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Dienstag, 10. August 2004

Benvenutis Bodycount

 

Sexualstraftäter im Visier eines Serienkillers, Mord in der TV-Show und Agenten im Kampf gegen Al-Qaida – Jürgen Benvenuti sichtet die neuen Krimis und Thriller.

Die junge Deutsche Gabriella Müller lebt seit einem Jahr in Sydney. Sie arbeitet bei der Stadtplanung, schreibt nebenbei ihre Diss und macht an den Wochenenden, was alle in Sydney machen, nämlich feiern bis zum Umfallen. Als sie einer Landsfrau begegnet, die nach einer wilden Sexnacht in einem fremden Haus ohne Papiere und Geld aufgewacht ist, bringt sie sie in ihrer Lesben-WG unter und begibt sich mit ihren Freundinnen auf die Suche nach einer irischen Elfe, die Drogen mit umwerfender Wirkung verteilt und angeblich Reisepässe klaut. Auch wenn Katrin Kremmler den Dreh noch nicht so ganz raus hat, all die Infos und Storys über Sydney, die Dramen in der Frauen- WG und die Probleme, die Immigranten auf Grund der restriktiven Einwanderungspolitik haben, zu einer stringenten Geschichte zu verschmelzen, macht DIE SIRENEN VON COOGEE BEACH Spaß, denn es ist witzig, kantig und unkonventionell, und in Zeiten von weichgespültem Einheitsbrei ist das richtig erfrischend.

Katrin Kremmler
DIE SIRENEN VON COOGEE BEACH
Argument Verlag, Hamburg 2003
192 Seiten, € 9,90 (D) / € 10,20 (A)


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Danny Cray ist ein erfolgloser Künstler, der nebenbei als Ermittler arbeitet. Er wird vom zwielichtigen Anwalt Judd Belzer beauftragt, den Urheber einer Verleumdungskampagne gegen einen seiner Klienten auszuforschen und gerät prompt in Lebensgefahr. DER ACHTE TAG ist weniger ein Thriller denn eines Toren Reise durch die große weite böse Welt. Da des Toren Lernvermögen ein beschränktes ist, stolpert er von einem Missgeschick ins nächste und hampelt durch die Gegend wie eine Marionette, deren Fäden an der Hand eines Breakdancers befestigt sind. Man gewinnt den Eindruck, John F. Case habe eine Liste angelegt, die es abzuarbeiten gilt. Ein paar mysteriöse Satanisten, erledigt. Ein bisschen Kurdistankitsch, geschafft. Ein wenig Hochtechnologie, abgehakt. Zu keinem dieser Themen fällt ihm ein origineller Gedanke ein. Lieblos werden die Kapitel zusammengeschustert und durch eine unplausible Dramaturgie zu einer ärgerlichen, seelenlosen Pflichtübung verbunden.

John F. Case
DER ACHTE TAG
Scherz, Frankfurt/M. 2004
384 Seiten, € 16,90 (D) / € 17,40 (A) / sFr 30,10


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Rasch zu reagieren ist für einen Soldaten, wie Andy McNab früher einer war, wichtig, für einen Autor, wie er es jetzt ist, nicht unbedingt, denn ein literarischer Schnellschuss trifft selten sein Ziel. Terror allenthalben, da verwundert es nicht, dass der britische Undercoveragent Nick Stone in seiner fünften Mission, TÖDLICHER EINSATZ, gegen das Netzwerk der Al-Qaida vorgehen soll. Er wird auf drei Geldverschieber angesetzt, die den Terroristen unkontrolliert riesige Summen zukommen lassen. McNab, ehedem Angehöriger einer Spezialeinheit, kennt sich aus in seinem Metier, alle Details stimmen, man erfährt viel über die Arbeit der Feldagenten (läuft nicht ganz wie bei James Bond), dennoch ist sein neuestes Buch eher enttäuschend. Man spürt zu deutlich, dass hier ein aktuelles Thema ausgeschlachtet wird, ohne viel Zeit in die Entwicklung der Story investiert zu haben. Die endlosen Beschattungen und Besprechungen sind vermutlich realistisch, aber nicht eben mitreißend.

Andy McNab
TÖDLICHER EINSATZ
Blanvalet, München 2004
480 Seiten, € 8,90 (D) / € 9,20 (A)


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Es ist August, und es ist heiß in Hartford, Connecticut. Detective Joe Dartelli von der Mordkommission untersucht den vermeintlichen Suizid eines Sexualstraftäters und stößt auf Ungereimtheiten. Bald stellt sich heraus, dass es sich um Mord handelt, dass der Täter bereits mehrmals zugeschlagen hat und dass Dartelli den Mörder vermutlich kennt, denn alle Indizien deuten auf Walter Zeller, Dartellis Freund, Mentor und ehemaligen Vorgesetzten, hin, dessen Frau vergewaltigt und ermordet wurde. Ridley Pearson betreibt für seine Bücher genaue Recherchen, die Arbeit der Spurensicherung wird ebenso kenntnisreich beschrieben wie der Verwaltungssumpf der Polizei oder die Ausrüstung eines SEK. Dennoch überzeugt AUSSER KONTROLLE nur teilweise. Pearsons Technikverliebtheit führt, in Kombination mit Dartellis Begriffsstutzigkeit, manchmal zu unnötig langen und komplizierten Szenen und die Geschichte hat, trotz routinierter Inszenierung, keinen rechten Biss. Heiß, aber nicht heiß genug.

Ridley Pearson
AUSSER KONTROLLE
Lübbe, München 2004
460 Seiten, € 8,90 (D) / € 9,20 (A) / sFr 16,50


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Ruhm, genau darum geht es, um R-U-H-M, in Großbuchstaben. Früher wurde man berühmt, weil man etwas Besonderes geleistet hatte, heute ist es eine besondere Leistung, berühmt zu sein. Obwohl die zehn Kandidaten der Reality-TV-Show Hausarrest vorgeben, das Interesse am sozialen Experiment sei der Hauptgrund, weshalb sie neun Wochen in einem hermetisch abgeschotteten Haus ausharren, träumen sie insgeheim doch alle vom Ruhm. Als der Publikumsliebling Kelly ermordet wird, übernimmt ausgerechnet Chief Inspector Coleridge, ein altmodischer Grantler, der in seiner Freizeit Shakespeare spielt und Hausarrest nur vom Wegschauen kennt, die Ermittlungen. Bissig und sehr kurzweilig schildert Ben Elton in seinem Roman TÖDLICHER RUHM die Auswüchse des Wirklichkeitsfernsehens, dessen Authentizität vor allem durch eine gute Schnitttechnik zustande kommt. Und am Schluss, nach einem bühnenreifen Auftritt, darf sich auch Coleridge darin baden, im Ruhm, den er jetzt, wo er ihn hat, nicht mehr hasst.

Ben Elton
TÖDLICHER RUHM
Goldmann, München 2004
400 Seiten, € 9,50 (D) / € 9,80 (A) / sFr 17,50




Jürgen Benvenuti, geboren 1972 in Bregenz, lebt als Krimi-Autor in Wien. Zuletzt veröffentlichte er den Roman Barcelona Blues im Europa Verlag. Sein neuer Krimi Kolibri erscheint bei Haymon.

 


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    Nachrichten von Büchern und Menschen

    Montag, 14. Januar 2008  –  dradio.de

    Hans Magnus Enzensberger: "Hammerstein oder der Eigensinn. Eine deutsche Geschichte"

    Montag, 14. Januar 2008  –  Frankfurter Rundschau

    Das gedruckte Wort allein reicht schon lange nicht mehr aus, um Bücher zu verkaufen.

    Montag, 14. Januar 2008  –  taz

    Rumänische Kirche gegen "Satanische Verse"

    Montag, 14. Januar 2008  –  FAZ

    Im Gespräch: Wladimir Sorokin

     

    Montag, 14. Januar 2008  –  Die Welt

    Ein hochdramatisches Familienschicksal ist der Plot des Buches "Hammerstein oder der Eigensinn".

    Montag, 14. Januar 2008  –  Die Welt

    Seine Geschichte erinnert an Will Smith, der in "I am a legend" allein durch New York streift ...

    Montag, 14. Januar 2008  –  Die Presse

    Intensiv: Friedrich Hahn über die postmoderne Liebe.

    Montag, 14. Januar 2008  –  Die Presse

    Aus einem Prosaband von Andrea Winkler

     

    Montag, 14. Januar 2008  –  Die Presse

    Drago Jancars „Katharina, der Pfau und der Jesuit“.

    Montag, 14. Januar 2008  –  Die Presse

    Alfredo Bauer, Ruth Klüger, Felix Pollak, Stella Rotenberg und mehr als 270 weitere Exilanten sind...

    Montag, 14. Januar 2008  –  derStandard.at

    Hans Magnus Enzensberger gedenkt des Reichswehr-Generals Kurt von Hammerstein-Equord.

    Montag, 14. Januar 2008  –  derStandard.at

    Ulrich Peltzer erkundet den Zusammenhang von Politik, Liebe, Medientheorie und Überwachungskameras

    Montag, 14. Januar 2008  –  derStandard.at

    Spanischer Dichter starb im Alter von 82 Jahren

    Montag, 14. Januar 2008  –  NZZ

    Dass der Kanon oft das Ende der Debatten ist, lässt sich an vielen Versuchen zeigen, die Literatur...

    Montag, 14. Januar 2008  –  NZZ

    Hans Magnus Enzensbergers Recherche über General Hammerstein und seinen Kreis

    Montag, 14. Januar 2008  –  NZZ

    Michael Donhausers neue Prosagedichte

    Freitag, 11. Januar 2008  –  Berliner Zeitung

    Hans Magnus Enzensbergers Buch über den eigensinnigen General Kurt von Hammerstein

    Freitag, 11. Januar 2008  –  dradio.de

    Peter Handke: "Die morawische Nacht"

    Freitag, 11. Januar 2008  –  Frankfurter Rundschau

    Das grüne Archiv als Nachlass: Michael Hamburger war nicht nur Dichter, sondern auch Apfelzüchter.

    Freitag, 11. Januar 2008  –  Frankfurter Rundschau

    Enzensberger über Hammerstein