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Narziß war sich ja egal. Sein eigenes Gesicht kam ihm sogar obszön vor. Aber es war nun mal so: keine andre Möglichkeit, als in ihm, nein: durch es hindurch seinen geliebten Zwilling zu erkennen, den die Götter aus Rache beim Schwimmtraining hatten ertrinken lassen. In der sinnlosen Zeit, die auf das Unglück gefolgt war, hatte Narziß anfangs jedes Wasser verflucht; sah er nur einen einzigen Tropfen, spuckte oder pinkelte er hinein, was als Trost über den Tod der Schwester aber nicht half. Er verkam. Erst nach Jahren, als er, wankend und lallend im Rausch, beim üblichen Anbrüllen eines großen Gewässers einmal vornüber auf die Knie fiel und sich nicht sofort aufrappeln konnte, erkannte er auf dem nächtlichen Wasser plötzlich sein gespiegeltes Gesicht, das in der Dunkelheit und der vom Schmerz und Alkohol verwirrten Sicht für ihn sofort das Gesicht des ertrunknen Zwillings war. Der Schmerz verging so nicht, wurde aber ein betäubter. Narziß gewöhnte sich an diese Droge, schaute Woche für Woche, Jahr für Jahr, schleppte sich kaum noch weg von den verschiedenen Ufern, an denen er drauf hoffte, daß die ihn zernagende Trauer durch das Bild ein wenig verflog. Ungeduldig, wieder nein: beinahe flüchtig sah er dann auf sein eignes Wasserspiegelbild, suchte statt dessen konzentriert nach dem Dahinter. Die Schwierigkeit war, sich anzuschaun und gleichzeitig abzusehn von sich, das eigene Gesicht nur als Kopie zu begreifen, hinter der sich in vollkommener Übereinstimmung das Zwillingsgesicht verbarg. Die schwindelnde Übelkeit bei diesem Gedanken vertrieb Narziß mit leichter Nackengymnastik, schaute aber weiter dabei. |
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Freitag, 25. November 2011
Titelgeschichte: Die Geisterstadt
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Sebalds Neger
Die Vereinnahmung von W.G. Sebald als Klassiker erfordert ein Ausblenden seiner widerborstigen Seite. Von Uwe Schütte
Tiere und Pflanzen, diese gewaltige Dichtung
Jean-Henri Fabres Erinnerungen eines Insektenforschers. Von Ulrike Draesner
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Christoph Schröder über Jan Peter Bremers Roman Der amerikanische Investor
„Du elender Hauseingang!“
Klaus Kastberger über Xaver Bayers Wenn die Kinder Steine ins Wasser werfen
„Rache ist ein schlechter Berater“
Christoph Hein spricht mit Katrin Hillgruber über seinen neuen Roman Weiskerns Nachlass.
Dichter unter Hochdruck
Daniela Strigl über Leben und Werk des Lyrikers Walter Buchebner
Neulich
Andreas Maier dümpelt im Moorsee.
Grandioses Cartoon-Gespann
Nicolas Mahler illustriert Thomas Bernhards Alte Meister. Von Thomas von Steinaecker
Lyrik-Logbuch Michael Brauns Eintragungen zu Gedichten der Gegenwart
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Siebzehn Stufen
Zum Verhältnis von Alltag und Literatur. Von Georg Klein
Wie Literatur funktioniert
Gerrit Bartels über James Woods Die Kunst des Erzählens
Das Fahrrad weiß mehr
Nicht mehr lieferbar! – Eine Serie von Clemens J. Setz über vergriffene Werke bedeutender Autoren. Teil 2: Denton Welch.
„Es ist viel Arbeit, normal zu bleiben“
Die Literatur im Zeitalter von Wordpress und Twitter. Eine Umfrage
Die Bewohner von Château Talbot Von Arno Geiger
Unsere Popmoderne Die Wechselstunden. Von Marc Degens
Sehr gepflegt, aber Perser!
Pavel Kohout entfaltet in seinem neuen Roman Der Fremde und die Schöne Frau ein Panorama alltäglicher Xenophobie. Von Ulrich Faure
Geld und Erlösung
Über Hermann Brochs ökonomische Fantasie. Von Bernhard Fetz
Was kostet ein Broch?
Rezeption und Autografenhandel. Von Michael Hansel
Platzanweisung
Christina Böhms Siegertext beim 19. open mike
Herr Jesus springt
Der Siegertext des FM 4-Literaturwettbewerbs Wortlaut. Von Isabella Straub
Im Schatten der Mauer des Lebens
Mirko Bonné zu seiner Neuübersetzung von Sherwood Andersons Winesburg, Ohio