagt Gaiman. „Amerikanische Geschichte ist eine Erfindung. In Wahrheit waren die amerikanischen Kolonien nicht nur eine Zuflucht sondern ebenso sehr ein Schrottabladeplatz.“ In den letzten Jahren ist Gaiman vor allem durch die Comic-Reihen Black Orchid und Sandman (letztere wurde nach 75 Folgen auf Wunsch von Gaiman beendet) und die Romane Ein gutes Omen (mit Terry Prattchett) und Niemalsland (wurde von der BBC verfilmt) in Erscheinung getreten.

Neil Gaiman
American Gods
Heyne, München 2003
623 Seiten, Euro 24 (D) / Euro 24,70 / sFr 39,80




DÄMONISCH. In den 70er-Jahren schrieb die Pabel-Moewig-Verlagsgruppe mit der Dämonen- Killer-Heftroman-Serie „Schundgeschichte“. Die Abenteuer um den wiedergeborenen Dämonen-Liquidator Dorian Hunter schafften sogar den Sprung auf den Index der verbotenen Schriften – wegen exzessiver Gewaltdarstellungen, so zumindest die offizielle Begründung. „Ich glaube, da hat uns die weniger erfolgreiche Konkurrenz reingeritten“, ist Dämonen-Killer-Erfinder Ernst Vlcek anderer Meinung. Vlcek ist heute vorwiegend für die Perry-Rhodan-Heftserie tätig; die Dämonen- Killer-Reihe gehört mit ihren 143 Bänden längst der Vergangenheit an. In Buchform ist sie jedoch im deutschen Zaubermond-Verlag auferstanden: eben ist mit Der Gast aus dem Totenreich der zwölfte Reprint-Band im Hardcover- Format erschienen. Der Zaubermond- Verlag bemüht sich bereits seit Jahren um bibliophile Neuausgaben von Heftroman-Klassikern aus den 60er bis 80er-Jahren. „Der Dämonen- Killer war damals mein Lieblingsprojekt“, erinnert sich Vlcek. „Vielleicht auch deswegen, weil sie kein gezieltes Verlagsprojekt war. Wir haben sie einfach gemacht und sie ist ein Erfolg geworden.“

Der Gast aus dem Totenreich
(Dämonen-Killer 13)
Zaubermond-Verlag, Schwelm 2003
416 Seiten, Euro 17,95 (D) / Euro 18,50 (A) / sFr 27, 80




LEBEN NACH DEM TOD. Seit dem Tod von Arthur Conan Doyle hat der britische Detektiv Sherlock Holmes mehr Abenteuer erlebt als zu Lebzeiten seines Erfinders; selbst Lovecrafts Cthullu durfte er bereits begegnen. In Der Fluch von Baskerville, dem ersten Band der im deutschen Blitz-Verlag erscheinenden Sherlock Holmes Criminal Bibliothek, knüpft der englische Dramatiker Michael Hardwick unmittelbar an die Geschehnisse in Doyles Der Hund von Baskerville an. Die Strickart ist nicht wirklich neu, und seit Stephen Kings Cujo und Pet Cemetary ist auch die breite Öffentlichkeit über das manchmal absonderliche Verhalten toter Haustiere informiert, trotzdem gelingt Hardwick eine durchgehend glaubwürdige Schilderung der Doylschen Charaktere. Die notwendige Recherchearbeit leistete der 1991 verstorbene Schriftsteller schon in seinen früheren Büchern: Er verfasste nicht nur eine Biografie von Arthur Conan Doyle sondern auch die fiktive Lebensgeschichte von Sherlock Holmes. (Sherlock Holmes, My Life And My Crimes). Im kommenden Jahr sollen im Blitz-Verlag weitere Sherlock-Holmes-Abenteuer erscheinen, die „in neue Richtungen vorstoßen“ sollen.

Der Fluch von Baskerville
Blitz-Verlag 2003
176 Seiten, Euro 9,90 (D) / Euro 10, 20 (A) / sFr 15,80




PREISGEKRÖNT. Für seine Storysammlung Dunkle Sonne wurde der Autor und Illustrator Gerd Frey mit dem „Deutschen Phantastikpreis 2003“ für die beste Originalkollektion ausgezeichnet. Frey gehört zu den Gründungsmitgliedern des Science-Fiction-Magazins Alien Contact. Die vorliegende, im Shayol- Verlag (www.epilog.de/shayol) erschienene Sammlung ist seine erste; sie enthält Neubearbeitungen der bereits im Rahmen von Alien Contact publizierten Stories, sowie Originalgeschichten zwischen Hard-SF, Cyberpunk und Fantasy.

Gerd Frey
Dunkle Sonne
Shayol-Verlag 2002
216 Seiten, Euro 12,80 (D) / Euro 13,20 (A) / sFr 19,80

 


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    Nachrichten von Büchern und Menschen

    Montag, 14. Januar 2008  –  dradio.de

    Hans Magnus Enzensberger: "Hammerstein oder der Eigensinn. Eine deutsche Geschichte"

    Montag, 14. Januar 2008  –  Frankfurter Rundschau

    Das gedruckte Wort allein reicht schon lange nicht mehr aus, um Bücher zu verkaufen.

    Montag, 14. Januar 2008  –  taz

    Rumänische Kirche gegen "Satanische Verse"

    Montag, 14. Januar 2008  –  FAZ

    Im Gespräch: Wladimir Sorokin

     

    Montag, 14. Januar 2008  –  Die Welt

    Ein hochdramatisches Familienschicksal ist der Plot des Buches "Hammerstein oder der Eigensinn".

    Montag, 14. Januar 2008  –  Die Welt

    Seine Geschichte erinnert an Will Smith, der in "I am a legend" allein durch New York streift ...

    Montag, 14. Januar 2008  –  Die Presse

    Intensiv: Friedrich Hahn über die postmoderne Liebe.

    Montag, 14. Januar 2008  –  Die Presse

    Aus einem Prosaband von Andrea Winkler

     

    Montag, 14. Januar 2008  –  Die Presse

    Drago Jancars „Katharina, der Pfau und der Jesuit“.

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    Ulrich Peltzer erkundet den Zusammenhang von Politik, Liebe, Medientheorie und Überwachungskameras

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    Hans Magnus Enzensbergers Recherche über General Hammerstein und seinen Kreis

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    Enzensberger über Hammerstein